Corona

Bundesliga im Krisenmodus: Sechs Klubs fehlen Spieler

Verpasst das Heimspiel am Wochenende: Gladbach-Torjäger Alassane Pléa.

Verpasst das Heimspiel am Wochenende: Gladbach-Torjäger Alassane Pléa.

Foto: DPA

Essen.  Gladbach muss auf Pléa verzichten, Schalke-Gegner Wolfsburg auf einen Verteidiger. Auch Leverkusen meldet einen Coronafall. Die Kritik nimmt zu.

Wolfgang Glasner schaltete in den Pragmatismus-Modus: „Das ist so, in dieser Zeit leben wir. Ob ich mich darüber ärgere? Das hilft ja nichts. Es ist Fakt, dass wir alle damit konfrontiert sind", sagte der Trainer des VfL Wolfsburg. Am Samstag (15.30 Uhr) tritt der Bundesligist beim FC Schalke 04 an. Glasner muss dabei auf Innenverteidiger Marin Pongragic verzichten, der während der Länderspielreise mit Kroatien positiv auf das Coronavirus getestet wurde.

Andernorts wächst der Unmut über die Auswirkungen der Länderspiele auf die Bundesliga. Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga polterte im Kicker:„Klar gesagt: Die derzeitige Situation ist aus Sicht der nationalen Ligen und ihrer Klubs nicht zu akzeptieren." Seifert sprach mehrere Probleme auf den Europa-Touren an, darunter „unterschiedliche Gefährdungslagen, differenzierende behördliche Verordnungen“ sowie Hygienekonzepte, „die manchmal vielleicht auch weniger streng umgesetzt werden“.

Bundesliga-Spieltag findet statt - trotz mehrerer Coronafälle

Klar ist auch: Der achte Bundesliga-Spieltag findet wie die vorangegangenen sieben statt. Obwohl mehrere Klubs mit Coronaausfällen leben müssen. Eine Übersicht:

Bayer Leverkusen: Einen Tag vor dem Auswärtsspiel bei Arminia Bielefeld (Samstag, 15.30 Uhr) meldet auch Leverkusen einen Coronafall. Innenverteidiger Edmond Tapsoba ist nach seiner Rückkehr von der Länderspielreise mit Burkina Faso positiv getestet worden. Der 21-Jährige befindet sich laut Klubangaben in häuslicher Quarantäne. Er habe keinen Kontakt zu Spielern der Lizenzspielerabteilung gehabt. Alle weiteren Maßnahmen würden nun mit dem in diesem Fall zuständigen Gesundheitsamt Köln abgestimmt. Trainer Peter Bosz kritisierte die ungleiche Abstellung von Nationalspielern: „Ich habe mitbekommen, dass die Bielefelder ihre Spieler nicht für Länderspiele abgestellt haben. Das ist nicht gerecht und nicht gleich, weil wir verschiedene Bundesländer und verschiedene Gesundheitsämter haben“, sagte der Chefcoach.

Borussia Mönchengladbach: Der Bundesligist machte vor dem Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr/Sky) den positiven Coronabefund bei Torjäger Alassane Pléa publik. "Wir müssen nicht um den heißen Brei herumreden", sagte Trainer Marco Rose. "Wir hoffen, dass er schnell zurückkommt und wieder seine sehr gute Form auf den Platz bringen kann." Die Kritik von Christian Seifert ist in Gladbach nachvollziehbar. Sportdirektor Max Eberl könne die Aussagen "total verstehen". Die Reisen seien "ein Problem für uns alle". Pléa war allerdings nicht mit der Nationalmannschaft gereist.

TSG 1899 Hoffenheim: Der Antrag des Bundesligisten auf eine Verschiebung der Partie gegen den VfB Stuttgart (Samstag, 15.30 Uhr) wurde abgelehnt, die Hoffenheimer müssen trotz sieben Coronafällen im Team antreten. Schon im März hatte die TSG ein Trio nach der Länderspielpause isolieren müssen, diesmal tritt es das Team von Trainer Sebastian Hoeneß ungleich härter. Sargis Adamyan, Sebastian Rudy, Kevin Vogt, Robert Skov, Ishak Belfodil, Jacob Bruun Larsen und Munas Dabbur können nicht spielen. "Wir haben dann diesen Antrag gestellt. Er wurde abgelehnt. Das finde ich sehr schade, aber das akzeptieren wir“, sagte Hoffenheims Sportchef Alexander Rosen.

RB Leipzig: Bei Eintracht Frankfurt hat der Bundesligist noch nie gewonnen. Doch die Auswärtsaufgabe bei den Hessen am Samstag (18.30) wird zusätzlich durch einen positiven Coronatest erschwert. Der Südkoreaner Hee-chan Hwang wird das Spiel verpassen. Weitere Befunde könnten aufgrund der Vielzahl an Nationalspielern bei RB folgen. Trainer Julian Nagelsmann will sich nicht aus der Ruhe bringen lassen: „Wir leben in dieser Zeit, wir müssen es nehmen, wie es kommt. Wir haben ein sehr engmaschiges Testprotokoll, und deshalb habe ich rein sportlich kein extrem mulmiges Gefühl.“ In Amadou Haidara sowie einem weiterer Spieler hatte RB bereits zwei Coronafälle. Der norwegische Nationalspieler Alexander Sörloth hat die vorsorgliche Isolation verlassen und kann nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt ab Mittwoch wieder trainieren.

SC Freiburg: Nach dem Coronaausbruch in der südkoreanischen Nationalmannschaft kehrte auch Freiburgs Changhoon Kwon mit einer Coronainfektion zurück. Der 26-Jährige bleibt bis einschließlich 25. November in Quarantäne und verpasst somit das Heimspiel am Sonntag (15.30 Uhr) gegen den FSV Mainz.

VfL Wolfsburg: Der kroatische Nationalspieler Pongragic ist nicht der erste Coronafall der Wölfe. In dieser Saison musste der VfL schon zwei Ausfälle verkraften. „Wir alle müssen damit lernen umzugehen, dass nicht "nur" aufgrund von Verletzungen und Sperren Spieler nicht zur Verfügung stehen, sondern eben auch aufgrund einer Covid-Erkrankung“, sagt Glasner.

Borussia Dortmund: Nach den Irrungen und Wirrungen um die Corona-Infektion bei Norwegens Nationalspieler Omar Elabdellaoui gab das Gesundheitsamt Dortmund am Dienstag grünes Licht: Mannschaftskollege Erling Haaland darf am Samstag (20.30 Uhr/Sky) bei Hertha BSC antreten. Der norwegische Verband plädierte auf eine zehntägige Quarantänepflicht, doch der BVB verwies auf die deutsche Rechtslage. Gleiches gilt für Haalands Mannschaftskollegen Rune Jarstein. Beim Ersatzkeeper von Hertha BSC fiel der erste Corona-Test negativ aus. Hertha-Manager Michael Preetz äußerte allerdings auch Kritik an den Länderspielen: Testspiele und Nations League seien "in diesen Zeiten total überflüssig".

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