Interview

BVB-Verteidiger Sokratis: "Regeln müssen eingehalten werden"

Sokratis.

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Foto: DeFodi

Marbella.  BVB-Abwehrchef Sokratis möchte Probleme innerhalb der Gruppe lösen. Seine Ziele für die Rückrunde: Zweiter werden – und die Euro League gewinnen.

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Seiner Spielweise sieht man das nicht direkt an, aber Sokratis ist ein höflicher Mensch. Unverschuldet verspätet erscheint der Grieche kurz vor der Abreise aus dem Trainingslager in Marbella am Dienstag zum Interviewtermin in der Lobby des Mannschaftshotels – und entschuldigt sich wortreich. Dann spricht der Abwehrchef des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund über Kritik an ihm und Titel als Antrieb.

Vor ein paar Tagen hat Hendrie Krüzen, der Assistent Ihres früheren Trainers Peter Bosz, über die Krise in der Hinrunde gesagt: Sokratis hätte Führungsqualitäten zeigen müssen, aber er ließ uns hängen.

Sokratis: Es ist unnötig, darauf zu antworten. Ich spiele seit viereinhalb Jahren bei Borussia Dortmund, ich habe 180 Spiele für den BVB gemacht. Und ich habe immer alles gegeben. Ich werde meine Antwort auf dem Platz geben.

Aber es muss Sie doch ärgern, so etwas zu lesen.

Sokratis: Natürlich ist Kritik nie schön. Aber sie trifft mich nur, wenn sie gerechtfertigt ist. Diese Kritik halte ich nicht für gerechtfertigt.

Trotzdem hat man Sie schon stärker gesehen als in dieser Hinrunde.

Sokratis: Wenn Borussia Dortmund von 13 Spielen nur eines gewinnt, gibt es sicherlich viele Sachen, die nicht funktionieren. Und wenn die ganze Mannschaft nicht funktioniert, von vorne bis hinten, sind alle Spieler in Schwierigkeiten. Als erfahrenster Spieler in der Abwehr bekommt man dann die meiste Kritik ab. Aber ich übernehme meinen Teil der Verantwortung, und in der Rückrunde wollen wir es alle gemeinsam besser machen.

War es im riskanten System von Bosz für die Abwehrspieler besonders schwer?

Sokratis: Damit dieses System funktioniert, muss die ganze Mannschaft funktionieren. Wenn nur ein Rädchen nicht greift, bekommt man Probleme – die größten Probleme bekommt die Abwehr, und man bekommt zu einfache Gegentore.

Krüzen hat auch gesagt, dass die Abwehrspieler und der Torhüter defensiver spielen wollten, Mittelfeldspieler und Stürmer den offensiven Stil aber unterstützten. Stimmt das?

Sokratis: Ich möchte das jetzt nicht vertiefen, denn daraus würden wieder neue Geschichten gemacht. Wir müssen nach vorne schauen. Wenn so viel darüber diskutiert wird, was früher war, kommen dabei auch immer Dinge heraus, die nicht der Wahrheit entsprechen. Ich werde auf keinen Fall unsere Ex-Trainer kritisieren! Intern können wir vom Vorsitzenden der Geschäftsführung bis hinab zur Mannschaft alles besprechen.

Auch Sportdirektor Michael Zorc sprach von Rissen im Team…

Sokratis: Ich bin überzeugt, dass wir unter den großen Mannschaften Europas die mit dem größten Zusammenhalt sind. Natürlich gibt es immer Probleme, unterschiedliche Sprachen zum Beispiel. Dann müssen die erfahrenen Spieler wie ich da sein und gerade den jungen Spielern helfen. Wir sind da auf einem guten Weg. Aber genau wie auf dem Platz müssen wir außerhalb des Platzes besser werden.

Auch ein erfahrener Spieler wie Pierre-Emerick Aubameyang hat für Probleme gesorgt, etwa indem er wiederholt zu spät zum Training kam. Sehen Sie es auch als Ihre Aufgabe als Führungsspieler, da einzuschreiten?

