Bundesliga

Beierlorzer vor dem Rheinderby: "Es ist kein Endspiel"

Der Kölner Trainer Achim Beierlorzer gerät immer mehr unter Druck.

Der Kölner Trainer Achim Beierlorzer gerät immer mehr unter Druck.

Foto: dpa

Köln.  Vom Entscheidungsspiel für sich als Trainer des 1. FC Köln geht Achim Beierlorzer nicht aus. Trotzdem taumelt der FC ins Duell mit Düsseldorf

Der Fußball hat viele wunderbare Facetten. Im Profibereich kann er aber auch gnadenlos sein. Achim Beierlorzer weiß das. So gehört es unumgänglich zu seinem Beruf als Trainer, keine selbst beeinflussbaren Angriffsflächen zu bieten, keine Schwächen zu zeigen. Gerade in Zeiten, in denen es sportlich nicht läuft. So wie gerade beim 1. FC Köln. Und deshalb sitzt Achim Beierlorzer am Tag vor dem Rheinderby bei Fortuna Düsseldorf (So., 15.30 Uhr/Sky) mit durchgedrücktem Rücken vor Journalisten und versucht zu erklären, wie der FC der Krise entweichen werde. Das Pokal-Aus bei einem Viertligisten, ein Geschäftsführer als „lahme Ente“, für sich selbst eine ungewisse Zukunft: „Es ist kein Endspiel“, sagt der 51-Jährige mit energischer Stimme, „aber ein ganz, ganz wichtiges Spiel.“

Für Achim Beierlorzer könnte die Partie in der Landeshauptstadt weitreichende Konsequenzen haben. Beide Kontrahenten konnten an den bisher neun Bundesligaspieltagen nur sieben Punkte holen. Beim Liga-16. aus Köln kommt erschwerend nun auch noch die unrühmliche 2:3-Niederlage im DFB-Pokal am vergangenen Dienstag beim 1. FC Saarbrücken hinzu. Für den Franken Beierlorzer war dies ein „Nackenschlag“, der im gewohnt aufgewühlten Umfeld des FC teilweise Panik erzeugt hat. Die habe ihn aber „nicht erreicht, weil ich nur die Überschriften überflogen habe und ein von Grund auf positiver Mensch bin.“

Plötzlich Trainer in der Bundesliga

Überdrehtheit ist dem Kölner Trainer, dessen Karriere als Spieler unter anderem unterklassige Stationen wie die Amateure des 1. FC Nürnberg (1986 bis 1988), die SpVgg Greuther Fürth (1989 bis 1996) und den SC 04 Schwabach (1992 bis 2002) führt, fremd. Vor zehn Jahren trainierte er noch den Bezirksligisten SV Kleinsendelbach nördlich von Nürnberg. „Es war damals nicht Teil meiner Planung, mal in der Bundesliga zu landen. Aber das ist ja das Spannende im Leben: So ein Weg kann sich immer ergeben“, sagte Beierlorzer vor dem Pokal-Schlamassel im Gespräch mit dieser Zeitung.

Aber so ein Weg kann auch abrupt enden, zumal nun in Köln ein wesentlicher Fürsprecher des studierten Gymnasiallehrers an Einfluss verliert: Am Donnerstag gab Geschäftsführer Armin Veh, der Beierlorzer zum FC geholt hatte, bekannt, am Saisonende zurücktreten zu wollen. „Wir wissen alle, dass es jetzt nicht mehr so sein wird wie vorher“, sagte Veh. Kölns Trainer will sich davon in der Zusammenarbeit jedoch nicht beeinflussen lassen.

Abschluss mit Bestnote beim Lehrgang zum Fußballlehrer

Zumal er missliche Situationen, auch Konfrontationen nicht scheut. 2014 schloss Beierlorzer den Lehrgang zum Fußballlehrer mit Bestnote ab. Ein Jahr später schimpfte Mehmet Scholl über die „Laptop-Trainer“, ließ seine Tirade über die „Kursbestengesichter“ los. „Als Spieler habe ich ihn verehrt. Aber Pauschalurteile sind mir völlig fremd – und so eins hat er gefällt.“

Beierlorzer trainierte zu dem Zeitpunkt die U17 von RB Leipzig und kam unverhofft zu ersten Erfahrungen als Cheftrainer auf Bundesliga-Niveau: „Da musste ich mitten in der Saison für Alexander Zorniger ran.“ Von Februar bis Saisonende war er für den damaligen Zweitligisten verantwortlich. „Da hat mir die Ausbildung sehr geholfen.“ Aus der Zusammenarbeit mit Ralf Rangnick in Leipzig beherzigt Beierlorzer bis heute, „dass es um jedes kleine Detail geht. Es geht darum, nichts dem Zufall zu überlassen.“

Nochmal wie gegen Paderborn

Auf Zufall basiert die aktuelle sportliche Misere aber auch nicht. „Wir sind in einer ähnlichen Position wie vor dem Spiel gegen Paderborn, damals hat die Mannschaft alles hervorragend umgesetzt.“ Das war Anfang Oktober, als drei Niederlagen in Serie sowie einem 1:1 bei Schalke 04 ein 3:0 über den Aufsteiger folgte. Nun ist wieder so eine Reaktion nötig. Beierlorzer: „Mit Jammern, Wehklagen und Pessimismus kommt man nicht weiter. Wenn wir ein Spiel verloren haben, können wir es nicht ändern, es beim nächsten Mal aber besser machen. Deshalb gefällt mir auch der Satz ,Et kütt wie et kütt‘ im kölschen Grundgesetz so gut.“

Das gilt erst recht für das Rheinderby und die Tage danach.

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