Illegaler Waffenbesitz

Illegale Waffensammlung: „Sowas haben wir noch nicht erlebt“

Märkischer Kreis.   Gewehre, Pistolen, eine Kalaschnikow und fünf Kilo Schwarzpulver: In der Wohnung eines 81-Jährigen machten die Behörden einen Überraschungsfund.

Der 81-jährige Iserlohner lebte allein und war im Krankenhaus eines natürlichen Todes gestorben. Als Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamtes an diesem Mittwoch (24. April 2019) die Wohnung im Ortsteil Gerlingsen öffneten, staunten sie nicht schlecht: Unter Kleidungsstücken, in Kisten unter verstreutem Unrat verborgen – überall lagen in der unaufgeräumten Wohnung verbotene Waffen.

Gewehre, Pistolen, Revolver, Messer, sogar Maschinenpistolen, eine Kalaschnikow: Insgesamt fast 500 Waffen stellte die herbeigerufene Polizei in der Wohnung sicher. „Sowas haben wir in dieser Hülle und Fülle bei uns noch nicht erlebt“, staunte ein Sprecher der Polizei im Märkischen Kreis auf Nachfrage der Redaktion. Die Wohnung müsse man sich als eine Art Messie-Wohnung vorstellen. Neben den Waffen entdeckten die Beamten auch große Mengen Munition.

LKA-Experten stellten Schwarzpulver sicher

Damit aber nicht genug: Im Keller des Hauses lagerten etwa fünf Kilo explosives Schwarzpulver. „Damit lässt sich eine Menge Unheil anrichten“, sagte der Polizeisprecher. Der Bereich wurde abgesperrt, zwischenzeitlich wurde auch eine Evakuierung erwogen. Erst wurde beim Kampfmittelräumdienst angefragt, schließlich stellten Experten vom Landeskriminalamt das Schwarzpulver sicher.

Sicher ist: „Der Wohnungsinhaber hatte keinen Waffenschein“, heißt es bei der Polizei. Die offenbar im Verlaufe von nicht Jahren, sondern Jahrzehnten zusammengetragene Sammlung war illegal. Der Verstorbene sei polizeilich nicht in Erscheinung getreten. Auch über eine etwaige Zugehörigkeit zu den „Reichsbürgern“, welche die Bundesrepublik Deutschland ablehnen, liegen bei der Polizei keine Erkenntnisse vor. Warum der Mann die Waffen gehortet hat, war unklar.

Leichter Griff zur Waffe

Illegaler Waffenbesitz ist in Nordrhein-Westfalen weiter ein Problem. Für das Jahr 2018 verzeichnet die Kriminalstatistik 6187 Verstöße aller Art gegen das Waffengesetz. Hinzukommen 608 Verstöße gegen das Sprengstoff- und 54 gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Gegenüber dem Vorjahr haben sich die Zahlen kaum verändert.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) blickt mit Sorge auf solche Waffenfunde wie jetzt in Iserlohn. Selbst wenn jemand Waffen erklärtermaßen nur aus Sammlergründen horte: „Die Lebenserfahrung zeigt, dass diese Leute dann in Konfliktsituationen eher dazu neigen, doch zur Waffe zu greifen“, sagte GdP-Landeschef Michael Mertens gegenüber der Redaktion.

Deutlich weniger Waffen abgegeben

Wer aber einem Polizisten mit gezogener Waffe gegenüber tritt, müsse wissen, dass dem Beamten dann nur bleibe, selbst zur Waffe zu greifen. Auch der Versuch, einen überraschten Einbrecher mit Pistole oder Gewehr in Schach zu halten, könne eine Eskalation der Lage zur Folge haben, mahnt Mertens.

Eine im Sommer 2018 ausgelaufene Waffenamnestie förderte in NRW insgesamt 16.720 Kurz- und Langwaffen aus privaten Haushalten zu Tage, die bei Polizeibehörden abgegeben wurden (plus 513.300 Patronen Munition). Knapp 5200 dieser Waffen waren laut einem Bericht des Innenministeriums in illegalem Besitz gewesen.

Appell an die Bevölkerung

Die Amnestie konnte nicht mehr an den Erfolg ihres Vorläufers im Jahr 2009 anknüpfen, als 38.000 Waffen bei den Polizeibehörden im Land abgegeben worden waren. Michael Mertens glaubt, dass noch eine weitere Amnestie wenig Sinn macht: „Ich denke, wir müssen davon ausgehen, dass diejenigen, die jetzt noch illegale Waffen haben, sie auch behalten wollen.“

Der GdP-Chef appelliert an die Bevölkerung, Hinweise auf solche Waffensammlungen zu geben, damit die Polizei diese konsequent verfolgen kann. Zugleich hofft Mertens, dass bei Waffenbesitzern das Verständnis dafür wächst, dass eben nur legaler Waffenbesitz okay sei: „Und am besten ist es immer noch, wenn gar keine Waffen da sind.“

Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz

Der verstorbene Iserlohner wird sich für seine illegale Sammlung nicht mehr verantworten müssen. Die Polizei im Märkischen Kreis ermittelt dennoch, u. a. wegen des Verdachtes auf Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Die Beamten haben die eher vage Hoffnung, vielleicht den Weg der ein oder anderen Waffe nachvollziehen und mögliche Verkäufer belangen zu können. Zunächst aber müssen die Pistolen und Gewehre gesichtet und katalogisiert werden: „Das wird einige Zeit dauern“, meinte der Polizeisprecher.

>>>Info: Handel mit Waffen übers Internet

Zollbeamte beobachten, dass Waffenteile (wie z. T. Schalldämpfer) sowie verbotene Waffen (z. B. Wurfsterne) zunehmend übers Internet aus dem Ausland geordert werden. „In den USA oder in Asien ist vieles erlaubt, was bei uns verboten ist“, sagt Heike Sennewald vom Zollfahndungsamt Essen. Der Zoll versucht in derlei Kaufoperationen hineinzugrätschen, indem z. B. verdächtige Pakete an den Flughäfen geröntgt und gegebenenfalls sichergestellt werden.

Das Zollfahndungsamt Essen stellte im vergangenen Jahr insgesamt 33 Luftdruck- oder Softairwaffen sicher (Vorjahr: 29), 13 wesentliche Waffenteile (Vorjahr: 0), 1105 Stück erlaubnispflichtige Munition (Vorjahr: 495). Zudem wurden 21 scharfe Schusswaffen sichergestellt (Vorjahr: 6). Diese seien aber eher „Beifang“ gewesen in anderen Ermittlungsverfahren, etwa zu Drogendelikten oder dem Handel mit Dopingmitteln.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben