Champions League

FC Bayern München erlebt das Gefühl der Unterlegenheit

Bayern-Verteidiger Mats Hummels nach dem Aus in der Champions League

Bayern-Verteidiger Mats Hummels nach dem Aus in der Champions League

München.  Den Vergleich der Verteidiger entscheidet Liverpools Virgil van Dijk gegen Mats Hummels deutlich für sich. Debatte über den Umbruch in München.

Als die Südkurve ein letztes Mal nach Schlusspfiff Beifall spendete, die Spieler mit gesenkten Köpfen ihren Applaus wofür auch immer abholten, wurde nicht sofort klar: Ist das jetzt das Ende einer Ära oder ein Zwischentief, wie es jede Fußballmannschaft irgendwann erlebt?

Jedenfalls jagte der FC Bayern nach dem Ausscheiden aus der Champions League einen Queen-Song durch die Lautsprecher der Allianz-Arena, einen Refrain, der in München seit Olympia 1972 eine fast historische Bedeutung ausstrahlt: „The Show must go“. Die Show muss weitergehen.

Einfach so weitergehen wird beim FC Bayern, so viel ist sicher, gar nichts. Das 1:3 (1:1) zu Hause gegen den FC Liverpool katapultierte den Rekordmeister in das Gefühl von Unterlegenheit, wie es voriges Jahr beim Ausscheiden gegen Real Madrid vorherrschte.

Bayern so schlecht wie seit elf Jahren nicht mehr

Nur: Dieses Mal ist es schlimmer. Das Team schnitt mit dem Aus im Achtelfinale nicht nur so schlecht ab wie seit elf Jahren nicht mehr. Der Gegner offenbarte, wie rückständig das Ensemble ausgerichtet ist – taktisch, mental, qualitativ.

Die Erkenntnis ist nicht neu. Schon im Vorjahr, als Real Madrid die Verschleißerscheinung der alternden Bayern-Stars offenlegte, war der Personalwechsel um Jérôme Boateng und Mats Hummels hinten sowie Franck Ribéry und Arjen Robben vorne angemahnt worden.

Van Dijk wie der junge Hummels

Bayern-Präsident Uli Hoeneß aber wollte den radikalen Wechsel nicht. Eher einen „soften Übergang“, wie er es nennt, notfalls einen ohne Titel. Die Quittung bekamen die Bayern jetzt. „Wir haben unsere Grenzen aufgezeigt bekommen“, sagte Trainer Niko Kovac.

Mats Hummels wurde am brutalsten vorgeführt, warum ihn Bundestrainer Joachim Löw aussortiert hat und wie ein moderner Abwehrmann Wirkung entfaltet. Virgil van Dijk, mit 80 Millionen Euro Ablöse teuerster Verteidiger der Welt, avancierte zum entscheidenden Mann des Abends.

Sein Netzer-Pass über das halbe Spielfeld leitete das Führungstor von Sadio Mané ein (26.). Van Dijk selbst besorgte mit einem Kopfball die Vorentscheidung, als er bei einem Milner-Eckball die angeblichen Abwehrtürme Martinez und Hummels übersprang (69.).

Klopp lobt seinen Verteidiger

Seine Präsenz erinnerte an den jungen Hummels, wie ihn Borussia Dortmund kennt, und nicht an den älteren, der beim dritten Tor durch Mané mit der Orientierung den Nahkampf verlor (84.). Trainer Jürgen Klopp über Van Dijk: „Was er in den letzten Wochen macht, ist außergewöhnlich.“

Nicht außergewöhnlich, sondern ungewöhnlich der FC Bayern: vorsichtig, fast ängstlich in der Spielanlage, ohne Führungsfigur auf dem Rasen, ohne Mumm. Torjäger Robert Lewandowski hat sich mächtig darüber aufgeregt. „Ich denke, wir haben zu defensiv gespielt“, so der Pole. „Wir haben weniger riskiert nach vorne zu spielen.“

Trainer Kovac beeilte sich in der Pressekonferenz mit der Erklärung, dass er nicht ins offene Messer rennen wollte, und bekam sogar von Klopp Recht: „Kontern können wir. Das ist unsere Stärke.“ Geholfen hat’s halt nicht. Bayern erspielte zu keinem Zeitpunkt Chancen für mehr Tore.

Neuer patzt - Löw schaut zu

„Am Ende war es zu wenig druckvoll, nicht aktiv, zu passiv für ein Heimspiel gegen eine der besten Mannschaften der Welt“, monierte Hummels. „Grundsätzlich hat die Durchschlagskraft in beiden Spielen etwas gefehlt“, pflichtete Torwart Manuel Neuer bei.

Jeder Satz: einer mit Brisanz. Niko Kovac ahnt es: „Es ist doch normal. Wenn du schlecht spielst, dann bist du automatisch in der Kritik.“ Er selbst könnte fragen: Was ist in Neuer gefahren, dass er beim ersten Gegentor rauskam und von Mané umdribbelt werden konnte? Tat er aber nicht.

„Er war richtig, dass er rauskommt“, verteidigte ihn Kovac. Bundestrainer Löw, mit Teamdirektor Bierhoff auf der Tribüne, wird den Neuer-Fehler einzuordnen wissen.

Entschuldigungen gibt es nicht. Alle drei deutschen Mannschaften sind raus, die vier englischen Mannschaften weiter. The Show must go on? Das wird weder in München noch sonstwo beim DFB funktionieren.

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