Reise

Statt Strand: Ehepaar aus Hagen verbringt Urlaub im Garten

Ehepaar aus Hagen verbringt Urlaub zuhause

Ingrid und Ulrich Kiesling verbringen seit drei Jahren ihre Urlaube zuhause. Tagestouren in die Region ersetzen für Beide den Strandurlaub.

Ingrid und Ulrich Kiesling verbringen seit drei Jahren ihre Urlaube zuhause. Tagestouren in die Region ersetzen für Beide den Strandurlaub.

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Hagen.   Das Ehepaar Kiesling aus Hagen verbringt den Sommer zuhause – eine Seltenheit in Deutschland. Warum sie Tagesausflüge in die Region vorziehen

Überfüllte Strände, Kreuzfahrtschiffe dicht an dicht, Streiks an den Flughäfen – davon hören Ulrich und Ingrid Kiesling nur aus dem Radio. Aktuelle Nachrichten tickern aus dem Gerät, dudeln über ihre kleine Gartenterrasse im Hagener Norden. Die Sonne scheint und Ulrich lässt sich in den Gartenstuhl fallen. „Diesen Stress brauche ich nicht mehr“, sagt der 73-Jährige, gestreiftes Hemd, Sonnenbrille. Er und seine Frau verbringen die sonnigen Monate des Jahres zuhause. Dabei gehörten sie früher zu den typischen Strandurlaubern.

Sonnenbad am Mittelmeer

Bräune war immer ihr Souvenir. Was heute Ergebnis vom Sonnenbad auf der heimischen Terrasse ist, kam einst von den goldenen Stränden des Mittelmeeres. Bis vor drei Jahren steuerten Ulrich und Ingrid regelmäßig beliebte Urlaubsziele an, allein auf Kreta waren sie knapp zehn Mal. Es dauert nicht lange, da erzählen sie von liebenswürdigen Kellnern, gut gedeckten Esstischen und heimeliger Gastfreundschaft. „Wir waren morgens die ersten am Strand. Kein Tourist weit und breit“, erinnert sich Ulrich Kiesling zurück. „Diese Ruhe war einmalig.“

Eine mediterrane Ruhe, die die heimische Terrasse nicht bieten kann? „Doch, aber hier kann ich dazu nicht nach hübschen Frauen gucken“, grinst Ulrich und spürt dann schnell den Blick seiner Frau. „Das habe ich nicht gehört“, antwortet die 64-Jährige und lacht. An die Sprüche ihres Mannes, frech aber augenzwinkernd, ist sie nach 41 Ehejahren gewöhnt. Manches Mal würde Ingrid Kiesling gerne wieder weiter wegfahren. Aber: „Nach dem, was wir bei unserem letzten Urlaub erlebt haben, machen wir das nicht mehr.“

Die letzte große Reise, September 2015, ging an die Küste Portugals. Das Martyrium begann bei ihm mit Magenproblemen, führte weiter über Dauer-Regen vor Ort und endete damit, dass der Rückflug vier Stunden Verspätung hatte. „Zurück in Deutschland bekamen wir dann noch einen kaputten Koffer zurück“, erinnert sich Ulrich Kiesling zurück. Für ihn der Moment, sich von langen Flügen in die Sonne endgültig zu verabschieden.

Katzen und Cabrio gekauft

Das Ehepaar schaffte sich zwei Katzen und ein Cabrio an. Anfangs fuhren sie weite Touren, bis zum Gardasee und darüber hinaus. Mittlerweile liegen ihre Reiseziele aber eher zwischen Münsterland und Sauerland. „Du lernst überall nette Leute kennen und es gibt tolle Bauerncafés und Hofläden. Total urig, total schön“, meint Ingrid Kiesling. Die Tipps für ihre Ausflüge kommen von Freunden und aus Restaurantführern für die Region. Verzückt habe sie etwa der Möhnesee mit Restaurants wie „Fränkis Hütte“ und dem Torhaus.

Dieses Jahr ist das Paar aber nur wenig weggefahren, häufig bleiben sie zuhause. „Uns geht es hier doch ganz gut“, sagt Ulrich mit der Gelassenheit eines Mannes, der seit zehn Jahren den Ruhestand genießt. Damals hat der gelernte Maler die Terrasse ausgebaut und in eine private Oase verwandelt, mit Holzboden, Blumenbeet und Gartenzaun. Daneben plätschert ein kleiner Springbrunnen. Zuhause gebe es immer was zu tun, auch die beiden Katzen kriegen viel Aufmerksamkeit. „Jetzt ist meine Frau auch Rentnerin, da kommen wir gar nicht mehr weg“, fügt er noch hinzu und grinst. Ingrid arbeitete fast vierzig Jahre als Krankenschwester, die innere Uhr getaktet auf Schichtdienst. „Inzwischen kann ich mir so viel Zeit nehmen, wie ich will. Das ist einfach schön.“

Wenn schon kein Strandurlaub in der Ferne, hält sie Kurztrips über das Wochenende dann aber doch für möglich. „Wir müssten nur gucken, wo unsere Katzen bleiben.“

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