Sokratis: Natürlich gibt es ganz grundsätzlich und nicht auf einen Spieler gemünzt Dinge, die wir gemeinsam besser machen müssen. Wenn ein Spieler abseits des Platzes einen Fehler macht, sind wir in der Pflicht, ihm zu helfen, damit das nicht nochmal passiert. Und wenn Sie Auba ansprechen: Klar, er war mal unpünktlich. Aber wir müssen auch sehen, was er in den vergangenen viereinhalb Jahren für diese Mannschaft geleistet hat. Die Regeln müssen natürlich eingehalten werden, Respekt muss sein. Aber am wichtigsten ist es, dass man solche Probleme innerhalb der Gruppe löst, ohne dass es Theater gibt.

Dabei soll Peter Stöger helfen. Was macht Hoffnung, dass es unter dem neuen Trainer besser läuft?

Sokratis: Er hat uns von der ersten Minute an einen klaren Plan vorgegeben, wie er die Dinge haben will. Die Taktik hat sich etwas geändert, wir sichern besser ab. Durch einen neuen Trainer kommt automatisch ein frischer Wind – aber auch das soll keine Kritik an Peter Bosz sein.

Es wirkt, als täte Stöger mit seiner entspannten, humorvollen Art dem ganzen Klub gut.

Sokratis: Ja, er ist ein netter Trainer, der viel lacht und mit der Mannschaft locker umgeht. Aber auch Peter Bosz war gegenüber der Mannschaft immer sehr nett, sehr anständig. Der neue Trainer hat einiges verändert – ob das richtig ist, müssen dann die Ergebnisse zeigen.

Stöger wollte gemeinsam mit den Spielern die Ziele für die Rückrunde ausarbeiten. Wie lauten die?

Sokratis: Was genau wir besprochen haben, bleibt intern. Aber ich finde, dass wir in der Bundesliga Zweiter werden sollten. Und ich würde gerne die Europa League gewinnen. Das ist Borussia Dortmund noch nie gelungen, und wir könnten als die ersten dafür sorgen, dass der Klub­name in den Pokal eingraviert wird. Wir wissen, dass das schwierig wird. Aber wenn wir wie eine große Mannschaft denken wollen, müssen wir uns große Ziele setzen.

Ihr aktueller Vertrag läuft bis 2019. Ist die Verlängerung auch ein großes Ziel?

Sokratis: Das ist noch kein Thema für mich. Erst will ich auf dem Platz meine beste Leistung bringen und mit der Mannschaft so erfolgreich wie möglich sein. Und dann werden wir Zeit haben, über alles zu reden.

Sie werden im Sommer 30, allzu viele Verträge wird es nicht mehr geben. Was ist Ihnen bei der Entscheidung wichtig?

Sokratis: Zu allerletzt das Geld. Ich will Titel gewinnen, das habe ich immer wieder betont. Das ist für meine Zukunft entscheidend, dann kommt der Rest.

Noch einmal zur Vergangenheit: Am Montag ging in Dortmund der Prozess gegen den mutmaßlichen Attentäter auf die Mannschaft weiter…

Sokratis: Ja, davon habe ich gelesen.

Also ist das bei Ihnen ein Thema?

Sokratis: Natürlich. Ich kann dazu nur immer wieder sagen: Gott sei Dank leben wir noch alle. Wer so etwas nicht erlebt hat, kann nicht wissen, wie es in dem Moment war. Das ist eine Sache, die man nicht vergessen kann. Man muss sich damit auseinandersetzen und damit leben.

Kommt das Thema durch den Prozess automatisch wieder hoch?

Sokratis: Klar, wenn wir darüber reden, sind die Erinnerungen an den Abend sofort wieder da. Aber ich glaube, dass viele von uns inzwischen wissen, wie sie damit umgehen und wie sie nach vorne schauen können.

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