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BVB-Trainer Favre über 1:0-Sieg: "Es war sehr, sehr schwer"

BVB-Trainer Lucien Favre

BVB-Trainer Lucien Favre

Foto: dpa

Leipzig.  Mittelfeldlenker Axel Witsel schoss Borussia Dortmund zum 1:0 in Leipzig. Der BVB punktete souverän im Titelkampf. Kapitän Marco Reus fehlte.

Es war ein sehr aufgeräumter Roman Bürki, der nach getaner Arbeit in den Katakomben des Leipziger Stadions erschien. Damit war nicht unbedingt zu rechnen gewesen, denn kurz zuvor, auf dem Spielfeld, hatte der Schweizer sich noch ganz anders präsentiert: Da brach es regelrecht heraus aus dem Torhüter von Borussia Dortmund, da schimpfte und gestikulierte er wild in Richtung Paco Alcácer. Der Stürmer hatte tief in der Nachspielzeit eine Großchance vergeben und dadurch RB Leipzig die Möglichkeit verschafft, den Ereignissen noch etwas tiefer in der Nachspielzeit einen völlig anderen Lauf zu geben. Doch Matheus Cunha setzte seinen Kopfball hauchzart neben das Tor, der BVB rettete einen 1:0 (1:0)-Sieg über die Zeit – und Bürki sprach später entspannt zu den Journalisten.

BVB-Torwart Bürki: "Da ist so viel Adrenalin im Spiel"

„Das ist manchmal einfach so, da ist viel Adrenalin im Spiel“, sagte er lächelnd. „Jule hat sich auch zu mir umgedreht und gesagt: ‚Du räumst jeden Ball weg, und vorne laufen die allein aufs Tor zu und machen ihn nicht rein.‘ Da verzweifelst du.“ Aber seine Reaktion sei „nicht böse gemeint, das wissen die auch“, beteuerte der Torhüter. „Das ist im Training genauso. Das muss einfach raus.“

Mit Jule war Julian Weigl gemeint, der gelernte Mittelfeldspieler, der gegen Leipzig wieder einmal als Innenverteidiger aushelfen musste, weil Manuel Akanji (Hüftprobleme), Dan-Axel Zagadou (Trainingsrückstand nach Fußstauchung) und Ömer Toprak (Muskelverletzung) fehlten. „Er hat das sehr gut gemacht“, lobte Bürki. „Er ist vielleicht nicht der Schnellste, aber er hat ein sehr gutes Auge, erkennt Situationen sehr gut.“

Überhaupt war es ein Topspiel, das den Namen verdiente, Leipzig präsentierte sich dem Tabellenführer als gleichwertiger Gegner, glich die individuelle Überlegenheit der Dortmunder durch ein enormes Laufpensum und aggressives Pressing aus. „Es war sehr, sehr schwer“, stöhnte BVB-Trainer Lucien Favre. „Aber wir haben nicht unverdient gewonnen.“ Der Trainer hatte auch seinen Kapitän Marco Reus kurzfristig verloren: Nachdem der Spielmacher am Freitag im Training umgeknickt war, fiel am Samstagvormittag die Entscheidung, dass es nicht reichen würde. Auch deswegen fehlte dem BVB immer wieder der gewohnte Zug zum Tor.

Witsel drosch den Ball zum 1:0 für den BVB unter die Latte

Dennoch beherrschten die Gäste die Partie nach anfänglichen Problemen zunächst, gingen durch Axel Witsel durchaus verdient in Führung: Eine Ecke von Raphael Guerreiro verlängerte Lukas Piszczek mit dem Kopf, und der erstaunlich freistehende Witsel drosch den Ball unter die Latte (19.). „Dann hat Leipzig wieder Gas gegeben, war sehr, sehr gefährlich“, meinte Favre. Der BVB rettete das 1:0 in die Halbzeitpause, weil bei Leipzigs bester Chance durch Konrad Laimer erneut der überragende Witsel richtig stand und blockte (33.).

Auch nach der Pause kam Leipzig stärker aus der Kabine: Ibrahima Konate tankte sich über rechts durch, seine Hereingabe landete bei Marcel Sabitzer. Bürki schien schon geschlagen, riss am Boden liegend aber noch die Arme hoch und parierte den Schuss (48.). Auf der anderen Seite vergab Dortmund mehrfach die Chance zur Vorentscheidung: Erst ließ sich Jadon Sancho nach Mario Götzes Traumpass noch abdrängen, dann war es Philipp, der nach Götzes Vorarbeit an der starken Fußabwehr von Peter Gulacsi scheiterte (53.).

Das hätte sich beinahe gerächt, als der ansonsten starke Bürki bei einem Rückpass ausrutschte und den Ball zu Werner beförderte – dann aber energisch hinterhersprang und erst das Spielgerät und dann den Nationalstürmer abräumte. „Ich bin froh, dass ich den Ball gespielt und Timo nicht verletzt habe“, sagte Bürki. „Das war für uns aber ein bisschen ein Weckruf, danach haben wir wieder gut verteidigt.“

Bis zur Nachspielzeit und der kurzen Eruption des Torhüters. Doch die war auf der Heimfahrt längst vergessen, Bürki und die Kollegen nahmen nicht nur das wohlige Gefühl des Sieges mit – sondern auch das Wissen, den Vorsprung an der Tabellenspitze von sechs Punkten verteidigt und den ersten Ansturm des Verfolgers Bayern München abgewehrt zu haben.

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