Fortuna Düsseldorf

Zack Steffen - der blaue Kleiderschrank begeistert Fortuna

Begeistert Fortuna Düsseldorf: Torwart Zack Steffen.

Begeistert Fortuna Düsseldorf: Torwart Zack Steffen.

Foto: imago

Düsseldorf.  Fortuna Düsseldorf freut sich über den Einstand von US-Nationaltorwart Zack Steffen. Den ersten Eindruck muss er am Samstag bestätigen.

Torhüter pflegen unterein­ander oft eine besonders enge Verbundenheit. Nur wer die extreme Gratwanderung eines Ballfängers selbst mal erlebt hat, kann den Schulterschluss verstehen, den Vertreter dieser Spezies mitunter aufbauen. So wie bei Lutz Pfannenstiel, dem einstigen Torwart-Weltenbummler, zu Zackary Steffen, dem US-Nationaltorwart, der beim 3:1-Auftaktsieg von Fortuna Düsseldorf beim SV Werder Bremen als Spielgewinner in aller Munde war.

Der 24-Jährige redete hernach von großartigen Momenten („great moments“) und schwärmte von seinen tollen Mitspielern („amazing team“), als ihm der einst auf sechs Kontinenten professionell das Tor hütende Fortuna-Sportvorstand in den Rücken fiel. „Come on, Zack, mach’s auf Deutsch!“ Steffen, Leihgabe von Manchester City, spielte nämlich früher anderthalb Jahre für die zweite Mannschaft des SC Freiburg (2015/2016), aber ein Statement auf Deutsch traute er sich nicht auch noch zu.

Gegner und Fortuna-Mitspieler schwärmen

Es reichte ja schon, dass sich der Bundesliga-Debütant nicht nur den Respekt des Gegners erwarb (Werder-Trainer Florian Kohfeldt hatte einen „fantastischen Torwart“ gesehen), sondern auch den der eigenen Mitspieler. „Er hat eine brutale Physis. Als Abwehrspieler überlegst du dir zweimal, ob du da mitspringst“, meinte Düsseldorfs Innenverteidiger Kaan Ayan. Der 1,91 Meter große und 86 Kilogramm schwere Modellathlet Steffen strahlte in blauer Torwartkluft die Dominanz eines Kleiderschranks aus.

Auch wenn Steffen die Nummer 24 trägt, dürfte er bald die unangefochtene Nummer eins werden. Zwar ließ er noch ein-, zweimal den Ball unnötig abprallen, aber seine Paraden und sein Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten wirkten beim Debüt verblüffend. Dazu offenbarte der Hüne erstaunliche Abgeklärtheit beim Mitspielen. Selbst der mit Lobpreisungen eher sparsame Trainer Friedhelm Funkel holte bei der Aufzählung der Vorzüge etwas weiter aus: „Wir sind Pep Guardiola sehr dankbar, dass wir ihn ausleihen konnten. Ein sehr lockerer Typ, der immer gute Laune hat. Sehr diszipliniert, sehr professionell. Er hat gute Torwart-Qualitäten und ist auch noch fußballerisch gut bestückt.“ Schwer vorstellbar, dass Konkurrent Michael Rensing, der sich auf einer Mountainbike-Tour im Trainingslager eine Schultereckgelenksprengung zuzog, mit 35 Jahren noch einmal den alten Status erlangt.

Dafür hat der aus Coatesville im US-Bundesstaat Pennsylvania stammende Schlussmann schlicht zu gute Anlagen mit nach Deutschland gebracht. „Ich kenne ihn seit vielen Jahren, habe seinen Weg in Freiburg und in der Major League Soccer immer verfolgt“, erklärte Sportvorstand Pfannenstiel. Bei Columbus Crew hielt Steffen in fast jedem dritten seiner 84 Pflichtspiele den Kasten sauber, er wurde zum „Torwart des Jahres 2018“ in den USA gewählt und bekam von Nationaltrainer Gregg Ber-halter beim Gold Cup das Vertrauen. Seinen ersten Gegentreffer kassierte „Zack“, wie ihn alle nennen, erst im Halbfinale gegen Jamaika (3:1). Dass das Team der USA das Finale gegen Mexiko verlor (0:1), lag am wenigstem an ihm. Danach nahm ihn Manchester City für knapp acht Millionen Euro unter Vertrag. An diesem Punkt witterte Pfannenstiel seine Chance.

Denn ein US-Nationaltorwart ist zu schade, um bei einem Top-Klub der englischen Premier League als Nummer drei hinter Stammtorhüter Ederson (24) und Stellvertreter Claudio Bravo (36) auf der Tribüne zu versauern. Pfannenstiel, der nach eigener Aussage gute „connections“ in die Führungsetage des englischen Meisters unterhält, konnte seinen Kollegen Txiki Begiristain vom „perfect match“ überzeugen, wie der 46-Jährige die Konstellation nennt, denn: „Das kann eine Win-Win-Situation für alle werden. Wir haben einen guten Torwart, Zack bekommt Spielpraxis und Man City im nächsten Jahr einen Torwart, der sich in einer der besten Ligen Europas behauptet hat.“ Drei Parteien, drei Gewinner.

Ein Keeper mit Charisma

Der frühere Bayern-Trainer Guardiola soll angeblich jetzt wöchentliche Information aus Düsseldorf einfordern. Es heißt, er zählt den Sonnyboy vom Potenzial her zu den besten sechs Keepern im deutschen Oberhaus. Pfannenstiel meint mit Blick auf das Derby gegen Bayer Leverkusen am Samstag (15.30 Uhr/Sky): „Zack muss seine Leistung natürlich noch bestätigen, aber die Bundesliga kann sich freuen.“ Über einen Torwart, der allenfalls vom Charisma mit ihm selbst vergleichbar sei. „Er ist der weitaus bessere Torhüter. Ich konnte doch nie beidfüßig schießen“, gibt Lutz Pfannenstiel ehrlich zu. „Claus Reitmaier (Torwarttrainer in Düsseldorf, Anm. d. Red.) und ich entstammen dann doch eher der alten Schule.“

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