Regionalliga

Die Mannschaft der SG Wattenscheid 09 kämpft einfach weiter

Selfie von Daniel Knorr (vorne), Vereinssprecher der SG Wattenscheid 09, mit der Mannschaft des Fußball-Regionalligisten.

Selfie von Daniel Knorr (vorne), Vereinssprecher der SG Wattenscheid 09, mit der Mannschaft des Fußball-Regionalligisten.

Foto: Daniel Knorr

Wattenscheid.   Sie bekommen kein Geld, aber sie holen einen Punkt in Gladbach. Bei der SG Wattenscheid 09 halten Team und Regionalliga-Funktionsteam zusammen.

Die Ungewissheit bleibt ihre vorherrschende Emotion. Doch für diesen einen Moment lassen die Spieler der SG Wattenscheid 09 das nicht nach außen durchdringen. Sie stehen dicht beisammen, einige von ihnen Arm in Arm, sie lächeln in die Kamera, die einen besonderen Augenblick festhält. Daniel Knorr, der Pressesprecher des Vereins, hat sich vor seiner geplanten gesundheitsbedingten Auszeit dieses Foto mit der Mannschaft gewünscht.

Die Wattenscheider posieren für den Schnappschuss – und niemand von ihnen weiß, ob dieses Bild zu einem der letzten Relikte dieser Saison werden wird.

Elementare Fragen stehen im Raum

Denn immer noch stehen unbeantwortete Fragen um Elementares im Raum. Was geschieht in den kommenden Tagen mit dem finanziell angeschlagenen Regionalligisten? Kommt ein neuer Sponsor? Meldet der Klub Insolvenz an? Und überhaupt: Bricht die Vereinsführung um Aufsichtsrats-Chef Oguzhan Can und Vorstand Dragan Markovic ihr Schweigen? Und wenn ja, wann? Was passiert mit den Spielern, wenn der Verein tatsächlich die Läufe streckt?

Das mit der quälenden Ungewissheit verbundene Abwarten entwickelt sich in diesen Tagen zum größten Malheur des Vereins, bei dem scheinbar nur eine Abteilung Zählbares hervorbringt: die sportliche.

Ein Achtungserfolg bei der Bundesliga-Reserve

Wattenscheids torloses Remis bei der U23 des Bundesligisten Borussia Mönchengladbach war ein Achtungserfolg. Einer, dem in gewisser Weise die gleiche Aussage innewohnte wie dem Gruppenbild mit Pressesprecher nach dem Spiel im Rheydter Grenzlandstadion: Mannschaft und Funktionsteam stehen eng zusammen.

Und trotzdem: So beachtlich es auch ist, dass Trainer Farat Toku seine Elf Woche für Woche aufs Neue zu derart konzentrierten Leistungen wie zuletzt bei den Jungfohlen animieren kann – dieser Zustand drückt täglich mehr aufs Gemüt. Der Verein wartet auf eine Entscheidung, das Mitgliederbündnis „1909 Prozent 09“ hat zum Handeln aufgerufen.

Bündnis fordert eine Versammlung

Dessen Organisatoren wollen den Vorstand dazu drängen, eine außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen. Auf dieser soll die Frage geklärt werden, ob der Spielbetrieb überhaupt noch aufrecht erhalten werden kann. Falls die Führung der Schwarz-Weißen das nicht garantieren kann, soll über einen Rückzug aus der Regionalliga abgestimmt werden. „Zur Abwendung von weiterem Schaden vom Gesamtverein“, wie es in der Aufforderung an den Vorstand heißt. Das Bündnis „1909 Prozent 09“ sieht sich nach den jüngsten Entwicklungen zum Handeln gezwungen.

Allgegenwärtige Unzufriedenheit

Ausschlaggebend für die allgegenwärtige Unzufriedenheit und vor allem Ungewissheit in Bezug auf den Fortbestand des Vereins war das von dieser Zeitung veröffentliche Ausbleiben der Gehaltszahlungen an die Spieler sowie an Jugendtrainer des Traditionsvereins. Zudem haben die Rücktritte von fünf Aufsichtratsmitgliedern sowie der Rückzug des Hamburger Technologie-Startups Haalo das Vertrauen in den ersten Mann im Verein, an dessen Zahlungsbereitschaft der Fortbestand der SG 09 maßgeblich hängt, arg erschüttert.

Nun soll sich Aufsichtsrats-Vorsitzender Oguzhan Can auf der geforderten Versammlung äußern. Allerdings: Sobald das Bündnis die rund 200 erforderlichen Unterschriften von Mitgliedern vorlegen kann, vergehen sechs weitere Wochen, bis der Termin stattfinden kann. Bis dahin kann viel passieren.

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