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Freunde und Gegner: BVB-Profi Brandt trifft auf Havertz

Gut befreundet: Kai Havertz und Julian Brandt (v. l.), hier noch im Trikot von Bayer Leverkusen.

Gut befreundet: Kai Havertz und Julian Brandt (v. l.), hier noch im Trikot von Bayer Leverkusen.

Foto: imago

Dortmund.  Julian Brandt von Borussia Dortmund und Kai Havertz von Bayer Leverkusen sind immer noch gut befreundet. Am Samstag treffen sie aufeinander.

Natürlich will Kai Havertz auch dieses Spiel gewinnen, als Fußballprofi will man ja immer gewinnen. Dieses Mal aber geht es auch um Selbstschutz. „Das wäre für mich schon sehr wichtig“, sagt Havertz. „Gerade, wenn man den Julian so oft an seiner Seite hat – dann drückt der einem ständig Sprüche.“

BVB-Profi Brandt ist um Sprüche selten verlegen

Julian, das ist Julian Brandt, 23 Jahre alt, ein guter Freund des 19-jährigen Kai Havertz. Gemeinsam verbrachten sie ihren Sommerurlaub auf den Balearen. Nun aber sind sie erst einmal Gegner: Denn im Sommer ist Brandt nach fünfeinhalb Jahren bei Bayer Leverkusen zu Borussia Dortmund gewechselt, für eine Ablösesumme von 25 Millionen Euro. Und nun ist der Ex-Klub an diesem Samstag zu Gast (15.30 Uhr/Sky). „Da gibt es schon den einen oder anderen Spruch“, erzählt Havertz.

Um Sprüche ist Brandt tatsächlich selten verlegen. „Wir Spieler dürfen doch gar nicht wetten“, sagt er mit schelmischem Grinsen, als er gefragt wird, ob es da schon etwas gibt zwischen ihm und Havertz. Und dann erzählt er, wie man sich schon auf der zurückliegenden Länderspielreise gegenseitig beharkte, wie sich BVB-Kapitän Marco Reus gerne mit einschaltete und Havertz sich Hilfe durch Jonathan Tah holen musste. „Wir haben viel Mist erzählt – nichts, was unbedingt in die Öffentlichkeit muss“, erzählt Brandt. „Wir hatten viel Spaß.“

Aber auch er weiß bei allem Spaß um den Ernst der Angelegenheit, die ihm und seinem Klub an diesem Samstag bevorsteht: Das 1:3 und der blutleere Auftritt bei Aufsteiger Union Berlin am vergangenen Spieltag haben Spuren hinterlassen beim BVB. Die Spieler stehen wegen mangelnder Einsatzbereitschaft in der Kritik, Trainer Lucien Favre wegen zögerlicher Taktik. Ein Sieg muss her, um die Stimmung zu retten, um nicht schon direkt den nächsten Rückschlag hinnehmen zu müssen und das Ziel Meisterschaft in etwas größere Ferne rücken zu lassen.

Und auch Brandt selbst erlebt ja bislang keine zufriedenstellende Saison: Im Supercup und im DFB-Pokal fehlte er mit Adduktorenproblemen, danach saß er erst einmal auf der Bank. Der erste Startelf-Einsatz war dann ausgerechnet das 1:3 in Berlin. „Wir müssen gerade nach dieser Niederlage Gas geben“, fordert Brandt. „Es ist eine gute Chance zu zeigen, dass wir zurückkommen.“

Ganz anders die Gefühlslage in Leverkusen: Die Werkself hat zwar nur einen Punkt mehr geholt, aber sie hat fußballerisch stets überzeugt. Unter Trainer Peter Bosz, einst in Dortmund gescheitert, zeigt sie neben aggressivem Pressing inzwischen auch ein ansehnliches Balllbesitzspiel, lässt die Kugel schnell und sicher laufen. „Ich habe einen Riesenrespekt vor Leverkusen“, sagt Brandt. „Wir müssen auf jeden Fall auf 100 Prozent kommen, um sie zu schlagen.“

Brandt über Havertz: „Werde nicht die Beine wegtreten“

Und sie müssen einen Weg finden, den hochbegabten Havertz zu stoppen, dem sich Brandt im Mittelfeld einige Male gegenüber sehen dürfte. „Ich glaube, das wird ein sehr komisches Gefühl, sollten wir mal in Zweikämpfe kommen“, meint der Neu-Dortmunder. Auf martialische Sprüche verzichtet er. „Ich bin kein Typ, der sagt, auf dem Spielfeld hört für 90 Minuten die Freundschaft auf“, verkündet Brandt. „Ich werde ihm sicher nicht die Beine wegtreten.“

Für das Ausbremsen von Havertz gibt es Spezialisten in der Mannschaft, Brandts Aufgaben sind andere: Tore vorbereiten und schießen. „Es wird darauf ankommen, wer vorne zielsicherer ist“, erwartet er. „Es wird sicher ein Spiel mit vielen Chancen, sicher auch ein offenes Spiel. Dortmund gegen Leverkusen – das war immer torreich.“

Seinem Trainer Lucien Favre wäre das gar nicht recht, dem Schweizer ist nichts wichtiger als Spielkontrolle. Ein wildes Auf und Ab mit Chancen auf beiden Seiten ist ihm zuwider. Solange aber am Ende ein Tor mehr für den BVB steht, würde er auch damit seinen Frieden finden.

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