Konjunktur

SIHK-Konjunkturumfrage: Industrie fürchtet einen Abschwung

Die Industrie in Hagen, dem Märkischen Kreis und dem südlichen EN-Kreis fürchtet einen Abschwung.

Die Industrie in Hagen, dem Märkischen Kreis und dem südlichen EN-Kreis fürchtet einen Abschwung.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Hagen.  Nach einer langen Phase des Aufschwungs trübt sich die Konjunktur in und um Hagen deutlich ein. Das liegt vor allem an einem Wirtschaftszweig.

Die Gegenwart ist noch ganz okay, die Zukunft allerdings besorgniserregend. So stellt sich die Konjunktur in diesem Herbst überall in Deutschland dar. Im Bereich der SIHK, also in Hagen, dem Märkischen Kreis und dem südlichen EN-Kreis, erscheinen die Aussichten noch ein Stück düsterer, auch im Vergleich zu dem, was die IHK-Kollegen aus Siegen und Arnsberg in ihren Unternehmensumfragen herausgefunden haben.

„Wir haben uns gefragt, warum das so ist“, sagt SIHK-Präsident Ralf Stoffels bei der Präsentation der Ergebnisse am Mittwoch und gibt auch gleich die Antwort: „Weil bei uns im Märkischen Südwestfalen die Autozulieferer noch stärker vertreten sind.“ Und in der Automobilindustrie sind die Unsicherheiten besonders groß.

Internationale Handelskonflikte für Autoindustrie bedrohlich

Stoffels kann das in seinem eigenen Unternehmen, BIW Isolierstoffe in Schwelm, nachvollziehen: „Der Automobilbereich macht bei uns 40 Prozent aus. Und da haben wir einen Einbruch von 30 Prozent.“ Im Automobilsektor kommen eben mehrere Schwierigkeiten zusammen: Hat der Verbrennungsmotor noch eine Zukunft? Das fragten sich viele Mittelständler, so der IHK-Präsident, und zögerten mit Investitionen. Zudem seien vernetzte Prozessketten über die ganze Welt im Automobilsektor besonders ausgeprägt – und hier wirkten die internationalen Handelskonflikte besonders bedrohlich.

Was sind die größten Risiken für Ihr Unternehmen in den kommenden Monaten? Das ist eine Standardfrage jedes Frühjahr und jeden Herbst. Und da lag nun nicht, wie in den letzten Jahren immer, der Fachkräftemangel an erster Stelle, sondern die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Für 64 Prozent der 272 Unternehmen, die antworteten, ist das die größte Sorge.

Fast die Hälfte der Betriebe erwartet künftig schlechtere Geschäfte

Zu Jahresbeginn bewerteten 46 Prozent der Unternehmen die Geschäftslage als gut; jetzt sind es nur noch halb so viele. Für 53 Prozent ist sie befriedigend. Das heißt: Für drei Viertel der Betriebe läuft es noch ordentlich. 45 Prozent erwarteten dagegen schlechtere Geschäfte. Zu Jahresbeginn waren es erst 25 Prozent. „Das ist ein Alarmzeichen“, sagt Stoffels. SIHK-Hauptgeschäftsführer Ralf Geruschkat befürchtet, dass auch die Arbeitslosenzahlen wieder steigen. „Fast alle Unternehmer, die ich kenne, haben Einstellungsstopp“, berichtet Stoffels. Wer keine rosige Zukunft erwarte, leide dann logischerweise weniger unter Fachkräftemangel.

Allerdings gibt es große Unterschiede zwischen den Wirtschaftsbereichen: Die Baubranche ist zwar auch etwas von der Stimmung beeinflusst, kommt aber weiter mit der Arbeit kaum nach. Der Handel erlebt weiter ein gutes Konjunkturklima, der Dienstleistungssektor zeigt sich relativ stabil.

Vielleicht erleben wir also doch keine Krise, sondern nur eine Delle im zehnjährigen Aufschwung? „Das weiß man leider erst hinterher“, sagt Geruschkat. Stoffels warnt allerdings: „Die Rahmenbedingungen sprechen gegen eine schnelle Aufwärtsbewegung.“ Dennoch ist er überzeugt: „Wenn wir die Weichen richtig stellen, werden wir die Situation meistern.“

Industrie fordert 5G an jeder Milchkanne

Was er darunter versteht? Da sind die Standardforderungen – geringere Unternehmenssteuern, niedrigere Energiepreise, weniger Bürokratie – und regionale Spezialitäten: „Es gibt auf kommunaler Ebene zu viel Widerstand gegen neue Gewerbe- und Industriegebiete, und Südwestfalen ist Diaspora bei der Internetanbindung. Selbstverständlich brauchen wir 5G an jeder Milchkanne.“ In der Bundespolitik spiele der Mittelstand kaum eine Rolle, und auf EU-Ebene sei keine klare Wirtschaftspolitik erkennbar.

Stoffels Fazit: „Wir sägen am Ast unseres Wohlstands.“ Und dabei war von der US-Handelspolitik und vom Brexit noch gar keine Rede. Der Konjunkturkompass zeigt, dass sich das Märkische Südwestfalen an der Grenze zwischen Abschwung und Rezession befindet. Im Herbst 2012 war die Stimmung vergleichbar. Dann ging es wieder deutlich aufwärts. Vieles ist möglich.

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