Justiz

Sexueller Missbrauch von Kindern: Bewährungsstrafe für Täter

Das Amtsgericht Siegen hat den 22-jährigen nun zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Das Amtsgericht Siegen hat den 22-jährigen nun zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Foto: Katja Lenz

Siegen.   Vater des Jungen gibt sich online als das Opfer aus und stellt den Kreuztaler zur Rede. Der ist einschlägig aufgefallen, schlug Therapie aus.

Einen Fall von sexuellem Missbrauch eines Kindes hat das Amtsgericht Siegen am Mittwoch, 10. Oktober, verhandelt: Der Angeklagte war kein Unbekannter, der 22-jährige Kreuztaler hatte eine ähnliche Tat bereits im Jahr 2015 begangen. Damals wurde er auf Grund geistiger Unreife als noch Heranwachsender zu einer Verwarnung von 900 Euro verurteilt.

Der Angeklagte soll am 16. April mit Handy oder PC das zur Tatzeit zwölfjährige Opfer über die Social-Media-Plattform Instagram angeschrieben haben. Im Chatverlauf hat der Angeklagte das Opfer aufgefordert, sich mit ihm zu sexuellen Handlungen zu treffen. Es wurde ein Treffpunkt an der Kreuztaler Dreifachsporthalle ausgemacht.

Vater bekommt Chat mit und wartet auf Angeklagten

Dort wartete jedoch nicht das Opfer, sondern sein Vater. Dieser hatte den Chatverlauf mitbekommen und sich mit dem Täter auf den Treffpunkt geeinigt. Der Täter zeigte sich davon sehr überrascht, als nicht der Zwölfjährige, sondern dessen Vater ihn zur Rede stellte. Ziemlich schnell flüchtete der Angeklagte vom Treffpunkt. Noch am gleichen Tag erstattete der Vater Anzeige bei der Polizei.

Die Aussagen der Beteiligten

Der Angeklagte räumte den Tatvorwurf insoweit ein, als er bestätigte, dass es diesen Chatverlauf gegeben hat. Der Chatverlauf lag Amtsrichter Pieper auch vor. Der Angeklagte verwies in seiner Aussage allerdings darauf, dass das Opfer ihm persönlich gesagt habe, es sei 16 Jahre alt. Täter und Opfer waren schon seit ungefähr einem Jahr über soziale Netzwerken miteinander bekannt. Darüber hinaus gab es auch gelegentlich Treffen zwischen den beiden, jedoch waren immer noch weitere Freunde des Opfers anwesend. Der Angeklagte verwies darauf, dass ja nichts vorgefallen sei und er auf dem Weg zur Arbeit zufällig an diesem Ort vorbeikam. Diesen angeblichen „Zufall“ hielten Richter Pieper und Oberamtsanwalt Benjamin Schneider für äußerst fragwürdig, denn nach dem Chatverlauf zu urteilen habe es sich hierbei um ein verabredetes Treffen gehandelt. Auf die Frage, welchen Sinn dieses Treffen denn hatte, wenn sowieso nichts passieren sollte, antwortete der Angeklagte nicht.

Der Junge bestritt in seiner Zeugenaussage, dem Angeklagten gesagt zu haben, dass er 16 Jahre alt sei. Als er den Kreuztaler vor rund einem Jahr kennen gelernt habe, habe er ihm gesagt, dass er zwölf Jahre sei und in die siebte Klasse gehe. Neben ihm sollen auch seine Freunde von dem Angeklagten Nachrichten erhalten haben. Auf die Frage, wie dieser Chatverlauf zustande gekommen sei, sagte das Opfer, er und seine Freunde hätten sich daraus einen Spaß gemacht. Er zweifelte jedoch nicht daran, dass die Nachrichten des Angeklagten einen ernsthaften Hintergrund hatten.

Auch der Vater des Opfers wurde als Zeuge vernommen. Er sagte aus, dass er auf den Chatverlauf aufmerksam geworden sei, als er am PC seines Sohnes etwas drucken wollte. Fortan schrieb er im Namen seines Sohnes mit dem Angeklagten und machte den Treffpunkt an der Dreifachhalle mit ihm aus. Dort stellte er den Angeklagten zur Rede. Dieser habe sich nicht in der Lage gesehen zu antworten und sei weggegangen.

Das Urteil

In seinem Plädoyer forderte Oberamtsanwalt Schneider eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten plus ein Bußgeld von 900 Euro. Darüber hinaus hielt er es für wichtig, dass dem Angeklagten für die Bewährungszeit von drei Jahren ein Bewährungshelfer beigeordnet wird. Er zweifelte auch nicht an der Glaubhaftigkeit des Opfers.

Verteidiger Lange verwies in seinem Plädoyer darauf, dass nicht zweifelsfrei geklärt sei, welches Alter das Opfer dem Angeklagten mitgeteilt hat. Er forderte mit Blick auf die Zukunft seines Mandanten eine milde Strafe.

Richter Pieper kam in seinem Urteil zu dem Schluss, das der Tatvorwurf dahingehend bestätigt sei, dass der Angeklagte auf das Opfer über den Chatverlauf eingewirkt hat. Damit begründete er das Urteil: Gegen den Angeklagten verhängte er eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Außerdem folgte er dem Antrag des Staatsanwalts , ein Bußgeld in Höhe von 900 Euro zu verhängen.

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