Fußball

Eckhard Krautzun, Essener Globetrotter in Sachen Fußball, wird 80

Eckhard Krautzun trainierte Teams in 11 verschiedenen Ländern.

Eckhard Krautzun trainierte Teams in 11 verschiedenen Ländern.

Foto: Alexander Heinl

Essen.  Der Essener Eckhard Krautzun blickt auf 31 Trainerstationen in knapp 40 Jahren zurück. Am Mittwoch wird der Fußball-Weltreisende 80 Jahre alt.

Wenn von Eckhard Krautzun die Rede ist, wird oft der Umweg über bedeutende Figuren des Fußballs gewählt. Pelé kennt er persönlich, Diego Maradona hatte er einmal trainieren dürfen. Er war Vorgänger von Jürgen Klopp bei Mainz 05, von Volker Finke in Freiburg sowie von Otto Rehhagel in Kaiserslautern und ist Freund von Manchester-United-Legende Sir Alex Ferguson.

Die Trainerlaufbahn startet in Zürich

Eckhard Krautzun ist ein echter Globetrotter, einer der – schrieb einst der Spiegel – „überall dort zu Hause ist, wo jemand gegen den Ball tritt“. Mehr als 30 Trainerstationen in knapp 40 Jahren in Ländern auf beinahe der gesamten Welt sind bei dem gebürtigen Essener, der an diesem Mittwoch 80 Jahre alt wird, seit seinem ersten Trainerjob 1969 in Zürich zusammengekommen.

„Abenteuerlust. Interesse an anderen Ländern, anderen Kulturen, anderen Kontinenten“, begründet Krautzun, der immer wieder als stiller, bescheidener Mensch beschrieben wird, seinen Drang, Grenzen zu überschreiten. Tiefer lässt vielleicht ein anderer Satz in eine Persönlichkeit blicken: „Ich hatte nie Kinder, keine Frau und somit keinen Grund, nicht zu fahren.“

Eckhard Krautzun: Ein rastloses Trainerleben

Diese Rastlosigkeit, diese Neugier hat aber eben auch dazu geführt, dass er durch seine Trainerarbeit nur selten öffentlich sichtbare Spuren hinterlassen hat. In Tunesien wird er verehrt, weil er 2001 die Nationalmannschaft erfolgreich durch die Qualifikation zur WM in Südkorea und Japan geführt hat. Bei der Weltmeisterschaft selber saß er dann aber schon nicht mehr auf der Bank. Pokalsieger mit Kaiserslautern war er 1996, zwei Jahre später gewann er mit dem tunesischen Klub Sfax den CAF-Cup für afrikanische Vereinsmannschaften.

Dennoch hat er auch ohne Weltruhm und Titelsammlung zwischen Vancouver und Kuala Lumpur, zwischen Hamburg und Freiburg als Trainer von Erstligisten, Nationalmannschaften und Nachwuchsteams tausende Fußballer und Fußballerinnen inspiriert. Noch heute schult er online chinesische Trainer.

Fußball als gemeinsamer Nenner

„Eckhard und ich haben uns bei einem Trainerlehrgang kennengelernt und auf Anhieb gemocht“, sagte vor einigen Jahren United-Ikone Ferguson, dessen Karriere untrennbar mit einem einzigen Klub verbunden ist, über den scheinbar gegensätzlichen, den rastlosen Krautzun. Fußball war und ist der gemeinsame Nenner der beiden.

Sorge um den Fußball

Dass er, der doch dem Fußball in den entlegensten Winkel des Planeten folgte, seinem Fußball derzeit nur auf Distanz folgen kann, ist vermutlich Krautzuns größte Beschwernis am 80. Geburtstag: „Man sieht auf dem Bildschirm schon einiges, aber die Kamera ist halt hauptsächlich auf den Ball gerichtet“, klagt er über das fehlende Stadionerlebnis in Corona-Zeiten – und sorgt sich über die Zukunft seines Sports, weil sich die Fans abwenden könnten: „So manch einer hat sich sicher anderen Hobbys zugewandt. Ich glaube nicht, dass das für den Fußball sehr förderlich ist.“

Sesshaft ist Eckhard Krautzun als 80-Jähriger vielleicht geworden, aber im aktuellen Fußballgeschehen weiter mittendrin.

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