Menschenrechte

Eine Mutter aus Unna kämpft für ihren in China inhaftierten Sohn

Der Sohn von Elfie Rother,  Robert, sitzt seit zwei Jahren in einem chinesischen Gefängnis ein. Eine Freilassung aus der chinesischen Haft ist derzeit nicht in Sicht.

Der Sohn von Elfie Rother, Robert, sitzt seit zwei Jahren in einem chinesischen Gefängnis ein. Eine Freilassung aus der chinesischen Haft ist derzeit nicht in Sicht.

Foto: Joachim Kleine-Büning/WAZ FotoPool

Shenzhen/Unna.   Robert Rother machte sich vor zehn Jahren in China selbstständig. Der Investmentbanker stand auf der Sonnenseite des Lebens. Doch 2011 wurde er in einer Bar in China festgenommen. Eine Mitarbeiterin habe eine Unterschrift gefälscht. Seitdem wartet er auf seinen Prozess. Seine Mutter kämpft für ihn.

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Den Meisterschaftssieg seines BVB hatte Robert Rother unbeschwert gefeiert, bevor er sich in den Flieger nach Peking setzte. Später am Abend war er mit seinem Freund in einer Bar verabredet und wollte anstoßen auf den Erfolg. Doch über Fußball konnten sich die beiden deutschen Geschäftsmänner nicht mehr austauschen.

Stattdessen wurde Robert Rother festgenommen. Mehrere Polizisten führten ihn aus der Bar ohne Begründung ab. Seit diesem Tag, dem 21. Mai 2011, sitzt der Investment-Banker aus Unna im Gefängnis. Seitdem wartet der 31-Jährige auf seinen Prozess, in dem es wahrscheinlich um eine gefälschte Unterschrift gehen wird. Aus Investment-Banker Robert Rother ist Häftling Nummer 639 in der Untersuchungshaftanstalt Nummer 3 in Shenzhen geworden.

„Es ist zum Verzweifeln. Roberts Mitarbeiterin soll eine Unterschrift gefälscht haben und wahrscheinlich warten Anleger auf ihr Geld“, spekuliert Roberts Mutter, Elfie Rother. Genaues weiß sie nicht. Die 56-Jährige führt einen verzweifelten Kampf für die Freiheit ihres Sohnes. Sie ist von dessen Unschuld überzeugt.

Ein Anwalt ist längst eingeschaltet

Längst hat sie einen Anwalt eingeschaltet. Den besten, den es in Shenzhen gibt. Rechtsanwalt Yang Qianwu soll schon einmal das Kunststück vollbracht haben, einen deutschen Geschäftsmann aus einem chinesischen Gefängnis zu holen.

„Das wäre mein größter Wunsch, dass Robert da raus kommt. Er wird misshandelt. Er ist krank. Seine Haut ist übersät mit entzündeten Pusteln und sein Augenlicht hat sehr gelitten. Aber die medizinische Versorgung ist schlecht“, sagt sie. Die Frau ringt um eine feste Stimme während sie von Blutergüssen und Schnitten an Roberts Körper berichtet. Ihre Augen füllen sich mit Tränen.

Fünfmal durfte sie ihn im Gefängnis besuchen. Natürlich war die Polizei dabei und Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes ebenso. "Ich hätte ihn gerne umarmt“, sagt Elfie Rother. Aber das durfte und konnte sie nicht. Sei es, weil ihr Sohn durch Gitterstäbe von ihr getrennt war, sei es, weil er an Händen und Füßen mit Ketten an einen Stuhl fixiert wurde.

Briefe an die Kanzlerin und den Bundespräsidenten blieben folgenlos

„Ich kann an nichts anderes mehr denken. Ich will ihm helfen, aber ich weiß nicht wie“. Ihre Briefe an Bundeskanzlerin und Bundespräsident blieben folgenlos. Das Auswärtige Amt ist im Bilde, kann aber bislang auch nichts ausrichten. „Uns ist der Fall bekannt. Robert Rother wird vom Generalkonsulat betreut. Wir stehen in Kontakt“, erklärte das Auswärtige Amt auf Anfrage dieser Zeitung.

Robert Rother ist vor seiner Auswanderung nach China von der Familie gewarnt worden 

Als Robert Rother im Jahre 2004 beschloss nach China zu gehen, hatte ihn seine Familie gewarnt. Vor einem System, das es nicht immer allzu genau nimmt mit den Menschenrechten. Doch der Überflieger, der gut rechnen konnte und sehr erfolgreich Aktiengeschäfte machte, war sorglos. Und erfolgreich. „Er hatte keine Probleme. Er fühlte sich gut. Bis zu jenem Tag“, berichtet seine Mutter.

Sie selbst hat kein Vertrauen mehr in dieses Land, das ihr schon seit fast drei Jahren den Sohn vorenthält. Vor ihrem ersten Besuch im Gefängnis wurde Elfie Rother drei Stunden lang verhört. „Was genau ihm die chinesische Justiz vorwirft, ist bis heute nicht klar. Alle Anhörungen wurden vorzeitig abgebrochen. Robert hat keine Chance, sich zu verteidigen.“ Immer wieder heiße es, der Fall müsse noch überprüft werden.

Anwalt und Flüge haben schon 100.000 Euro gekostet

Es ist diese Ausweglosigkeit, die Elfie Rother zu schaffen macht. Außerdem haben Anwalt und Flüge schon über 100.000 Euro verschlungen und langsam geht ihr das Geld aus. Doch das alles wäre noch zu ertragen, wären da nicht die anderen Vorfälle, die ihr Sohn dem Anwalt anvertraute. Angedeutete Hinrichtungen - „sie haben ihn nachts in einen Wald gefahren und hinknieen lassen“ - , Schläge.

In einem Brief an seine Mutter kündigte der Inhaftierte seinen Selbstmord an: „Liebe Mum. Ich sehe hier keine Hoffnung mehr. Wenn der Fall bis zu meinem Geburtstag nicht...(...), dann bin ich tot. Jetzt musst du nach vorne gehen, ansonsten kann nur mein Tod helfen.“

Dieser Brief veranlasste Elfie Rother die Geschichte ihres Sohnes in dem Buch „Fast 1000 Tage“ aufzuschreiben. An seinem Geburtstag, dem 12. September, durfte sie Robert das letzte Mal sehen. Die Mutter kämpft weiter.

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