Kommentar

Der Fall Michel Platini: Wenn die Gier zu groß wird

Michel Platini

Michel Platini

Essen.  Michel Platini war ein großartiger Fußballer. Doch seine Heldenstatue liegt im Schutt, er hat sie selbst zerstört. Ein Kommentar.

Michel Platini zuzuschauen, als er noch den Ball bewegte und nicht an den Strippen der Macht zog, das war die pure Freude. Der Franzose war Spielmacher und Torjäger, zudem ein Anführer, der seine Mannschaft lenkte und leitete: ein geborener Kapitän. Ohne Frage gehört Platini zu den besten Spielern, die Europa je hatte.

Doch seine Heldenstatue liegt im Schutt, er hat sie selbst zerstört. Als Präsident der Europäischen Fußball-Union ist er krachend gescheitert, die Ethikkommission des Weltverbandes Fifa hatte ihn für acht Jahre für alle Ämter im Fußball gesperrt, durch den Internationalen Sportgerichtshof wurde die Dauer der Sperre dann auf vier Jahre reduziert.

Es ging um Mauscheleien, es ging um Absprachen, es ging um viel Geld. Sehr viel Geld. Platini hatte 1,8 Millionen Euro von der Fifa erhalten – eine dubiose Zahlung, die er und der damalige Weltverbands-Chef Sepp Blatter als Beraterhonorar deklariert hatten. War sie vielmehr Vermittlerhonorar für die WM-Vergabe an Katar?

Der Zuschlag für Katar stank zum Himmel

Die Polizei in Paris würde Platini jetzt nicht verhören, wenn es keine konkreten Hinweise auf Korruption gäbe. Dass Katar den Zuschlag für die WM 2022 bekam, stank zum Himmel. Nach und nach scheint nun ans Licht zu kommen, welche Rolle Michel Platini dabei spielte.

Er wollte Fifa-Präsident werden, doch seine Gier war wohl größer als sein Traum. Kaum anzunehmen, dass er nach Ablauf seiner Sperre im Oktober als Fußball-Funktionär zurückkehren wird. Der größte Schaden aber, den Leute wie er angerichtet haben, lässt sich nicht mehr reparieren: Die nächste Weltmeisterschaft wird in Katar stattfinden. In einem Land, in dem die Menschenrechte oft missachtet werden. Ihm die WM wegzunehmen, ist jetzt keine Alternative mehr. Längst wurden Stadien gebaut, es gibt Verträge, an denen nicht zu rütteln ist. Ein schmutziges Geschäft, dieser Fußball.

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