Öko? Logisch

E-Bikes liegen im Trend – aber wie grün ist das Elektrorad?

Pedelecs liegen im Trend. Und das ist unterm Strich ein Gewinn für die Umwelt.

Pedelecs liegen im Trend. Und das ist unterm Strich ein Gewinn für die Umwelt.

Foto: Anne-Sophie Galli

Hagen.   Pedelecs liegen voll im Trend. Weil dabei auch viele Autofahrten ersetzt werden, ist das ökologisch ein Gewinn. Aber es gibt Dinge zu beachten.

Es geht einfach immer weiter aufwärts. Pedelecs, Fahrräder mit elektrischem Zusatzantrieb, verkaufen sich wie einst Dopingmittel im Profi-Radsport. Waren es im vergangenen Jahr noch 720 000 mit erlaubten Mitteln, genauer: mit Motoren gedopte Räder, die an Mann und Frau gebracht wurden, erwartet der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) für dieses Jahr den Verkauf von 800 000 bis 900 000 Elektrorädern.

Bei Zweirad Neumann zum Beispiel, einem der größten Fahrradhändler des Sauerlandes mit zwei Filialen in Brilon und dem Internet-Ableger Liquid-Life, sind längst mehr als 50 Prozent der verkauften Räder elektrisch. „Tendenz: steigend“, sagt Geschäftsführer Dominic Neumann: „Alles wird elektrisiert.“ City- und Trekkingräder verkaufe er inzwischen fast ausschließlich mit Motor – „wir sind hier im Sauerland!“

Aber wie umweltfreundlich, wie nachhaltig sind Elektroräder tatsächlich?

Der Vergleich zum Fahrrad

Klar ist: Ein Rad ohne Elektromotor ist immer grüner als ein Rad mit. Bei der Herstellung kommen Motor und Akku im Vergleich zu einem herkömmlichen Rad dazu, es fällt beim Pedelec fast nichts weg, mit Ausnahme des Dynamos, den Elektroräder nicht mehr benötigen. Hingegen schlägt vor allem der Lithium-Ionen-Akku negativ in der Umwelt- und Klimabilanz zu Buche. Die Gewinnung von Lithium geht mit hohen Umweltbelastungen einher – ein Problem, das auch für Akkus von Smartphones oder Tablets und in noch viel größerem Maße für Elektroautos gilt.

Die Klimabilanz

Die groß angelegte und vom Bundesumweltministerium geförderte Studie Pedelection beziffert die Klimawirkung des Pedelecs auf 18 Gramm CO2-Äquivalent pro Personenkilometer, beim Fahrrad liegt sie bei 10 Gramm. Und zwar gemessen am gesamten Lebensweg von der Produktion bis zur Entsorgung des Rades.

Wie sind die Werte bei anderen Verkehrsmitteln?

Die Fahrt in einem E-Auto schlägt über dem gesamten Lebensweg mit etwa 152 Gramm CO2-Äquivalent zu Buche, Pkw mit Otto- oder Dieselmotoren liegen bei 170 resp. 156 Gramm, eine Busfahrt bei 86 und eine Fahrt im Regionalzug bei 76 Gramm. Da steht das Pedelec also glänzend da: Laut Umweltbundesamt sind die Emissionen aus Akkuproduktion und -Entsorgung für Pedelecs bereits bei 100 eingesparten Pkw-Kilometern wieder wett gemacht.

Welche Fahrten werden durch ein Pedelec ersetzt?

Die Studie Pedelection ergab, das 45 Prozent der Strecken, die jetzt mit einem Elektrorad zurückgelegt werden, vor dem Pedelec-Kauf mit einem Pkw gefahren worden wären, 32 Prozent mit einem nicht motorisierten Fahrrad. Die Verlagerung von Bussen und Bahnen auf Pedelec (6 Prozent) sind zu vernachlässigen. Ein klarer Öko-Punkt also für das Elektrorad. Allerdings ergab die Studie keinen Hinweis darauf, dass Pkw von den Pedelecfahrern komplett abgeschafft wurden. Zweiradhändler Dominic Neumann hat in dieser Hinsicht allerdings andere Erfahrungen gemacht. Kunden würden durchaus auch ein Auto abschaffen, wenn sie aufs Pedelec umsatteln, „gerade den Zweitwagen“. Ähnlich äußern sich auch andere Fahrradhändler.

Wichtig ist die Lebensdauer

Auf Herstellung und Entsorgung entfallen beim Pedelec 80 Prozent der Emissionen; die Fahrten selbst und der Verbrauch dabei fallen kaum ins Gewicht.Wichtig ist also vor allem die Lebensdauer eines Elektrorades. Die Pedelection-Studie geht dabei von sechs Jahren Lebensdauer aus - bei einer Fahrleistung zwischen 6000 und 21 000 Kilometern. Wichtig ist vor allem die Lebensdauer des Akkus. Weil der vergleichsweise teuer ist, nehmen Radfahrer dessen nachlassende Energie-Speicherfähigkeit oft zum Anlass, sich ein neues Rad zuzulegen.

Dominic Neumann allerdings geht von einer längeren Lebensdauer aus. 20 000 bis 30 000 Kilometer würde ein Akku schon halten, das wären 700 bis 1000 Vollladezyklen, rechnet der Zweiradhändler vor. Und die Kunden würden auch Akkus ersetzen. Die Lebensdauer des Akkus kann im Übrigen verlängert werden durch richtige Handhabung: Etwa der Verzicht auf Tiefentladung, aber auch auf dauerhafte Vollladung, den Schutz vor extremen Temperaturen etwa durch eine Schutzfolie im Winter. Im Übrigen muss ein Akku nach dem Elektro- und Elektronikgerätegesetz auch richtig entsorgt werden: bei einer kommunalen Sammelstelle (das ist kostenlos!) oder beim Fahrradhändler.

Weitere Verlagerungseffekte

Auch im Wirtschaftsverkehr gibt es ein großes Verlagerungspotenzial weg vom Auto hin zum Fahrrad. Etwa bei Lieferverkehr: Hier bieten sich E-Lastenräder als Alternative an, zumindest in den Innenstädten. So setzt der Spediteur Giebeler in Siegen bereits seit mehr als einem Jahr Lastenräder ein. Auch Dominic Neumann sagt, Transport-E-Bikes lägen im Trend, ob nun für die Kindermitnahme oder aber für den Wocheneinkauf.

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