Überwachung soll verbessert werden

Düsseldorf.  NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) ist im Fall der brutalen Bochumer Vergewaltigung durch einen aktenkundigen Sexualstraftäter, der unter Landesaufsicht stand, in die Offensive gegangen. „Gerade bei diesem Thema darf bei den Menschen nicht der Eindruck entstehen, die Polizei würde irgendetwas vertuschen“, sagte der Minister unserer Redaktion.

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NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) ist im Fall der brutalen Bochumer Vergewaltigung durch einen aktenkundigen Sexualstraftäter, der unter Landesaufsicht stand, in die Offensive gegangen. „Gerade bei diesem Thema darf bei den Menschen nicht der Eindruck entstehen, die Polizei würde irgendetwas vertuschen“, sagte der Minister unserer Redaktion.

Die Umstände des Verbrechens werfen viele Fragen auf: Am 18. Februar wurde eine 33-jährige Frau auf dem Heimweg von einer Disco-Nacht von einem 30-jährigen Mann brutal vergewaltigt. Der Tatverdächtige ist den Behörden bestens bekannt. Er war erst seit 2014 auf freiem Fuß und hatte eine Haftstrafe von vier Jahren und neun Monaten abgesessen. 2009 war ihm schon einmal eine Frau in einem Dortmunder Park zum Opfer gefallen.

Seit der Europäische Menschenrechtsgerichtshof die nachträgliche Sicherungsverwahrung gekippt hat, versucht das Land, die Gefahr solcher Triebtäter mit dem 2010 geschaffenen Betreuungsprogramm KURS einzudämmen. KURS steht für: Konzeption zum Umgang mit rückfallgefährdeten Sexualstraftätern.

Von rund 1000 Männern, die sich zurzeit in dem Programm befinden, fallen etwa 80 in die gefährlichste Kategorie A. Sie werden eng überwacht, was viel Personal bindet. Der Tatverdächtige von Bochum gehörte dagegen zu den etwa 500 Risikofällen der Kategorie B, denen immer noch ein „hohes Gefahrenpotenzial“ zugeschrieben wird. Man wähnte ihn auf einem guten Weg: Job, Therapien, feste Beziehung mit Heiratsplänen. Die Partnerin wusste von dem Vorleben ihres zukünftigen Mannes. Das führte offenbar zu Nachlässigkeiten, die das Bochumer Präsidium nun eingeräumt hat.

Reul hat Konsequenzen gezogen: Gefährderansprachen müssen künftig zwingend persönlich und bei den Betroffenen zu Hause durchgeführt werden. Die KURS-Koordinatoren der Kreispolizeibehörden sind heute ins Landeskriminalamt einbestellt.

Ob die Nachlässigkeiten in der Betreuung den Rückfall des Vergewaltigers begünstigt haben, ist unklar. Die Polizei-Experten gehen eher davon aus, dass das ungewöhnlich einsame Zusammentreffen mit dem Opfer nach einer durchfeierten Nacht am Rande eines Friedhofs die Gewaltexplosion ausgelöst haben könnte. Laut Landeskriminalamt gibt es bei den KURS-Teilnehmern eine Rückfallquote von drei Prozent, bei unbetreuten Sexualstraftätern hingegen liege sie bei 20 bis 24 Prozent.

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