Familie

Familienvater: Als Eltern haben wir eine Hassliebe zu Hagen

Zukunftsrauschen: Familien mit Kleinkindern in Hagen

Martina (35) und Christian Alker (37) über die Zukunft von Familien in ihrer Stadt Hagen.

Martina (35) und Christian Alker (37) über die Zukunft von Familien in ihrer Stadt Hagen.

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Selbecke.   Martina (35) und Christian Alker (37) über die Zukunft von Familien in ihrer Stadt Hagen. Es sollte mehr für Kleinkinder angeboten werden.

Die Zukunft sitzt mit am Tisch und kratzt mit zwei Buntstiften über ein leeres Blatt Papier. Moritz, der Sohn von Martina (35) und Christian Alker (37) ist drei Jahre alt. In was für einem Hagen wird er in 20 oder 30 Jahren ein junger Mann sein? Wie familienfreundlich wird diese Stadt zu ihm, vielleicht seiner Frau, vielleicht seinen Kindern sein? „Ich wünsche mir sehr, dass er hier bleibt. Dass das hier der Ort sein wird, an dem seine Familie leben soll“, sagt sein Vater Christian, schaut kurz nachdenklich auf den Tisch und schiebt hinterher: „Auch wenn wir als Eltern gerade eine Hassliebe zu Hagen empfinden.“

Nein, wie so viele Hagener Familien nagen die Alkers nicht am Hungertuch. Sie besitzen keine Reichtümer, fahren nicht fünfmal im Jahr in den Urlaub und führen kein Leben im Überdruss. Aber die Alkers haben, wie viele andere Familien in dieser Stadt, im Rahmen ihrer Möglichkeiten ein ordentliches Leben aufgebaut. Vater und Mutter arbeiten jeden Tag, beide im gleichen Unternehmen. Moritz geht in Eilpe in die Kita. Am frühen Nachmittag holt Mama ihn ab, am späten Nachmittag kommt Papa von der Arbeit dazu. Dazwischen Haushalt, einkaufen, das Leben organisieren. Familien sind kleine Betriebe, die in der heutigen Arbeitswelt und im heutigen Geflecht an Kosten und Verbindlichkeiten genau durchgeplant sind und teilweise auf die Minute funktionieren müssen.

Gebühren in Kombination zu hoch

„Wenn Sie uns nach der Zukunft fragen, dann würde ich mir wünschen, dass die Gebühren in Hagen in Kombination niedriger sind und viel mehr für Kinder zwischen einem und vier Jahren geboten würde“, sagt Christian Alker.

Klar, 400 Euro Kita-Beitrag seien für sich betrachtet vielleicht nicht überragend viel Geld, wenn man annehme, dass zwei Partner regelmäßig arbeiten gehen würden. „Aber das ist doch nicht alles in Hagen“, sagt Alker. Der Kostendruck sei an vielen Stellen hoch. Die Suche nach einer eigenen Wohnung, vielleicht einem eigenen Haus für die Familie ist vor allem davon überschattet, dass Hagen Häuslebesitzer viel stärker zur Kasse bittet als es in anderen Städten der Fall ist. Das ständige Bibbern um Betreuungsplätze und das geringe Angebot für kleine Kinder kämen dazu. „Was haben wir in Hagen denn für Kinder, die im Alter von Moritz sind? Vom Westfalenbad mal abgesehen“, sagt Martina Alker.

Aber unter die Frustration mischt sich auch Beständigkeit. Konstanz und Loyalität zur Heimatstadt. „Es ist wenig wertschätzend für Familien hier, aber Hagen hat uns noch nicht soweit, dass wir nach Breckerfeld ziehen oder sonst wohin. Wenn es um die Zukunft geht, dann geht es erstmal um uns, nicht um Hagen. Es geht um unser privates Glück, nicht um das Glück der Stadt. Und wenn ich an einem Ort glücklich sein kann, wenn meine Familie hier ihr Glück findet, dann darf das Geld keine Rolle spielen. Dann halten wir zum Standort.“

Die Zukunft in Hagen

Moritz malt unterdessen weiter auf seinem Blatt Papier. Was mag der Kleine mal werden? Ein Handwerker? Ein Kaufmann? Wird er studieren oder eine Ausbildung machen? „Das ist erstmal zweitrangig“, sagen die Alkers. Er solle in Hagen sein Glück machen können, ohne dass diese Stadt ihn hemme. Wenn er eine Idee habe, vielleicht ein kleines Unternehmen gründen wolle, dann solle dieser Traum nicht gleich daran zerplatzen, dass Hagen Gewerbesteuern in den Dimensionen großer Metropolen erhebe. Vielleicht sei dann ein Oberbürgermeister am Ruder, der oder die in Familienfreundlichkeit seine ganze Kraft lege.

„Das Wichtige ist doch eine Perspektive“, sagt Christian Alker, „man muss nicht von heute auf morgen alles zum Guten verändern. Aber es muss doch von jemandem der Weg und die Perspektive gezeigt werden, wann es endlich wieder anders sein wird.“

Die Podcasts zu den Porträts gibt es auf der Seite von Radio Hagen.

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