BVB

Klopp über BVB-Boss Watzke: "Es ist eine Männerfreundschaft"

Eine Männerfreundschaft: BVB-Boss Hans-Joachim Watzke lacht sich kaputt (l.), Jürgen Klopp genehmigt sich eine Schluck Bier.

Eine Männerfreundschaft: BVB-Boss Hans-Joachim Watzke lacht sich kaputt (l.), Jürgen Klopp genehmigt sich eine Schluck Bier.

Foto: Matthias Graben / FUNKE Foto Services

Dortmund.  BVB-Boss Watzke stellte am Donnerstag sein Buch vor und sprach über die Trennung von Klopp 2015. Liverpools Trainer kam persönlich vorbei.

Und dann steht er da: Dreitagebart, breites Grinsen, in der Hand ein volles Bierglas. Jürgen Klopp, der fleischgewordene Sehnsuchtstrainer aller Fans von Borussia Dortmund. Hans Joachim Watzke, BVB-Geschäftsführer, stellt am Donnerstagabend im Dortmunder Stadion seine Biografie „Echte Liebe. Ein Leben mit dem BVB vor“. Und Klopp, sein langjähriger Angestellter und guter Freund ist gekommen. Gemeinsam gewannen sie zwei Meisterschaften und einmal den DFB-Pokal, jetzt sitzen sie gemeinsam auf der Bühne, stellen das Buch vor – und haben eine Menge Spaß miteinander. Denn Klopp ist noch immer ein großer Entertainer, seinetwegen sind die meisten der 400 Zuschauer gekommen und haben 17,99 Euro Eintritt bezahlt.

Watzke soll nun vorlesen. „Ich hoffe, dass Jürgen nicht die ganze Zeit Grimassen schneidet“, brummelt er, worauf Klopp – natürlich – eine Grimasse schneidet. „Wenn es ein Gen zum Glücklichsein gibt, ist es bei mir nicht sehr entwickelt“, beginnt Watzke. Johlendes Lachen bei seinem Nebenmann. „Das stimmt definitiv“, johlt Klopp.

Zwei von zwölf Kapiteln sind der BVB-Zeit mit Klopp gewidmet

Eine Männerfreundschaft sei das zwischen den beiden, sagt Klopp, eine die auch die Trennung im Jahr 2015 gut überstanden hat. „Das werde ich nie wieder erleben in dieser Form, dieses Vertrauen, dieses totale Aufeinanderverlassenkönnen“, sagt Watzke. Es sind bemerkenswerte Aussagen über eine bemerkenswerte Beziehung. Und sie fallen zu einem bemerkenswerten Zeitpunkt.

Denn während Watzke mit dem Ex schäkert, ist der aktuelle Trainer Lucien Favre angeschlagen. Platz acht nach sechs Spieltagen. Nur ein Sieg aus den vergangenen fünf Spielen, dreimal in Folge einen Dreier aus der Hand gegeben. Schlechtester Saisonstart seit fünf Jahren, obwohl die schweren Gegner erst noch kommen. Die Zahlen sind schlecht und zuletzt war es auch der gezeigte Fußball.

Bei den Spielern und im Umfeld wächst das Grummeln und es mehren sich die Zeichen, dass auch intern die Sorge wächst. Der Boulevard fordert ohnehin seit Wochen einen Lautsprecher, einen Motivator, einen, der Mannschaft, Klub und Umfeld mitreißen kann – eben einen wie Klopp.

Er spielt eine Hauptrolle an diesem Abend ebenso wie in Watzkes Buch, zwei von zwölf Kapiteln sind ihm gewidmet. Und es liest sich stellenweise fast wie eine Liebesgeschichte: „Manchmal, wenn ich heute im Trainingslager bin und dann spätabends hochgehe auf mein Zimmer und mich noch mal auf die Terrasse setze, überkommt mich ein wehmütiges Gefühl“, schreibt Watzke. „Da denke ich an die vergangenen Jahre, als ich da auch so gesessen habe und dann irgendwann auf der Terrasse dieses wiehernde Lachen von Jürgen gehört habe. Da wusste ich immer: Es ist alles in Ordnung.“

Den aktuellen BVB-Trainer Favre stärken all diese Geschichten nicht

Die Trennung sei „ein bisschen so, wie wenn die Kinder ausziehen“ gewesen und wohl auch ein Fehler – und im Mai 2018 versuchte Watzke tatsächlich, Klopp zurückzuholen. Der aber stand beim FC Liverpool unter Vertrag und sagte ab. „Ich habe gedacht: Wenn wir einen Trainer holen und Jürgen vier Wochen später sagt, dass ihn keiner gefragt hat, werde ich hier sofort entlassen“, sagt Watzke. Große Hoffnungen habe er sich nicht gemacht.

Dennoch: Favre, den aktuellen Trainer, stärken all diese Geschichten nicht – auch wenn Watzke das anders sieht: „Ich habe vor langer Zeit die Grundsatzentscheidung getroffen, das zu machen“, sagt er. „Hätte ich dann jetzt abwarten sollen, bis wir wieder ein Spiel gewinnen?“ Und auch mit Favre verstehe er sich persönlich gut.

Dass die beiden aber auch einmal einen derartigen Abend gemeinsam verbringen, dass dabei ähnlich viel gelacht wird – das mag sich in Dortmund niemand vorstellen.

Leserkommentare (14) Kommentar schreiben