Interview

Augsburgs Strobl: „Gladbach hat eine andere Wucht“

Seit dieser Saison für den FC Augsburg im Einsatz: Tobias Strobl.

Seit dieser Saison für den FC Augsburg im Einsatz: Tobias Strobl.

Foto: firo

Augsburg.  Tobias Strobl tritt mit dem FC Augsburg bei seinem Ex-Klub im Borussia-Park an. Vor dem Spiel spricht er über die beiden Vereine, seine Familie und das Golfspielen.

Für Tobias Strobl hat sich mit seinem Wechsel von Borussia Mönchengladbach zum FC Augsburg ein Kreis geschlossen. Der gebürtige Münchener kehrte im Sommer vom Niederrhein in seine Heimat nach Bayern zurück. Am Samstag (15.30 Uhr/Sky) tritt der 30-Jährige mit dem FCA erstmals zum Bundesliga-Duell bei seinem Ex-Klub an.

Herr Strobl, wen würden Sie gerne bei Ihrer Rückkehr in den Borussia-Park zuerst begrüßen?

Tobias Strobl: Max Grün. Leider haben wir nur ein Jahr zusammen gespielt. Aber in der ersten Corona-Phase, im ersten Lockdown, hat er mir geholfen, nicht ganz alleine in der Wohnung zu bleiben. Wir haben also den einen oder anderen Spaziergang zusammen gemacht. Da ist eine echte Freundschaft entstanden.

Zu wem haben Sie sonst noch regelmäßigen Kontakt in Gladbach?

Strobl: Zu Lars Stindl, Jonas Hofmann und Tony Jantschke vor allem. Da gibt es schon einige.

Sie waren vier Jahre bei der Borussia. Was hat den Ausschlag für Ihren Wechsel gegeben?

Strobl: 2019 hatte ich in Gladbach schon ein Vertragsangebot vorliegen. Aber das habe ich nicht unterschrieben. Ich habe beschlossen, dass ich selbst die Entscheidung treffen möchte. So habe ich mich für den FC Augsburg entschieden.

Aus welchen konkreten Gründen sollte es der FCA sein?

Strobl: Ich habe eine neue Herausforderung gesucht. Zudem ist meine Familie mir hier sehr nah. Meine Mutter und mein Bruder wohnen in der Umgebung. Alle sind wieder vereint. Ich kann sie sehen, wann ich möchte. Durch den Wechsel habe ich eine sehr hohe Lebensqualität wiedererlangt. Heimat ist für mich Familie.

Haben Sie Heimweh verspürt während Ihrer Zeit am Niederrhein?

Strobl: In meinem letzten halben Jahr in Gladbach wollte ich wieder nach Hause zurückkehren. Ich war insgesamt zehn Jahre von dort weg, also lange genug. Beim Angebot des FCA habe ich nicht lange überlegen müssen. Die Verantwortlichen haben mir ein sehr gutes Gefühl gegeben. Ich kann Verantwortung übernehmen und will einen nächsten persönlichen Schritt machen.

Wie würden Sie den FC Augsburg als Klub beschreiben?

Strobl: Alles ist sehr familiär, die Abläufe sind kurz. Die Mannschaft ist charakterlich einwandfrei, das Training macht Spaß. Auch früher habe ich schon gerne mit anderen Mannschaften in Augsburg gespielt, weil die Zuschauer, als sie noch erlaubt waren im Stadion, eine sehr gute Stimmung gemacht haben. Ich freue mich darauf, als Heimmannschaft irgendwann in einem vollen Stadion auflaufen zu dürfen.

Wo liegen Unterschiede oder auch mögliche Parallelen zur Borussia?

Strobl: Es gibt unterschiedliche Saisonziele, die jedoch beide mit Druck behaftet sind. Gladbach hat aber in ganz Deutschland und auch international eine andere Wucht. Augsburg spielt jetzt das zehnte Jahr in der Bundesliga. Das zeigt, dass hier etwas heranwächst und dass gut gearbeitet wird. Es werden natürlich etwas kleinere Brötchen als in Gladbach gebacken.

Welches war Ihr schönstes Erlebnis als Gladbach-Profi?

Strobl: In der Champions League bei Celtic Glasgow zu spielen. Das war für mich der schönste und tollste Moment, den ich als Gladbacher erleben durfte. Das war 2016 ein sehr besonderes Spiel für mich.

Sie haben dort sogar einen 2:0-Sieg gefeiert. Die Gladbacher spielen jetzt wieder Champions League, sind sogar überraschend Tabellenführer in einer starken Gruppe.

Strobl: Wenn sie die letzten Minuten in Mailand und gegen Madrid noch etwas anders über die Zeit gebracht hätten, stünden sie sogar noch besser da. Ich habe vor dem Fernseher mitgefiebert und gelitten. Aber die Art und Weise, wie sie spielen, macht Mut. Ich hoffe, dass sie die K.o.-Runde erreichen. Das würde ich ihnen von Herzen gönnen.

Sie waren in den vergangenen Jahren recht häufig verletzt, brauchten auch in Augsburg nach einem Muskelbündelriss noch längere Anlaufzeit. Wie sind Sie mit diesen Rückschlägen umgegangen?

Strobl: Leider gehört es zu unserem Job. Es gibt ein paar Spieler, die es häufiger erwischt und andere, die seltener betroffen sind. Ich habe mich damit abgefunden. In Gladbach hatte ich vier größere Verletzungen in vier Jahren. Auch deshalb war es gut, dass ich diese Akte schließen und noch einen Neustart in Augsburg machen konnte.

Als Defensiv-Allrounder stehen Sie nicht so sehr im Rampenlicht wie andere Spieler. Gefällt Ihnen diese Rolle?

Strobl: Ja, natürlich. Ich möchte nicht so sehr in der Öffentlichkeit stehen. Je unauffälliger ich spiele, desto besser ist es.

Was können Sie für eine Mannschaft leisten?

Strobl: Ich kann sie ganz gut führen, habe ein sauberes Passspiel, zudem ein gutes taktisches Verständnis.

Als 15-Jähriger waren Sie in einer Einzelsportart, im Golf, bayerischer Meister Ihrer Altersklasse. Wie häufig stehen Sie heute mit 30 noch auf dem Golfplatz?

Strobl: Sehr häufig, so oft es geht. Früher habe ich in Gladbach mit ein paar Mannschaftskollegen gespielt, in München spiele ich nun mit meiner Familie. Ich verliere zwar meistens gegen meinen Bruder, aber es macht trotzdem Spaß. (lacht)

Hätten Sie nicht das Zeug zum Profigolfer gehabt?

Strobl: (lacht) Nein, auf keinen Fall. Ich habe mich lieber auf Fußball konzentriert. Ich bin ein Teamspieler.

Worauf kommt es nun für den FCA im Duell am Samstag an?

Strobl: Wir werden gegen einen sehr, sehr guten Gegner spielen. Wir brauchen einen perfekten Tag, um dort bestehen zu können. Aber den wollen wir abrufen. Wenn wir das hinbekommen, machen wir es Gladbach schwer. Dann werden wir sehen, wie es ausgeht.

Was wünschen Sie sich nun für Ihre Zukunft?

Strobl: Fußballerisch wünsche ich mir eine verletzungsfreie Zeit in Augsburg, dass ich so gut es geht fit bleibe. Privat wünsche ich mir, dass meine Liebsten alle gesund bleiben und ich mit ihnen noch viele schöne Momente verbringen darf.

Werden Sie jetzt bis zu Ihrem Karriereende in Bayern bleiben?

Strobl: Ja, davon gehe ich aus.

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