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Verbraucherzentrale NRW warnt vor unseriösen Stromanbietern

Verbraucherschützer gehen gegen versteckte Preiserhöhungen von Strom- und Gasanbietern vor.

Foto: Jan Woitas

Verbraucherschützer gehen gegen versteckte Preiserhöhungen von Strom- und Gasanbietern vor.

Düsseldorf.   Die Verbraucherschützer haben Jahresbilanz gezogen. 2017 gab es in NRW fast 800000 Anfragen. Nicht nur unseriöse Stromanbieter sind ein Problem.

Überteuerte Inkassogebühren, unseriöse Werbung oder Ärger mit Spiele-Apps auf dem Smartphone: Fast 800 000 Anfragen haben Bürger im vergangenen Jahr an die Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen gestellt. Das berichteten die Verbraucherschützer gestern bei ihrer Jahrespressekonferenz in Düsseldorf. Die Zahl der Anfragen lag damit etwa auf dem Niveau der Vorjahre. Ein Überblick über die wichtigsten Themen der Verbraucherschützer:

Unseriöse Stromanbieter

Einige Strom- und Gasanbieter zocken ihre Kunden fantasievoll ab, zum Beispiel mit heimlichen Preiserhöhungen. „In Mails oder Briefen wird der eigentliche Zweck – die Preiserhöhungsankündigung – so geschickt versteckt, dass der Kunde sie kaum bemerken kann“, sagte Wolfgang Schuldzinski, Chef der Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen. Damit verpassten viele Verbraucher ihr Sonderkündigungsrecht für den Wechsel zu einem günstigeren Unternehmen. Oft würden auch Guthabenauszahlungen verschleppt oder Bonuszahlungen verwehrt.

Unter den bundesweit 112 Stromanbietern tummeln sich einige schwarze Schafe, sagen die Verbraucherschützer. Immer wieder gebe es Firmen, die Preiserhöhungen hinter blumigen Formulierungen, als vermeintliche „Servicemitteilungen“ oder im Kleingedruckten auf den hintersten Seiten verbergen. Drei Energieversorger wurden von der VZ abgemahnt und aufgefordert, Preisänderungen künftig deutlich anzuzeigen: „Strogon“, „Fuxx – Die Sparenergie GmbH“ und „EVD (Energie Versorgung Deutschland)“. Die „klassischen“ Versorger wie Stadtwerke seien zwar in der Regel deutlich transparenter, dennoch hätten einige Stadtwerke Tochterfirmen gegründet, die eigene „Discount-Angebote“ machten und oft ähnlich unseriös aufträten wie Billiganbieter. Wer erkennbar abgezockt wird, der sollte den Vertrag zum nächstmöglichen Zeitpunkt kündigen, rät die Verbraucherzentrale.

Inkasso-Büros

Gegen Inkasso-Abzocke war die Verbraucherzentrale nach eigenen Angaben in einigen Fällen erfolgreich. Nach Beanstandung hätten der Onlineshop Zalando, das Telekommunikationsunternehmen 1&1 und der Energieversorger Vattenfall ihre Inkassodienstleister auf ein seriöses Forderungsmanagement verpflichtet, erklärte Schuldzinski. Zuvor hätten diese Unternehmen ihre Forderungen sowohl durch ein Inkasso-Büro als auch durch Rechtsanwälte angemahnt und Kunden mussten zweimal zahlen. Das sei unzulässig, betonte Schuldzinski. Zudem hätten sich viele Verbraucher über Kostentreibereien beschwert. Bei Forderungen von zehn bis zwanzig Euro wären in vielen Fällen standardisierte Gebühren von über 70 Euro verlangt worden.

Irreführende Werbung

Zahlreiche Beschwerden gab es den Angaben zufolge auch über den Kabelnetzbetreiber Unitymedia NRW. Vor allem ältere Kunden seien offenbar gezielt von Werbern falsch informiert worden. „Bei ihren Besuchen hatten sie an der Wohnungstür Ängste im Hinblick auf die Einstellung des analogen TV-Programms am 30. Juni 2017 geschürt“, berichtete Schuldzinski. Die verunsicherten Kunden hätten dann unüberlegt oft überflüssige und Verträge für Telefonie und Internet oder zusätzliche kostenpflichtige TV-Angebote abgeschlossen – mit hohen monatlichen Kosten. Dabei hätte ein neuer Receiver fürs digitale Fernsehen vollkommen ausgereicht.

Teure Apps

Kostenfallen fanden die Verbraucherschützer zudem bei vermeintlichen Gratis-Spiele-Apps für Smartphones und Tablets. Durch geschickte Programmierungen würden die Nutzer während des Spiels fortlaufend zum Zukauf zusätzlicher Elemente animiert, hieß es. Spielebeschleuniger oder weitere Komponenten tauchten dann plötzlich mit Kosten zwischen 99 Cent und bis zu 99 Euro auf der Telefonrechnung auf. Die Verbraucherzentrale NRW forderte daher, dass Anbieter von Onlinespielen Preislisten für alle Zusatzangebote offenlegen müssen.

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