Digitalpakt

Wie das Land die Lehrer mit seiner Schulpolitik frustriert

Tablet und Smartphone statt Tafel – das ist noch längst nicht in allen Schulen ein vertrautes Bild.

Tablet und Smartphone statt Tafel – das ist noch längst nicht in allen Schulen ein vertrautes Bild.

Foto: MATTHIAS GRABEN

Hagen.   Der Bund will die Digitalisierung der Schulen mit Milliarden vorantreiben. Dagegen sträubt sich NRW. Was Lehrer und Schüler davon halten.

Das Geld ist seit bald zwei Jahren versprochen. Ab 2019 sollten die Milliarden fließen. Doch nun haben mehrere Länder, auch NRW, angekündigt, einer notwendigen Grundgesetzänderung nicht zuzustimmen. Damit ist ungewiss, was aus dem Digitalpaket, also der besseren Ausstattung der Schulen mit Tablet und W-Lan wird. „Das ist sehr frustrierend“, sagt Mike Ochmann, Grundschullehrer und Vorsitzender der Lehrergewerkschaft VBE im Kreis Olpe.

Gerade hat er eine Umfrage unter 23 Grundschulen in seinem Kreis gestartet. Mit dem ersten Ergebnis: Die Ausstattung der Schulen sei recht unterschiedlich. Von gleichen Chancen für Schüler könne man kaum sprechen.

Lehrer und Administrator

Die Hälfte der Schulen, die bisher geantwortet haben, hätten kein W-Lan, so Ochmann. Die Rechner seien teils so alt, dass sie nicht genutzt werden könnten. Computerräume gebe es nicht überall, stattdessen einzelne Rechner im Klassenzimmer. Gepflegt würden die Geräte häufig von Lehrern.

An seiner eigenen Schule habe man kein W-Lan und kein Breitband. Zwei Whiteboards seien eingerichtet worden – aber mittlerweile nicht mehr an das Internet angeschlossen. „Es hapert vielerorts auch an der Wartung“, kritisiert er. Wobei die Ausstattung der Grundschulen vermutlich schlechter sei als die der weiterführenden. Aber in Zeiten, in denen die Kinder zu Hause mit Smartphones und Tablets früh in Kontakt kämen müsse man sie auch entsprechend darauf vorbereiten, fordert er.

W-Lan nur im Lehrerzimmer

„Wir sind die erste Generation, die ihr Leben lang von der Digitalisierung betroffen ist“, sagt Anton Eickel, Zwölftklässler aus Arnsberg und in den vergangenen Jahren auch in der Schülervertretung aktiv. „Aber in den Schulen merkt man davon bisher nichts.“ W-Lan gebe es an seiner Schule nur im Lehrerzimmer. Immerhin seien nun fast alle Räume mit Beamern und interaktiven Whiteboards ausgestattet. „Aber die sind nicht immer funktionstüchtig“, fügt er hinzu. Und wenn doch: Lehrer wüssten nicht alle Möglichkeiten der Technik zu nutzen. „Wir werden in den Schulen nicht auf die Welt 4.0 vorbereitet“, so Anton Eickel.

„Natürlich wäre es dringend nötigt, dass das Geld jetzt ankommt“, bestätigt Heinz Plugge, Schulleiter des Gymnasiums der Benediktiner in Meschede und zugleich Vorstandsmitglied der westfälisch-lippischen Direktorenvereinigung. Viele Schulen seien Anfang des Jahrtausends „verkabelt“ worden, kämen auf Übertragungsgeschwindigkeiten von 100 MBit pro Sekunde. Wenn nun der Breitbandausbau komme, müsse die Infrastruktur der Schulen verbessert werden. Zudem müssten sie mit W-Lan ausgestattet sein. Whiteboards und Beamer seien vor wenigen Jahren aktuell gewesen, heute rede man über „interaktive Displays“. Die Zyklen, in denen die Ausstattung von Schulen erneuert werden müsse, hätten sich verkürzt.

Neue Probleme

So hofft auch Heinz Plugge auf das Digitalpaket – selbst wenn es die Schulen vor neue Probleme stellt: Die Fragen, was mit der Wartung und Administration ist, beantworte das Programm nicht. Auch nicht das Problem, was in fünf bis sechs Jahren sei, wenn man neue Geräte brauche. „Man kann sich da einen schweren Klotz ans Bein binden.“

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