Heiße Sommer

Städte in Nordrhein-Westfalen heizen sich immer stärker auf

16.07.2018, Nordrhein-Westfalen, Köln: Ein Mann sitzt in der Sonne am Rheinboulevard. In weiten Teilen Deutschlands werden Temperaturen jenseits der 30 Grad erwartet. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

16.07.2018, Nordrhein-Westfalen, Köln: Ein Mann sitzt in der Sonne am Rheinboulevard. In weiten Teilen Deutschlands werden Temperaturen jenseits der 30 Grad erwartet. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Foto: Rolf Vennenbernd

An Rhein und Ruhr.   Große Teile der Bevölkerung an Rhein und Ruhr sind starker Belastung ausgesetzt. Experten raten zu Grün an Straßen und Gebäuden.

Das besondere Problem sind die Nächte. „Bei über 20 Grad findet man keinen erholsamen Schlaf“, sagt Wilhelm Deitermann vom Landesumweltamt (Lanuv). Während nachts im Sommer auf freiem Feld die Temperatur wieder sinkt, kühlen zugebaute Städte nicht aus. Frischluft kommt nicht durch, Autos, Gebäude und Industrie geben Wärme ab. Bis zu zehn Grad kann es dann in der Stadt wärmer sein als auf dem Feld.

Experten des Lanuv haben Wetterdaten gewälzt, in Beziehung gesetzt zu Geländebeschaffenheit und Siedlungsfläche und sind nun in der Lage, für einzelne Kommunen zu sagen, wie viele Menschen von Hitzebelastungen besonders betroffen sind. In der Landeshauptstadt Düsseldorf und im benachbarten Hilden ist der Anteil mit 70 % der Bevölkerung besonders hoch. Zum Vergleich: Im ländlichen Schermbeck am Niederrhein liegt er bei nur 13 %. Und in Rees sind es 22 %

„Hier wird der Klimawandel unmittelbar spürbar“, sagt Lanuv-Sprecher Deitermann. Seine Behörde rät zu Grün in der Stadt. Die Verdunstung von Wasser durch Pflanzen sei ein wirksamer Weg, Hitzebelastungen abzumildern.

Hilfreich seien auch helle Fassadenmaterialien beim Bau von Gebäuden sowie die Anlage von Schattenplätzen. Und, ganz wichtig: Luftschneisen nicht zubauen. „Die Luft muss sich austauschen können“, sagt Deitermann.

Glasfassaden sind wieder passé

Bei der Aufstellung des neuen Regionalplans Ruhr ist darauf geachtet worden. „Wir schützen 108 000 Hektar Freiflächen“, sagte Martin Tönnes, Planungschef beim Regionalverband Ruhr (RVR) im Gespräch mit der NRZ. Das Ruhrtal etwa sei wichtig für die Frischluftversorgung der Großstädte im westlichen Ruhrgebiet. Das habe man im Zuge der Aufstellung des Regionalplans genau untersuchen lassen, man habe sich an eine Studie des Landes drangehängt.

Tönnes: „Die regionalen Grünzüge sind nicht nur ökologisch, sondern auch klimaökologisch ganz wichtig.“ Der Regionalplan soll die planerischen Weichen für die nächsten 25 Jahre stellen und geht nach den Ferien ins Öffentlichkeitsverfahren.

Nach Einschätzung von Jan Schüsseler von der Architektenkammer NRW ist die Anpassung von Gebäuden an sommerliche Hitzeherausforderungen zunehmend ein Thema. „Die Begrünung von Dächern und Fassaden hat deutlich zugenommen.“ Von den Glasfassaden, die um die Jahrtausendwende angesagt waren und die von der Sonne schnell aufgeheizt werden, sei man wieder weg. Stattdessen werde massiv gebaut, nach dem „Prinzip Thermoskanne“: „Die hält ja nicht nur Warmes warm, sondern auch Kaltes kalt.“ Der Verwendung von hellem Fassenmaterial schreibt Schüsseler keine so große Wirkung zu.

>>>HINTERGRUND

Die Hitze macht insbesondere sensiblen Bevölkerungsgruppen zu schaffen wie Menschen mit Vorerkrankungen, einer geringeren Fitness, ältere oder krank en Menschen oder Kleinkindern. Mögliche Folgen sind z.B. Kreislaufprobleme, Herzrhythmusstörungen, Schlafstörungen, Kopfschmerzen oder Erschöpfung und damit eine geringere Leistungsfähigkeit in Schule und Beruf.

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