Overtourism

Minister sieht doch keinen "Übertourismus" in Potsdam

Das Schloss Sanssouci ist eines der Hauptanziehungspunkte für Touristen in Potsdam.

Das Schloss Sanssouci ist eines der Hauptanziehungspunkte für Touristen in Potsdam.

Foto: Bernd Settnik

Potsdam.  Dass zu viel Städtetourismus zu Einwohnerprotesten führen kann, zeigen Venedig und Barcelona. Über eine solche Entwicklung Potsdams hatte auch Brandenburgs Wirtschaftsminister sinniert.

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Nach seiner Äußerung, Potsdam könne wegen steigender Besucherzahlen auf einen "Übertourismus" zusteuern, hat Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) nun eine andere Sicht auf die Dinge präsentiert. Der Landesregierung seien aktuell keine Faktoren bekannt, die auf einen "Übertourismus" in der Landeshauptstadt schließen lassen, teilte der Minister auf eine Anfrage aus der CDU-Landtagsfraktion mit. Ebenfalls lägen keine Erkenntnisse zu möglichen Konflikten wegen steigender Touristenzahlen in Potsdam vor.

Nach einer Kabinettssitzung Mitte Mai, auf der es auch um die Tourismusstrategie des Landes ging, hatte Steinbach auf Nachfrage der "Potsdamer Neueste Nachrichten" auch über eine Sättigung des Marktes sinniert. Es gebe Regionen, bei denen bereits von Übertourismus gesprochen werde. Krassestes Beispiel sei Venedig. Laut Zeitung hatte der SPD-Politiker betont, dass auch die Landeshauptstadt auf einen solchen kritischen Punkt hinsteuern könnte, was die Besucherzahlen von Schloss Sanssouci und anderer Kultstätten angehe. Es werde bereits diskutiert, ob mehr für die Stadt noch verkraftbar sei.

Kritik an den Äußerungen

Unmittelbar darauf hatte es Kritik an den Äußerungen Steinbachs gegeben. Die Zeitung zitierte Potsdams Tourismuschef Raimund Jennert, der die Sorge des Ministers im Hauptausschuss der Landeshauptstadt zurückwies. Es habe zuletzt sogar einen Rückgang bei den Schlösserbesuchern gegeben.

In der Antwort auf die CDU-Anfrage gibt das Ministerium die Zahl der Übernachtungen in Potsdam je 1000 Einwohner mit 6631 für das Jahr 2016 und 6666 für 2017 an. Damit habe die sogenannte Tourismusintensität sogar unter dem Mindestwert von 7500 Übernachtungen gelegen, der als "gutachterliche Empfehlung zu einer anzustrebenden Tourismusstärke im Leitfaden 'Die Zukunft des Destinationsmanagements im Land Brandenburg' verankert ist". Die Expertise stammt aus dem Wirtschaftsministerium.

Zahlen der Tages- und Übernachtungsgäste

Der Statistik zufolge stieg die Zahl der jährlichen Übernachtungsgäste in Potsdam von 2014 bis 2018 von 437 370 auf 550 173. Im selben Zeitraum nahmen die Übernachtungen von 1,04 Millionen auf 1,28 Millionen zu.

Steinbach stellt in der Antwort an die CDU klar, dass die Zahlen der Tages- und Übernachtungsgäste in Potsdam weiter ansteigen werden. Die Investitionen im Gastgewerbe würden begrüßt, eine wachsende Zahl der Gäste erhöhe die Wertschöpfung und trage zur Sicherung der Beschäftigung in der Tourismusbranche bei. Gleichzeitig erhöhe eine touristische Angebotsstruktur die Lebensqualität der Bürger. (dpa)

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