Amateurfußball

Dortmunder Amateurfußballer wird mit Spiel in Leipzig geehrt

Sven Schlüchtermann hier noch im Trikot von Phönix Eving.

Sven Schlüchtermann hier noch im Trikot von Phönix Eving.

Foto: Bodo Goeke

Dortmund/Leipzig.  Sven Schlüchtermann ist in Dortmund aufgewachsen. Mittlerweile lebt er in Leipzig - und wird von den Fans der BSG Chemie Leipzig geliebt.

Der Weg zum Alfred-Kunze-Sportpark führt in den Leipziger Nordwesten. Vorbei an Altbauten, mal gentrifiziert, aufgehübscht, mal vergessen, verwahrlost. Autohäuser und Fast-Food-Ketten zeugen von der Wiedervereinigung. Ein paar alte Villen verzücken (auch in der DDR gab es Bourgeoisie).

Dann steht es da, in Leutzsch, das Stadion der BSG Chemie Leipzig, im Sommer 100 Jahre alt. Der DDR-Meistertitel wurde hier bejubelt. Zehntausende brüllten hier. Legendäre Vergangenheit, die der Spieler, der am Samstag, 21. März, gehuldigt wird, nicht erlebt hat. Überhaupt wäre es ohne die Abbiegungen, die das Leben manchmal nimmt, niemals dazugekommen, dass sich Sven Schlüchtermann aus Dortmund bei einem der berühmtesten Klubs im Osten Deutschlands zum Fanliebling grätscht.

So aber tritt der 33-Jährige mit seinem aktuellen Verein, dem Oberligisten VfL Halle, bei der BSG an, bei der er acht Jahre gespielt hat, mit der er dreimal aufgestiegen ist. „Das Testspiel findet zu Ehren von Sven Schlüchtermann statt“, schreibt Chemie Leipzig. Der Klub kämpft derzeit um den Klassenerhalt in der Regionalliga.

Steven Gerrard oder Peter Crouch?

„Es war immer etwas Besonderes für mich, im Alfred-Kunze-Sportpark aufzulaufen. Deswegen freue ich mich natürlich sehr darauf, in dem schönsten Stadion, das ich kenne, zu spielen“, meint der, der geehrt werden soll. „Ich hoffe, dass ein paar Leute kommen, zumindest meine Familie und meine Freunde aus Dortmund haben sich schon angekündigt, das ist ja schon mal was“, ergänzt Schlüchtermann. Und: „Etwas Besseres als die acht Jahre bei der BSG hätten mir nicht passieren können.“

Begonnen hat der Amateurfußballer auf den Aschenplätzen in Dortmund. TSC Eintracht. Blau-Weiß Huckarde. Bei Phönix Eving schafft er den Durchbruch in der Landesliga, im zentralen Mittelfeld. Steven Gerrard taufen ihn die Kollegen, obwohl er eher wie Peter Crouch schlackst. „Der weiß gar nicht, wie unfassbar gut er ist“, sagt ein Mitspieler.

Vermutlich wäre die Amateur-Karriere daher auch im Revier ganz ordentlich verlaufen, doch 2008 entschließt sich Schlüchtermann, in Leipzig zu studieren (irgendwas mit Sport). Also Umzug. Irgendwann hört er von der BSG, die damals nur in der Kreisklasse kickt, trotzdem von vielen Fans unterstützt wird. Es existiert sogar eine Ultragruppierung: die Diablos Leutzsch. 2010 beginnt Schlüchtermann im grün-weißen Trikot. Schießt Tore, bereitet weitere Tore vor. Verspringt ihm der Ball (was schon mal vorkommt), holt er ihn zurück, manchmal rüpelt er sich zu Rot. Irgendwann dröhnen die Schlüchtermann-Rufe der Fans immer lauter. Bis zur Oberliga mischt er mit.

„Die Zeit bei der BSG, in der es von der Kreisklasse bis zur Oberliga ging, war einmalig. Drei Aufstiege, ein Abstieg, eine bittere Pokalniederlage, ein Freundschaftsspiel gegen Eintracht Frankfurt und ein Aufstiegsspiel vor mehreren Tausend Zuschauern waren meine Höhepunkte“, sagt Schlüchtermann.

Erfolg verschlingt Helden

Gleichzeitig zeigt die Entwicklung in Leutzsch, dass der Erfolg seine Helden verschlingen kann. Für die Regionalliga durfte der Fanliebling keinen neuen Vertrag unterschreiben. Der Abschied 2018 war leise, das soll sich nun ändern. Mit einer besonderen Partie. Denn 1986 wird Sven Schlüchtermann in Dortmund geboren. 1989 fällt die Mauer. 2020 wird er in Leipzig gehuldigt. Ost? West? Das interessiert am 21. März keinen mehr.

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