3D-Technik

Stück Meschede steckt in jeder Playmobilfigur

Jonathan Korte scannt sein Gesicht in 3D.

Foto: Ralf Rottmann

Jonathan Korte scannt sein Gesicht in 3D. Foto: Ralf Rottmann

Meschede.   Antonius Köster tastet mit seinen 3D-Scannern Wertvolles wie Rubine und Kinderköpfe ab. Zu seinen Kunden gehören aber auch Playmobil und Schleich

Spektakuläre Dinge verbergen sich meist in unspektakulären Hinterhöfen. So auch die Firma Antonius Köster GmbH in Meschede. Nichts weist darauf hin, dass hinter den weiß getünchten Mauern die Welt vermessen wird. Antonius Köster (51), breite Schultern, breites Grinsen, blonde Haare, verdient sein Geld mit dreidimensionalen Daten. Also mit allem, was sich vermessen lässt. Also mit allem. Karottenpüree, Kunstschätze, Prothesen und Playmobil.

40 Kilogramm schwerer Rubin

Zunächst das Püree. Kösters Angestellte tüfteln gerade an 3D-Formen für püriertes Essen, um Möhrenbrei in Möhrenform zu bringen. Warum? „Weil es Menschen gibt, die nicht mehr kauen können, aber sehen möchten, dass sie eine Möhre essen“, sagt Antonius Köster. Smoothfood lautet der Fachbegriff. Auftraggeber ist ein Hersteller für Fertiggerichte.

Ein weiteres aktuelles Projekt ist die Kunstsammlung der Firma Bayer.

Kösters Angestellte tasten die Skulpturen mit Handscannern ab, um einen 3D-Datensatz zu erstellen. Köster: „Da es nicht nur nette Menschen auf der Welt gibt, sind die Besitzer sehr daran interessiert, ihre Kunstschätze zu archivieren.“ Dreidimensional. Anhand dieser Daten können, Duplikate aus Kunstharz erstellt werden. So geschehen mit der Bronzeskulptur Flora, die in einem Mülheimer Park oft beschädigt wurde. Zuletzt sägten ihr Metalldiebe einen Arm ab. Köster scannte aber auch einen 40 Kilogramm schweren Rubin. Kniffelig war eine sollbruchstellenähnliche Mineralader im Stein. „Mit diesen Daten ließ das Museum eine maßgenaue Transport-Verpackung herstellen.“

Antonius Köster absolvierte nach dem Abitur am Gymnasium der Benediktiner in Meschede eine Lehre als Gießereimodellbauer. Sägen, hobeln, fräsen. Köster: „Damals hatten wir schon drei CNC-Fräsen.“ Die erste Maschine mit digitaler Technik. Sein Meisterstück konstruierte er Anfang der 90er Jahre bereits mit einem CAD-Programm. Der Prozess vom Entwurf zum Endprodukt fasziniert den Sauerländer. Nur, dass die Skizzen heute eben Daten sind.

Helme für Frühchen

Die Idee, komplett auf die 3D-Technik zu setzen, kam Ende der 90er bei einem Messebesuch. Dort stellte eine US-Firma eine Software vor, mit der man dreidimensional modellieren konnte. Statt mit einer Maus arbeitet Köster mit einem stiftähnlichen Gerät. Der Prozess nennt sich haptisches Modellieren, weil 3D fühlbar wird.

„Das hier war meine erste gedruckte Zahnprothese“, sagt Köster und zeigt ein rosafarbenes Gebiss in dem perlweiße Zähne aus einer Keramik-Mischung stecken. Köster: „In zehn Jahren werden alle Implantate gedruckt.“ Berufe in der Zahntechnik sieht er nicht in Gefahr. „Alle, die auf ihr Know-how aufbauen, haben eine große Chance. Die Technik halten wir nicht auf.“

Die Medizinbranche gehört zu seinen größten Kunden. „Wir arbeiten zum Beispiel für eine Firma, die Helme für Frühchen produziert.“ Die zarten Köpfe werden mit einem 3D-Scanner abgetastet, um einen Schutz für die weiche Schädeldecke herzustellen. Früher wurden Gipsabdrücke gemacht. Die Zukunft sieht Köster in diesen individuellen Anpassungen – von der Brille über das Titanimplantat bis zum Fahrradsattel.

„Das Spannende an meinem Beruf ist, dass ich mit so vielen Fachleuten zusammenarbeite. Ich berate, schule sie in der Software oder wir entwerfen zusammen Lösungen.“ Das Geschäftsmodell ist erfolgreich: Derzeit arbeitet er mit acht Angestellten, die Firma hatte im vergangenen Jahr einen Umsatz fast zwei Millionen Euro. Trotzdem bleibt die sauerländische Bescheidenheit. Dass nämlich in jeder Playmobilfigur, in fast jedem Schleich-Tier und in vielen Ü-Eiern ein Stück Entwicklung aus Meschede steckt, würde Köster nie sagen. Wir schreiben es trotzdem auf.

  • 1 Gigabyte. Der erste Rechner von Antonius Köster hatte 1994 einen Speicher von einem Gigabyte. Der Rechner kostete 120 000 Mark.


  • 26 Terabyte. Im Jahr 2012 verfügte der Rechner bereits über 26 TB – 26 000 Gigabyte.


  • 40 Terabyte. Der heutige Rechner hat eine Leistung von 40 TB. Grenzen schafft die Internetverbindung im Sauerland: eine 60 000er Leitung.

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