Mordprozess

Angeklagte im Höxter-Prozess sieht sich weiter als Opfer

Angelika W. (l) neben ihrem Verteidiger Peter Wüller (r). Am Freitag hat die Angeklagte das letzte Wort - und hat angekündigt, lange zu sprechen.

Angelika W. (l) neben ihrem Verteidiger Peter Wüller (r). Am Freitag hat die Angeklagte das letzte Wort - und hat angekündigt, lange zu sprechen.

Foto: Friso Gentsch / dpa

Paderborn/Höxter.  Am vorletzten Prozesstag im Fall des "Horror-Hauses" von Höxter hat die Angeklagte das Wort. Angelika W. beschreibt sich weiter als Opfer.

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Nach fast zwei Jahren Verhandlung steht der Mordprozess um das sogenannte Horrorhaus von Höxter vor dem Abschluss. Die Angeklagte Angelika W. stellte sich am Freitag in ihrem knapp 90 minütigen Schlusswort als Opfer des Mitangeklagten Wilfried W. dar. Sie entschuldigte sich nicht bei den Opfern und begründete dies mit ihrer fehlenden Empathiefähigkeit. Eine psychiatrische Gutachterin hatte ihr im Prozess bescheinigt, dass sie autistische Züge habe und kein Mitgefühl aufbringen könne.

Die Anwälte der Nebenkläger und die anwesende Mutter eines der beiden Todesopfer verließen aus Protest den Saal, weil die Angeklagte aus ihrer Sicht ausschweifend die Gelegenheit zum letzten Wort vor dem Urteil nutzte. «Wenn ich Mitgefühl empfinden könnte, wäre das alles wohl nicht passiert», sagte Angelika W. über die Gräueltaten.

Nebenklage-Vertreter haben Gerichtssaal verlassen

Zu dem Zeitpunkt waren die Nebenkläger-Vertreter und die Mutter des Opfers Anika W. nicht mehr im Gerichtssaal. In Richtung der leeren Stühle sagte die Angeklagte, dass sie es bedaure, dass die Mutter von Anika W. wegen eines fehlenden Grabes keinen Ort für ihre Trauer habe.

Anika W. war in dem Haus in Höxter nach einem Sturz auf den Kopf und monatelangen Quälereien gestorben. Die genaue Todesursache konnte nicht ermittelt werden, weil das Paar die Leiche zuerst eingefroren, dann zersägt und später in einem Ofen verbrannt hatte. Die Asche verstreute das Paar laut dem Geständnis der Angeklagten an den Straßenrändern im Stadtteil Höxter-Bosseborn.

Enttäuscht reagierte am Freitag die Mutter von Anika W. auf die von ihr bis dahin verfolgten Ausführungen der Angeklagten: «Nichts Neues», sagte sie, als sie mit den Nebenkläger-Anwälten den Gerichtssaal aus Protest verließ.

Frauen über Jahre hinweg gequält

Über Jahre hinweg sollen Wilfried W. (48) und Angelika W. (49) mehrere Frauen mit Zeitungsanzeigen in das Haus nach Höxter in Ostwestfalen gelockt und dort schwer misshandelt haben. Neben Anika W. starb auch noch eine weitere Frau aus Niedersachsen infolge der seelischen und körperlichen Quälereien.

Die Anklage lautet auf Mord durch Unterlassen. Die Staatsanwaltschaft hat für beide Angeklagten lebenslange Haftstrafen und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld beantragt. Falls sich das Gericht dem anschließt, wäre eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren rechtlich zwar möglich, in der Praxis aber so gut wie ausgeschlossen. Für Wilfried W. forderte die Anklage außerdem die Unterbringung in der Psychiatrie.

Letzte Plädoyers im Fall des "Horror-Haus von Höxter"

Der Verteidiger von Angelika W. fordert für die Mitangeklagte einen Freispruch.
Letzte Plädoyers im Fall des "Horror-Haus von Höxter"

Das Landgericht Paderborn will am 5. Oktober ein Urteil fällen. Der Angeklagte Wilfried W. hat an dem Tag noch die Gelegenheit für sein letztes Wort.

Verteidiger von Angelika W. fordern Freispruch

Die Verteidiger liegen mit ihren Forderungen deutlich unter denen der Staatsanwaltschaft. Für Angelika W. beantragten ihre Verteidiger aus Mangel an Beweisen Freispruch. Sollte das Gericht diese Ansicht nicht teilen, schlagen sie die Kronzeugenregelung und eine damit verbundene geminderte Freiheitsstrafe von zwölf Jahren vor.

Für Wilfried W. forderten dessen Verteidiger wegen eines versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung eine Haftstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten und die Psychiatrie-Einweisung. Laut Gutachterin ist der 48-Jährige vermindert schuldfähig. (dpa)

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