Kommentar

Die Fußball-WM war das Turnier der starken Frauen

Die Spielerin des Turniers: Megan Rapinoe aus den USA

Die Spielerin des Turniers: Megan Rapinoe aus den USA

Foto: dpa

Lyon.  Die USA waren bei der WM in Frankreich nicht zu stoppen. Doch nicht nur sportlich machte der Weltmeister auf sich aufmerksam. Ein Kommentar.

Sie sind wie ein Hochgeschwindigkeitszug durch dieses Turnier gerauscht: blitzschnell, mit reichlich Getöse, die Weichen Richtung Titelverteidigung gestellt. Die USA sind der verdiente Weltmeister dieser 8. Fußball-WM, die nun nach 30 Tagen in Frankreich endet.

Gianni Infantino hatte das Turnier schon vor dem Finale zur „besten Frauen-WM aller Zeiten“ erklärt. Der Präsident des Fußball-Weltverbandes spricht gerne in Superlativen, doch ganz so verkehrt liegt der 49-Jährige nicht. Diese WM wird so schnell nicht vergessen werden.

Es war eine politische WM, das Turnier der starken Frauen mit starken Meinungen. Das von Megan Rapinoe, die bei der Hymne schwieg und dafür umso lauter gegen die Politik von US-Präsident Trump und Fifa-Präsident Gianni Infantino wetterte. Das von Marta, der brasilianischen Fußball-Ikone, die gegen die Ungleichbehandlung von Mann und Frau kämpfte. Das der Australierinnen, die in der Heimat erfolgreich für das gleiche Mindestgehalt wie in der Männerliga gekämpft hatten und diesen Kampf während der WM auf der höchsten Ebene fortsetzten.

Es war eine WM des Fernsehens. Die Stadien waren kaum ausverkauft, doch mehr als 850 Millionen Menschen weltweit sollen die WM-Spiele auf TV-Kanälen und Streaming-Plattformen verfolgt haben, mit dem Final-Wochenende dürfte die Milliarde geknackt sein. Eine Verdopplung im Vergleich zur WM in Kanada vor vier Jahren.

Es war eine WM, die gezeigt hat, wie rasant sich der Frauenfußball weiterentwickelt hat. Er ist wieder einen Tick schneller, technisch versierter, härter und professioneller geworden. Das deutsche Team hat dabei Lehrgeld zahlen müssen, war zu jung, zu unerfahren, um über das Viertelfinale hinauszukommen. Doch es ist mit genug Talent gesegnet, um künftig wieder eine größere Rolle zu spielen.

Allerdings: Zwei Jahre bis zur EM und vier bis zur nächsten WM sind eine lange Zeit. In den USA, der Nation mit den meisten Fußballerinnen, wird der WM-Titel noch mehr Mädchen zum Fußball und mehr Zuschauer in die Stadien bringen. Diesen Boom wird es in Deutschland durch das Viertelfinal-Aus nicht geben. Die Bundesliga dürfte von der „besten Frauen-WM“ kaum profitieren. Der Hochgeschwindigkeitszug ist durchgerauscht. Nächster Halt in zwei Jahren.

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