Corona-Krise

Steigende Fallzahlen: Wieder Hamsterkäufe wegen Corona?

Die Corona-Fallzahlen steigen seit Wochen. Die ersten Supermärkte im Ruhrgebiet rüsten sich bereits wieder für mögliche Hamsterkäufe und rationierten  das Toilettenpapier.

Die Corona-Fallzahlen steigen seit Wochen. Die ersten Supermärkte im Ruhrgebiet rüsten sich bereits wieder für mögliche Hamsterkäufe und rationierten das Toilettenpapier.

Foto: Daniel Karmann / dpa

Ruhrgebiet.  In den ersten Supermärkten wird Klopapier rationiert, weil corona-bedingt die Nachfrage wieder steigt. Läden: „Kein Anlass für Hamsterkäufe!“

Bei Aldi in Mülheim stehen neue Pappschilder: „Bitte nur ein Paket Toilettenpapier pro Haushalt!“ Bei Lidl in Moers stapelt sich Haltbares im Einkaufswagen: 16 Tüten Mehl, 16-mal Salz und vier Pakete Klopapier. Sieben Monate nach dem ersten Corona-Lockdown steigt angesichts der wachsenden Infektionszahlen offenbar die Angst der Kunden vor erneuten Engpässen. Discounter bestätigen eine steigende Nachfrage nach haltbaren Waren. Geht das Hamstern wieder los?

Zwei Tage sahen sie in einer Filiale von Aldi Süd erstaunt zu, wie der Vorrat an Tissue – Toilettenpapier, Haushaltsrollen, Taschentücher – rapide schmolz. Dann zückten sie den Kugelschreiber, stellten Hinweise in die Regale, wie einst im Frühjahr. Jeder nur ein Paket, das erinnert an die Zeiten, als das Corona-Virus sich ausbreitete in Deutschland und Europa, als in den Läden Mehl, Hefe, Konserven ausgingen. Nicht, weil es nicht mehr dagewesen wäre: Die Menschen legten Vorräte an. Dabei waren Supermärkte und Drogerien nie geschlossen. Knapp wurden die Waren nur, weil die Lieferanten nicht mehr nachkamen.

Dieb ließ in Duisburg Klopapier mitgehen

Das soll diesmal nicht wieder passieren. „Für Hamsterkäufe gibt es keinerlei Anlass“, sagt eine Sprecherin von Aldi Süd auf Anfrage. Man sei „auf eine steigende Nachfrage vorbereitet“ und erwarte derzeit keine Einschränkungen bei der Verfügbarkeit. „Aufgrund der Erfahrungen der vergangenen Monate beobachten wir Nachfrageschwankungen sehr genau, um etwaige Lieferengpässe vermeiden zu können.“ Auch Wettbewerber Lidl sieht sich „gut vorbereitet“. Man könne bei Bedarf „schnell reagieren, um die Filialen mit ausreichend Ware zu versorgen“.

Die Discounter haben aus dem Frühjahr gelernt, als die Deutschen schon im Februar – also Wochen vor dem Lockdown – siebenmal so viel Klopapier kauften wie sonst. Die Regale standen leer, Hygieneartikel wurden damals schon rationiert; in Duisburg wurde erst kürzlich ein Dieb verurteilt, der unter anderem Toilettenpapier hatte mitgehen lassen.

Mehr Bedarf im Homeoffice

Zwar will die Politik einen erneuten Lockdown unbedingt vermeiden und spricht erst recht nicht von einer Schließung des Lebensmittel-Einzelhandels. Aber die wachsende Sorge der Kunden ist im Ruhrgebiet, das fast flächendeckend zu den Risikogebieten zählt, zu spüren. Zudem mussten zu Wochenbeginn wieder vermehrt Arbeitnehmer ins Homeoffice wechseln – wo sie mehr Toilettenpapier verbrauchen, als wenn sie tagsüber im Büro sind.

Supermärkte und Discounter: Warenverkehr ist sichergestellt

„Aktuell verzeichnen wir in unseren Filialen erstmals wieder einen leichten Anstieg der Nachfrage nach vereinzelten Produkten“, heißt es bei Aldi Süd. Auch Lidl bestätigt „vereinzelt eine leicht erhöhte Nachfrage in unserem Hygienesortiment“.

Handelsketten wie Rewe, dm und Kaufland bestätigten solche Veränderungen im Kaufverhalten allerdings nicht. Edeka Rhein-Ruhr mit seinen mehr als 700 Märkten erklärte, der Warenverkehr sei sichergestellt, eine erhöhte Nachfrage noch nicht feststellbar.

Umsatz 2020 trotz Einbrüchen im Sommer deutlich gestiegen

Zwar hatte sich die Lage auf dem Markt für Hygieneartikel im Sommer wieder beruhigt. Trotzdem meldete das Marktforschungsunternehmen Iri erst in der vergangenen Woche: Der Bedarf an Toilettenpapier sei 2020 größer als im Vergleichszeitraum 2019. Zwischen Januar und Mitte September sei der Umsatz mit Toilettenpapier bei Drogerien und Supermärkten im Vergleich zum Vorjahr um 6,3 Prozent gewachsen. Auch ein zwischenzeitlich schwerer Umsatzeinbruch, als ausgerechnet das Klopapier zum Ladenhüter wurde, änderte nichts an den guten Zahlen.

„Es könnte natürlich zu erneuten Hamster-Käufen kommen“, ahnte Iris Marktforschungs-Experte Dominick Overbeck von Iri Anfang Oktober, mit Blick auf eine zweite Pandemie-Welle. Da hofft er indes noch, dass die Verbraucher gelernt hätten: Es könne sein, dass sie „aufgrund der Erfahrungen in der ersten Welle keine Versorgungslücken befürchten und auf eine ständige Verfügbarkeit vertrauen“.

Hamsterkäufe: „Unverständlich und absolut idiotisch“

Doch schon appellieren auch Händler wieder: „Hamsterkäufe sind nicht nötig!“ In Wuppertal wandte sich Markus Billstein, Geschäftsführer bei Edeka, über die Wuppertaler Rundschau an die Kunden. „Wenn alle wie gewohnt einkaufen, dann können Lieferketten aufrecht erhalten werden, Engpässe entstehen nicht und alle sind ausreichend versorgt.“ Das Horten von Mehl, Hefe, Toilettenpapier sei egoistisch, andere Kunden stünden so „am Ende vor leeren Regalen“.

Auch Leser dieser Zeitung finden das Verhalten mancher Mitmenschen nicht zum Lachen. „Diese unangebrachten Einkäufe bringen jeden normalen Konsumenten in Bedrängnis“, heißt es auf Facebook, „unverständlich und absolut idiotisch“. Denn schließlich: Das Einkaufen werde schließlich auch bei einem möglichen Lockdown nicht verboten.

Klopapierautomat in Düsseldorf aufgestellt

Der Toilettenpapierhersteller Hakle hat derweil vor seinem Betriebsgelände in Düsseldorf Benrath einen Automaten aufgestellt, an dem sich Passanten Klopapierrollen ziehen können. Ein entsprechendes Foto geht durchs Netz. Die Zweierpackung Rollen kostet zwei Euro, Hygienetücher gibt es für 1,50 Euro, wie der WDR berichtet. Das Unternehmen wolle einen „Beitrag zur Versorgung der Öffentlichkeit mit Toilettenpapier leisten“, heißt es.

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