Borussia Dortmund

Jadon Sancho ist das Sinnbild für den aktuellen BVB

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Dortmund.  Gegen Mainz glänzt der Engländer. Doch zuvor stieß der BVB-Profi bei Spielen auch an seine Grenzen

Natürlich hat er kurz Zeit, sagt Jadon Sancho. Zeit, um über den knappen 2:1 (2:0)-Sieg von Borussia Dortmund gegen Mainz 05 zu sprechen, zu dem der junge Engländer beide BVB-Tore beigesteuert – und ganz nebenbei wieder ein paar Bestmarken aufgestellt hat. Mit 19 Jahren und 19 Tagen ist er der jüngste Spieler der Klubhistorie, der zehn Saisontore erzielt hat. Und insgesamt elf Bundesligatore hatte in diesem Alter auch noch kein anderer Spieler.

Sancho fällt auch neben dem Platz positiv auf

„Das wusste ich gar nicht“, sagt Sancho. „Aber es freut mich natürlich.“ Und dann sagt er, was fast jeder Profi in einer solchen Situation sagt: „Ich bin froh, dass ich der Mannschaft helfen konnte.“ Abseits des Platzes ist er ein zurückhaltender Mann, zumindest im Gespräch mit Journalisten. Einer, der höflich grüßt, die Hand gibt und sich zum Abschied für das Gespräch bedankt. Damit fällt man schon positiv auf in der Branche.

Auf dem Rasen tut er das ohnehin in beeindruckender Regelmäßigkeit. Gegen Mainz waren es ja nicht nur seine beiden Tore, er bereitete auch Großchancen durch Jacob Bruun Larsen und Marco Reus vor und war der beste Dortmunder Offensivspieler.

Dämpfer gegen Tottenham

Jadon Sancho ist ein, wenn nicht das Gesicht der aktuellen Borussia, kaum einer verkörpert den Verein derzeit so gut: jung, unbekümmert, mit beachtlichem Leistungssprung in der aktuellen Saison – aber auch noch etwas unfertig. Denn, auch das gehört zur Wahrheit: In der Rückrunde stieß Sancho wie der gesamte Klub an Grenzen.

Im Champions-League-Achtelfinale gegen Tottenham Hotspur gelang ihm wenig, insbesondere im Hinspiel in London, wo von seinen gefürchteten Dribblings nichts zu sehen war. Und beim 0:5-Debakel bei Bayern München ging er ebenso unter wie die Kollegen.

Trubel um Sancho

Vielleicht war der Druck dann doch ein bisschen zu groß geworden, auch der selbst auferlegte: „Ich will den Menschen in England zeigen, was ich draufhabe“, hatte er vor den Duellen mit Tottenham noch forsch angekündigt. Der ohnehin schon große Trubel um den jungen Mann war damals noch einmal angeschwollen, in fast allen englischen Medien war Sancho dauerpräsent. Und als es dann auf den Rasen ging, wirkte er gehemmt, schien der Situation mental nicht gewachsen.

Nicht ungewöhnlich für einen, der noch in der A-Jugend spielen dürfte. Von Sancho wird dennoch in jeder Partie das Besondere erwartet, auch da geht es ihm wie dem BVB: Durch die bereits gezeigten Leistungen hat er Erwartungen geweckt, die schwer zu erfüllen sind für einen, der noch mitten in der Entwicklung steckt.

Reifeprozess neben dem Platz

Als hochtalentiert galt er ja schon lange, nicht erst, als ihn der BVB im Sommer 2017 für knapp acht Millionen Euro von Manchester City holte. Zu Beginn der aktuellen Saison aber war er nicht einmal Stammspieler, erst ab dem 7. Spieltag kämpfte er sich in die Startelf, aus der er seitdem nicht mehr wegzudenken ist – was auch Ergebnis eines Reifeprozesses neben dem Platz ist: In der vergangenen Rückrunde war er noch mehrfach negativ aufgefallen, weil er zu spät zum Training erschien. Englands U19-Trainer Paul Simpson strich ihn deswegen für ein Spiel aus dem Kader, beim BVB schickte ihn Peter Stöger für ein Spiel zur U19.

Es folgte ein klärendes Gespräch mit Sportdirektor Michael Zorc und ein Entwicklungssprung als Spieler und Persönlichkeit. Seitdem zeigt die Leistungskurve nach oben, seitdem ist Sancho der Überflieger, das große Versprechen für die Zukunft, dem aber im Hier und Jetzt noch nicht alles gelingt – eben das perfekte Sinnbild für den BVB.

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