Trauer um den Tengelmann-Patriarchen

Mülheim.   Erivan Haub machte sich regelmäßig einen Spaß daraus, unangemeldet und inkognito in den Filialen der Unternehmensgruppe Tengelmann aufzutauchen. Auch wenn der Konzern immer weiter wuchs, legte er Wert auf die Nähe zu seinen Mitarbeitern. Im Jahr 2000 verabschiedete sich der Patriarch in den Ruhestand. Am 6. März starb Erivan Haub nun im Alter von 85 Jahren auf seiner Ranch in Wyoming. In seiner Wahlheimat USA soll er auch bestattet werden. Als die Familie Haub im September 2017 in Mülheim den 150. Geburtstag der Handelsgruppe feierte, fehlte der Patriarch. Die Gesundheit ließ eine Reise ins Ruhrgebiet nicht zu. Dabei hat Haub das Unternehmen 31 Jahre lang als allein geschäftsführender Gesellschafter geprägt.

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Erivan Haub machte sich regelmäßig einen Spaß daraus, unangemeldet und inkognito in den Filialen der Unternehmensgruppe Tengelmann aufzutauchen. Auch wenn der Konzern immer weiter wuchs, legte er Wert auf die Nähe zu seinen Mitarbeitern. Im Jahr 2000 verabschiedete sich der Patriarch in den Ruhestand. Am 6. März starb Erivan Haub nun im Alter von 85 Jahren auf seiner Ranch in Wyoming. In seiner Wahlheimat USA soll er auch bestattet werden. Als die Familie Haub im September 2017 in Mülheim den 150. Geburtstag der Handelsgruppe feierte, fehlte der Patriarch. Die Gesundheit ließ eine Reise ins Ruhrgebiet nicht zu. Dabei hat Haub das Unternehmen 31 Jahre lang als allein geschäftsführender Gesellschafter geprägt.

Es war am 24. März 1969, als der Diplom-Volkswirt über Nacht die Nachfolge eines just gestorbenen Onkels antreten musste. 1867 als Kolonialwarenhandel gegründet, trieb Haub die Expansion der Firma voran. Schon zwei Jahre später der größte Coup: Tengelmann übernahm den Erzrivalen, die Viersener Kette Kaiser’s, und wurde zum größten Lebensmittelhändler Deutschlands. 1972 stieg Haub ins Discounter-Geschäft ein und brachte die Kette Plus an den Start. Er beteiligte sich am US-Supermarkt-Riesen A&P, übernahm die Mehrheit an der Baumarkt-Kette Obi und stieg 1990 mit Takko sogar ins Modegeschäft ein.

Schließung von Wissoll

Doch als der weltweite Boom im Zuge des Falls des eisernen Vorhangs zu Osteuropa und der deutschen Wiedervereinigung abebbte, wuchsen auch die Probleme in der Tengelmann-Gruppe. Der „Gemischtwarenladen“ galt als nicht mehr steuerbar. Als Erivan Haub die Geschäftsführung im Jahr 2000 an seine drei Söhne abgab, stand das Unternehmen wirtschaftlich am Abgrund. Es folgten schmerzliche Einschnitte wie die Schließung der Mülheimer Süßwarenfabrik Wissoll, der Verkauf von Plus und der Drogeriemarktkette kd. Mit der Abgabe der Kaiser’s Tengelmann-Supermärkte Ende 2016 verabschiedete sich die Firma ganz aus dem Lebensmittelgeschäft. Europa-Chef Karl-Erivan Haub setzt nun vor allem auf den Online-Boom, den Textildiscounter Kik, die Baumarktkette Obi und den Nonfood-Händler Tedi.

Erivan Haub beobachtete die Neuaufstellung des Unternehmens aus der Ferne. Die Bühne der Öffentlichkeit hat er nie gesucht. Ihn prägte, dass er in den 70er-Jahren als Terrorziel auf der Liste der Roten Armee Fraktion (RAF) stand.

So leise, wie er die Geschicke von Tengelmann gelenkt hatte, so leise verabschiedete sich der Unternehmer für immer. Wenige Tage, nachdem er mit seiner Frau Helga die Diamantene Hochzeit gefeiert hatte, starb Haub unerwartet. In einem seiner seltenen Interviews hat er gesagt: „Ich war immer glücklich.“

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