Volkshochschule

Zuschüsse steigen: Volkshochschulen erhalten mehr Geld

Alles ist möglich bei der Volkshochschule: Bei einem außergewöhnlichen Fotokurs in der VHS Hagen geht es um „Lightpainting“.

Alles ist möglich bei der Volkshochschule: Bei einem außergewöhnlichen Fotokurs in der VHS Hagen geht es um „Lightpainting“.

Foto: Michael Kleinrensing / WP Michael Kleinrensing

Hagen/Olpe.  Nach der Gründung vor 100 Jahren gilt die Volkshochschule noch immer als Angebot für alle. Nun soll sie auch finanziell mehr gefördert werden.

Das „Jodeldiplom“ leistet nach wie vor gute Dienste - und Rücken geht immer. Doch sind die Volkshochschulen im Zeitalter von Digitalisierung und Arbeitsverdichtung überhaupt noch zeitgemäß? Oder hat die Weiterbildung 100 Jahre nach ihrer Erfindung 1919 ausgedient? Eine Spurensuche zwischen ländlichem Raum und Großstadt.

„Wir können uns auf dem Land nicht über mangelnde Nachfrage beklagen, das ist in manchen Städten anders, da bricht uns was weg“, konstatiert Jochen Voß (65), der Leiter der Volkshochschule Kreis Olpe. Mit 135.000 Einwohnern weist der Kreis die niedrigste Bevölkerungszahl in NRW auf. 7000 Bürger nutzen zwischen Attendorn und Wenden die Angebote derzeit. „Wir legen in jedem Jahr zwischen acht und neun Prozent zu, aber gerade im Bereich der politischen Bildung hätte ich gerne noch mehr Leute“, sagt Jochen Voß. „Wir sind hier als VHS ein Schmelztiegel der gesellschaftlichen Gruppierungen und Meinungen. Wir sprechen alle Altersschichten an. Nur zwischen Mitte 30 bis Mitte 40 gibt es die Familien- und Hausbaudelle.“

Berufliche Weiterbildung

Rückenschule, Yoga und Sprachen bilden das Kerngeschäft in allen Volkshochschulen. Im Kreis Olpe mit seinen international operierenden mittelständischen Unternehmen hat dazu die berufliche Weiterbildung einen hohen Stellenwert: Telekommunikation, Schlagfertigkeitstraining, wie gehe ich mit schwierigen Kunden um?, wie schreibe ich Geschäftsbriefe in die USA?: Das alles kann man in der VHS lernen. Die Arbeitnehmerweiterbildung wird vom Bund gefördert, die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft ist eng. „Wenn die Unternehmen sagen, wir brauchen einen Excel-Kurs, machen wir das möglich.“

Gleichzeitig sind die Volkshochschulen Trendbarometer. Ob Pilates oder One-Pot-Cooking: Die große weite Welt wird vor Ort in Kursen beherrschbar. „Wir bieten Nähkurse für Jugendliche an. Die werden gut angenommen. Aber ansonsten wünsche ich mir, dass noch mehr Jüngere zu uns kommen. Wir haben Angebote für Schüler wie die Abiturvorbereitung, aber die hat die Zielgruppe nicht so auf dem Schirm“, bilanziert Bianca Sonnenberg, Leiterin der VHS Hagen.

900 Veranstaltungen pro Jahr

12.000 Teilnehmer melden sich in Hagen pro Studienjahr zu 900 Veranstaltungen an. Für eine VHS in einer sozial eher heterogenen Großstadt mit knapp 190.000 Einwohnern ist das Thema Kooperationen wichtig, zum Beispiel mit den Jobcentern. „Von dieser Vernetzung profitieren wir gegenseitig.“ Integrationskurse sind ebenso wie in Olpe zum bedeutenden Standbein geworden. Bianca Sonnenberg: „Im Vorwort des ersten Programms 1919 in Hagen steht: Die Hagener Volkshochschule ist für alle Volksteile ohne Unterschied von Stand, Geschlecht und Religion da. Diese Zielsetzung ist heute nicht viel anders.“

Die Volkshochschulen sind eine kommunale Pflichtaufgabe. Ein Drittel der Kosten kommen durch die Kursgebühren wieder herein, die beiden anderen Drittel teilen sich Land und Kommunen. Nachdem der Landesanteil 1999 um 15 Prozent gestrichen wurde, stockt Düsseldorf derzeit wieder auf. „Bis zum Ende der Legislaturperiode steigen die Zuschüsse um rund 25 Millionen Euro“, heißt es in einer Mitteilung der Kulturministeriums. Mit froher Erwartung blicken die Volkshochschulen vor allem auf die geplante Investitionspauschale für den digitalen Wandel. Deren Höhe steht allerdings noch nicht fest, so das Kulturministerium auf Rückfrage.

Digitalisierung wichtiges Thema

Das Geld wird willkommen sein, denn Digitalisierung ist auf mehreren Ebenen ein wichtiges Thema. Die VHS Kreis Olpe z. B. hat viele Kursräume bereits mit einem Smartboard ausgerüstet, die VHS Hagen noch keinen einzigen, „weil wir auch in Schulgebäuden unterrichten und das abstimmen müssen, damit die Dozenten sich nicht auf fünf verschiedene Systeme einstellen müssen“, sagt Bianca Sonnenberg. Aber seit dem 1. Juni verfügt die VHS Hagen immerhin über W-LAN.

Virtuelles Lernen gehört bereits zum Standard, sei es über die bundesweite VHS-Cloud mit ihrem Chat-Dienst oder mithilfe von You-Tube-Tutorials. Die Nachfrage ist einstweilen überschaubar: Jochen Voß: „Immer noch steht das soziale Lernen im Mittelpunkt. Die Menschen wollen sich treffen, wollen gemeinsam lernen, das ist der Markenkern.“

Weiterbildung im Zuge der Digitalisierung

Auf der anderen Seite ist die Weiterbildung im E-Bereich ein großes VHS-Thema, seit der erste Computer auf den Markt kam. Bianca Sonnenberg: „Wir haben 90-Jährige, die kommen, weil sie mit ihren Enkeln in Kanada kommunizieren wollen. Wir bieten auch Sprechstunden beim E-Doktor und Smartphone-Sprechstunden an, das ist wie Einzelunterricht, das hat sonst keiner.“

Der Bereich politische Bildung geht darüber in der Wahrnehmung etwas unter, dabei liegt dieser Auftrag den VHS-Leitern sehr am Herzen, wenn man ihn auch nicht unbedingt zwischen Ukulele für Anfänger und Motorsägen-Führerschein erwartet. „Die Gesellschaft 4.0 macht vielen Menschen Angst. Bildung ist das beste Mittel gegen Angst“, weiß Jochen Voß. „Gerade in Zeiten beschleunigter gesellschaftlicher Veränderungen haben wir Mitbürger, die sich abgehängt fühlen, das ist eine große Herausforderung.“

Daher lädt die VHS Kreis Olpe am 12. Dezember Bundestagspräsident a. D. Norbert Lammert zu einem Vortrag über Zivilcourage ein. Und die VHS Hagen bietet die Reihe „Gegen den Strom“ zu aktuellen Themen wie der Klimadebatte an. Bianca Sonnenberg: „Da haben wir tolle Diskussionen mit ganz vielen jungen Leuten.“

Informationen zu den im Text genannten Volkshochschulen gibt es hier: www.vhs-kreis-olpe.de und www.vhs-hagen.de

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben