Interview

Wieso Tuchel für Mkhitaryan beim BVB der richtige Mann ist

Keine Chance für Kevin Kunz (rechts): Mit einem fein gezirkelten Schuss überlistete Henrikh Mkhitaryan den Keeper des Chemnitzer FC im DFB-Pokal zum 2:0-Endstand für den BVB.

Keine Chance für Kevin Kunz (rechts): Mit einem fein gezirkelten Schuss überlistete Henrikh Mkhitaryan den Keeper des Chemnitzer FC im DFB-Pokal zum 2:0-Endstand für den BVB.

Foto: Bongarts/Getty Images

Dortmund.   Henrikh Mkhitaryan ist glücklich über seine aktuelle Form und darüber, dass der neue Trainer die richtige Position für ihn gefunden hat. Deshalb ist für den 26 Jahre alten Armenier auch die vergangene Saison keine verlorene.

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In der letzten Bundesligasaison hat man Henrikh Mkhitaryan selten lachen gesehen. Gut, das war kein Alleinstellungsmerkmal bei dem 26-Jährigen, hatten seine Teamkollegen von Borussia Dortmund bekanntermaßen ebenfalls nicht das Glück gepachtet. Weil im sportlichen und privaten Leben dieses fußballerischen Alleskönners aber an ein paar Stellschrauben gedreht wurde, macht der Armenier nun einen sehr zufriedenen Eindruck. Oder nicht? „Ob ich zufrieden sein werde, zeigt sich am Ende der Saison“, sagt Mkhitaryan, „aber ich bin glücklich, was auch sehr wichtig ist.“

Herr Mkhitaryan, von außen sieht es so aus, als hätten Sie neuen Spaß am Fußball gefunden.

Henrikh Mkhitaryan: Warum auch nicht? Wenn man positiv an seine Aufgaben herangeht, kann man auch mal mehr als die 100 Prozent seiner Fähigkeiten abrufen. Ich fühle mich gerade sehr gut.

Ist es zu oberflächlich beobachtet, wenn hinter Ihrer Entwicklung nur der Spaß steckt?

Mkhitaryan: Es haben sich einige Dinge in meinem Leben geändert. Allzu viel will ich gar nicht verraten, das bleibt privat. Aber von Zeit zu Zeit entwickeln sich eben Dinge. Genauso wie unser Fußball: Wir spielen ein anderes System, das mir sehr gut gefällt. Und Thomas Tuchel hat die beste Position für mich gefunden (oft zentral in der Offensivreihe, mit Wechseln auf die Außen, in der letzten Saison spielte er noch meist nur auf den Außen, Anm. der Red.).

Sie gelten als aufmerksamer, aber auch als sensibler Spieler.

Mkhitaryan: So bin ich halt aufgewachsen. Wenn etwas nicht läuft, geht’s mir schlecht. Aber dass Borussia Dortmund für mich 27 Millionen Euro ausgegeben hat, was mir mental schon zu schaffen gemacht hat, liegt längst hinter mir. Im Moment passt alles, ich fühle mich freier, entspannter. Ich habe gelernt, Probleme zu analysieren, mich von ihnen lösen zu können und sie aus meinem Kopf zu verbannen.

Beobachter beschreiben Sie als einen bescheidenen, höflichen, manchmal melancholischen Menschen. Ist es heutzutage vielleicht hinderlich im Profigeschäft, zu nett, zu gut erzogen zu sein?

Mkhitaryan: Ich war nie ein Egoist, ich kann auch keiner sein, weil mein Charakter anders ist. Manchmal muss man vorrangig an sich denken, sich zeigen, weil es darum geht, Selbstbewusstsein zu erlangen, mit dem man dann entweder selbst das Tor macht oder den Teamkollegen entscheidend bedient.

Sie scheren aus der Fußballer-Masse auf Reisen aus, wenn Sie wie viele Ihrer Kollegen nicht an der Playstation spielen, sondern den Computer im Schach besiegen wollen.

Mkhitaryan: Es macht mich einfach furchtbar nervös (lacht). Als ich jung war, habe ich häufig mit Konsolen gespielt. Heute spiele ich aber nicht nur Schach, sondern lese auch viel, schaue Filme oder schreibe mit meinen Freunden und der Familie.

Wie wichtig ist Ihnen Heimat?

Mkhitaryan: Sehr, ich bin jedes Jahr dort, genieße die Zeit mit Familie und Freunden. Es macht mich sehr glücklich, dass ich dort geboren bin. Ich muss sagen: Jerewan, meine Geburtsstadt, vermisse ich schon etwas.

Studieren Sie noch Wirtschaftswissenschaften in Armenien?

Mkhitaryan: Oh ja, im Winter werde ich damit auch fertig sein, dann kommen die letzten Prüfungen. An die Zeit nach meiner Karriere denke ich aber noch nicht.

Der BVB würde Sie ja auch noch gerne länger behalten.

Mkhitaryan: Ich habe noch einen Vertrag bis 2017 und habe mich sehr gerne hier niedergelassen. Natürlich weiß man nie, was der Fußball irgendwann bringt. Aber mein Fokus ist ganz klar auf Borussia Dortmund gerichtet, auf das Hier und Jetzt.

Welchen Anteil hat Thomas Tuchel nach so kurzer Zeit an Ihrem Formhoch? Fühlen Sie sich gut aufgehoben bei ihm?

Mkhitaryan: Und wie, er hilft mir während des Trainings sehr viel, meine Fähigkeiten auf den Platz zu bringen. Das betrifft nicht nur mich, sondern das ganze Team.

Wie geht er mit Spielern um? Hat er ein besonderes Gefühl für sie?

Mkhitaryan: Er ist unglaublich akribisch in seiner Arbeit, feilt bis ins letzte Detail. Er weiß genau, wie er das Team stärker macht, wie er uns seine Vorstellungen erklären muss. Wir alle können noch von ihm lernen. Er ist genau der richtige Mann für Borussia Dortmund.

War das vergangene Jahr für Sie ein verlorenes?

Mkhitaryan: Das würde ich nicht sagen. Um zwei Schritte nach vorne gehen zu können, muss man auch mal einen nach hinten gemacht haben. Man kann sein Leben lang nicht stabil sein, sondern muss auch mal für schlechte Phasen gewappnet sein. Probleme machen dich stärker.