Revierfußball

BVB und Schalke schwitzen für ein Derby, das infrage steht

Wer alleine schwitzt, der muss kreativ sein. Schalkes Torhüter Markus Schubert (li.) jongliert einen Ball und liest dabei ein Buch. Omar Mascarell (2. v. li.) nutzt die Hauswand für Stabilitätsübungen. Dortmund Axel Witsel (2. v. re.) spielt mit Klopapier. Mario Götze (re.) streckt sich. Und Manuel Akanji (M.) fordert alle auf, zu Hause zu bleiben.

Wer alleine schwitzt, der muss kreativ sein. Schalkes Torhüter Markus Schubert (li.) jongliert einen Ball und liest dabei ein Buch. Omar Mascarell (2. v. li.) nutzt die Hauswand für Stabilitätsübungen. Dortmund Axel Witsel (2. v. re.) spielt mit Klopapier. Mario Götze (re.) streckt sich. Und Manuel Akanji (M.) fordert alle auf, zu Hause zu bleiben.

Dortmund.   Die Dortmunder und Schalker erleben eine nie da gewesene Situation. Sie müssen noch lange alleine trainieren. Wie soll das gelingen?

Diese Situation, die so noch niemand erlebt hat, lässt sich mit einem Spielertunnel beschreiben, in dem die Profis des BVB und von Schalke festhängen, sich aber nicht begegnen dürfen. Irgendwo in weiter Ferne leuchtet der Ausgang, der ins Stadion führen würde, auf den Rasen. Nur ahnt niemand, wann die Fußballer diesen Ausgang erreichen werden, wann das Revierderby angepfiffen wird, die kommende Bundesliga-Partie für beide Klubs. Vielleicht bleibt der Ausgang in dieser Spielzeit sogar verschlossen.

Die Bundesliga pausiert bis Ende April

„Diese Krise ist einfach mit keiner anderen Situation der vergangenen Jahrzehnte vergleichbar“, sagt Sebastian Kehl, Leiter der BVB-Lizenzspielerabteilung, dieser Zeitung. Die Verantwortlichen kämpfen durch die Coranavirus-Pandemie um das Überleben ihrer Vereine. Die Spieler müssen trainieren für einen Spieltermin, den niemand prophezeien kann.

In der kommenden Woche werden die 36 Profiklubs der ersten und zweiten Bundesliga den Vorschlag der Deutschen Fußball Liga annehmen und die Pause mindestens bis Ende April verlängern. Das bedeutet für die Mannschaften schon jetzt, dass sie sich weitere sechs Wochen gedulden müssen, vielleicht stecken sie sogar länger im Spielertunnel fest. Eine nie da gewesene Situation, zumal derzeit noch nicht mal gemeinsam vor den Ball getreten werden kann.

In Nordrhein-Westfalen will die Landesregierung jedenfalls keine Ausnahmeregelungen für die Vereine genehmigen. Das vorläufig bis zum 5. April verhängte Kontaktverbot gelte für „Profisportler aller Art“, heißt es. Der BVB prüft trotzdem, ob das Training rechtlich nicht doch unter „zwingende berufliche Gründe“ fällt. Die Entscheidung fällt jedes Bundesland für sich. Die Bundesligakonkurrenten FC Augsburg und VfL Wolfsburg trainieren beispielsweise gemeinsam, wenn auch in Kleingruppen. Für die Borussia und Schalke heißt es hingegen, kreativ zu sein.

In Dortmund rauscht deswegen trotzdem der ein oder andere Sportwagen auf das Trainingsgelände, einige Spieler werkeln hier an ihrer Fitness. Allerdings individuell, die rechtlichen Vorgaben und genügend Abstand werden eingehalten. Einige Dortmunder bleiben stattdessen in den eigenen vier Wänden. Die Schalker befinden sich komplett im Homeoffice. Ende der Woche werde allerdings mit dem Mannschaftsverbund über das weitere Vorgehen debattiert, berichtet S04-Trainer David Wagner auf Anfrage. „Natürlich halten wir uns dabei an alle Vorgaben der Behörden und werden dies in mehreren Terminen in Kleingruppen am Donnerstag und Freitag umsetzen.“ Ein Zusatz, der derzeit nie fehlen darf.

Laufen ist erlaubt für die BVB-Profis

Beim BVB gebe es einige, die „einen eigenen Fitnessbereich haben“, erklärt Kehl. „Manche haben wir auch mit Fahrradergometern ausgestattet. Und zumindest dürfen sie ja an der frischen Luft laufen.“ Allerdings ersetze diese Trainingsarbeit natürlich kein Mannschaftstraining und schon gar nicht den Wettkampf. „Wir befinden uns in einer Art Vorbereitung, jedoch ohne Testspielgegner“, meint Kehl. „Immerhin kommen wir aus einer Phase hoher körperlicher Substanz und nicht aus sechs Wochen Urlaub.“ Aber: „Wir alle spüren, dass sich die Jungs bewegen wollen, dass sie gerne ihrem Beruf nachgehen wollen.“

Im Mai kommen die Profis dem leuchtenden Ausgang des Spielertunnels vielleicht näher. „Wenn ein Spieltermin absehbar ist, müssen wir die Spannung wieder hochfahren“, sagt Kehl. Davor sei der Fußball nicht das bestimmende Thema. „Alle versuchen, sich sensibel zu bewegen, sich zu schützen und ihrer Verantwortung gegenüber der Familie, dem Arbeitgeber und der Gesellschaft gerecht zu werden“, erklärt der Ex-BVB-Kapitän. Es gebe derzeit wichtigere Dinge. „Die Coronakrise ist eine Herausforderung für viele, viele Berufsstände.“

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