Kommentar

Corona-Tests vor jedem Spieltag? Das wäre ein fatales Signal

Die Fußball-Bundesliga – im Bild der Borussia Park in Mönchengladbach – pausiert bis zum 30. April.

Die Fußball-Bundesliga – im Bild der Borussia Park in Mönchengladbach – pausiert bis zum 30. April.

Foto: Fabian Strauch / dpa

Die Deutsche Fußball-Liga will die Saison unbedingt bis Ende Juni abschließen. Das darf jedoch nicht um jeden Preis geschehen. Ein Kommentar

Irgendwann muss er dann wieder rollen, der Ball. Er muss. Die Nachrichten, die aus der Vollversammlung der 36 Lizenzklubs dringen, lassen ahnen, dass es bei manchen Vereinen der 1. und 2. Bundesliga inzwischen um das nackte Überleben geht. Das Geschäftsmodell hat sich vorerst aufgelöst. Keine Spiele, kein Geld. Auch für die nächsten vier Wochen gilt das. Mindestens.

In diesen Tagen des Eingesperrtseins ist der Fußball nicht der einzige, der wieder nach draußen möchte. Solo-Selbstständige, Kleinunternehmer, ganze Wirtschaftszweige hoffen auf eine Exitstrategie der Politik, auf eine Lockerung der Auflagen. Vorstellen kann man es sich nicht, dass die Wirtschaft noch wochenlang komplett heruntergefahren bleibt, trotz der versprochenen Soforthilfen. Aber noch unvorstellbarer ist es, dass sich das Virus nach seiner Reise um den Erdball pünktlich zu Ostern einfach so in Luft auflöst.

Die Spielzeit mit Gesundheitsstempeln durchpeitschen zu wollen, ist zynisch

Die DFL will offenbar auch dann wieder spielen, wenn die Pandemie noch nicht vorüber ist. Ein Beschluss der Vollversammlung ist, dass eine medizinische Task Force eingerichtet wird. Diese Gruppe aus Ärzten soll eine „engmaschige, unabhängige Testung von Spielern und weiterem Personal unter anderem unmittelbar vor den Spieltagen“ durchführen. Anders gesagt: Während viele Menschen, die gerade Husten und Fieber haben und sich Sorgen machen, nicht getestet zu werden, sollen Fußballprofis engmaschig und mehrfach untersucht werden, weil der so wichtige Spielbetrieb fortgesetzt werden muss.

Ja, viele Tausend Arbeitsplätze hängen am Profifußball. Ja, Fußball ist ein Kulturgut, das Ventil einer Gesellschaft. Doch im Moment gerade nicht.

Die Saison zur Not mit Gesundheitsstempeln im Spielerpass durchpeitschen zu wollen, wäre zynisch und ein fatales Signal. Darauf zu hoffen, dass alle irgendwie gesund bleiben, wenn nur neben dem Ball endlich wieder der Rubel rollt, ist: das Ende des Fußballs.

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