Bundesliga

FC Bayern München: Meisterfeier mit Distanz zum Trainer

Jubeltrauber der Bayern nach dem Titelgewinn. Trainer Niko Kovac (r.) feiert für sich.

Jubeltrauber der Bayern nach dem Titelgewinn. Trainer Niko Kovac (r.) feiert für sich.

Foto: Reuters

München  Der FC Bayern holt zum siebten Mal in Serie die Schale. Trotz des gewonnenen Titels fehlt weiterhin ein Bekenntnis zu Coach Niko Kovac.

Die Stadionleinwand zeigte 17.42 Uhr an, die Konfettischnipsel waren verschossen, aus den Lautsprechern ertönte die Queen-Hymne „We are the champions“, und Arjen Robben hatte eines dieser unvermeidlichen Weißbiergläser in der Hand. Ein kurzer Antritt, eine schnelle Bewegung mit dem Arm – und schon ergoss sich die klebrige Flüssigkeit über Niko Kovac.

Eine komplizierte Saison endet für München mit dem Meistertitel

Da stand der Trainer des FC Bayern München nun wie ein begossener Pudel, allerdings wie ein sehr glücklicher begossener Pudel. Denn die Fans feierten ihn mit Sprechchören, nachdem eine komplizierte Saison soeben mit dem Meistertitel zu Ende gegangen war – dem siebten in Serie, dem 29. überhaupt. Grundlage dafür war ein auch in der Höhe absolut verdienter 5:1 (1:0)-Sieg gegen Eintracht Frankfurt, mit dem der Zwei-Punkte-Vorsprung auf Borussia Dortmund gewahrt wurde.

Schon nach vier Minuten war dank Kingsley Comans Treffer die verbliebene Spannung im Titelkampf eigentlich dahin. Den überraschenden Ausgleich durch Sébastien Haller (50.) konterten David Alaba (53.) sowie die eingewechselten Renato Sanches (58.), Franck Ribéry (72.) und Arjen Robben (78.).

Unterstützung für Kovac fällt überschaubar aus

Und nun stand Kovac auf dem Rasen und genoss den Zuspruch des Anhangs. Was er in diesem Moment spürte, Freude, Erleichterung oder Genugtuung? „Alles“, antwortete der 47-Jährige. „Suchen Sie sich etwas aus.“

Er hatte ja einiges zu überstehen gehabt: Kovac musste einen Umbruch moderieren, musste den Helden von einst wie Robben, Ribéry und Jerome Boateng vermitteln, dass sie ins zweite Glied treten, und dafür junge Spieler wie Serge Gnabry und Kingsley Coman einbauen. Er musste sich mit Verletzungen und Formkrisen von Leistungsträgern herumschlagen. Und er musste sich immer wieder anzählen lassen. Noch am Tag vor dem letzten Saisonspiel vermeldete das Internetportal Spox, seine Entlassung im Sommer sei beschlossene Sache. Die Bayern-Bosse dementierten dies zwar flugs – hatten den Raum für derartige Meldungen allerdings selbst geschaffen, indem sie öffentlich immer wieder Distanz zu ihrem Trainer erkennen ließen.

Selbst jetzt, nach der besten Rückrunde der an guten Rückrunden nicht eben armen Vereinsgeschichte, fiel die Unterstützung überschaubar aus. Kapitän Manuel Neuer wies darauf hin, dass man ja auch mit Pep Guardiola nie mehr als das Double gewonnen habe. Und Sportdirektor Hasan Salihamidzic ließ sich auf einen vielsagenden Dialog mit einem Reporter ein:

„Ist Niko Kovac in der kommenden Saison noch Bayern-Trainer?“

„Die Fakten sprechen dafür.“

„Und das Gefühl?“

„Wollen wir wirklich an so einem Tag darüber diskutieren?“

Klubpräsident Uli Hoeneß verweigerte ein Bekenntnis mit dem Hinweis, es sei nicht der richtige Zeitpunkt, darüber zu reden. Rummenigge sprach erst gar nicht. Und Kovac selbst erklärte, er gehe davon aus, bleiben zu dürfen – machte damit aber vor allem deutlich, dass auch er es nicht so genau weiß.

Tiefer liegender Konflikt im Klub

Auch die Spieler sollen zunehmend auf Distanz gehen: Bei den Meisterfeierlichkeiten auf dem Rasen blieb Kovac eine Randfigur, anders als seine Vorgänger wurde er nicht in die Luft geworfen. Wenig abwechslungsreiche Trainingseinheiten und taktische Einfallslosigkeit – so lauten die Hauptvorwürfe. Die Marschroute, hinten sicher zu stehen und vorne auf die individuelle Qualität zu setzen, reiche vielleicht in der Bundesliga – nicht aber gegen Europas Spitze, wie das Champions-League-Aus gegen Liverpool gezeigt habe.

Die Diskussionen um den Trainer sind auch Symptome eines tiefer liegenden Konflikts im Klub, in dem die Führungspersonen zutiefst uneins sind bei der Frage, was ihr Verein eigentlich darstellen soll. Der Patriarch Hoeneß begreift den FC Bayern vor allem als Familie, da passt einer mit Stallgeruch und Mia-san-mia-Gen bestens – weshalb der Präsident lange ein Kovac-Fürsprecher war. Rummenigge dagegen schwebt eine rationalere, kühlere Unternehmenskultur vor, weshalb er gerne einen Thomas Tuchel installiert hätte. Der bringt die moderneren Ansätze mit, wärmt dafür aber die Klubseele weniger.

Die Bayern müssen also im Sommer nicht nur klären, ob Kovac noch der Richtige ist. Sie müssen sich vor allem einig werden, wie sie sich selbst sehen.

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