Vermisstensuche

So schnell und technisiert ist die Polizei bei Suchaktionen

Entlang der Ruhr in Meschede suchen Polizei und Feuerwehr am Mittwoch mit Taschenlampen ein vermisstes Kind.

Entlang der Ruhr in Meschede suchen Polizei und Feuerwehr am Mittwoch mit Taschenlampen ein vermisstes Kind.

Foto: Ilka Trudewind

Meschede.   Zwei Großeinsätze in Meschede verlangen den Einsatzkräften einiges ab. Die Gewerkschaft der Polizei beklagt den Digitalisierungsrückstand.

Ein Hubschrauber braust über die Ruhr bei Meschede. Scheinwerfer- und Taschenlampenlichter flackern hektisch über das Wasser. Nachdem am Mittwoch ein Kinderfahrrad und ein Fahrradhelm an der Ruhr bei Meschede gefunden wird, sind Polizei und Feuerwehr in heller Aufruhr. Sie fürchten, dass ein Kind in den Fluss geraten sein könnte. Erst viel später wird klar, dass der Junge wohlauf zu Hause ist, doch der Einsatz hat nichtsdestotrotz besondere Ausmaße. Wir zeigen, was Polizei und Feuerwehr alles aufbieten, wenn ein Kind vermisst wird.

Die Einsatzkräfte

Insgesamt 75 Menschen sind am Mittwoch auf der Suche nach einem Kind, das möglicherweise in die Ruhr gefallen sein könnte. 25 Polizisten, darunter auch Kriminalbeamte, klopfen an Haustüren, fragen Passanten nach Hinweisen und suchen nach Spuren in der Mescheder Innenstadt. Unterstützt werden sie von 40 Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Meschede. Die wiederum schaltet das Deutsche Rote Kreuz ein, das zehn sogenannte Personensucher losschickt. „Ein herrenloses Kinderfahrrad ist erstmal kein Grund für einen Großeinsatz der Polizei“, sagt Holger Glaremin von der Polizei Hochsauerlandkreis. „Aber der Fahrradhelm, der daneben lag, sowie das Hochwasser der Ruhr waren für die Kollegen dann die ausschlaggebenden Gründe, die Suchmaßnahmen zu erhöhen.“

Die Hummel

Unterstützt werden die Bodentruppen von einem Polizeihubschrauber. „Wir nennen ihn Hummel, das ist sein Rufzeichen“, sagt Glaremin. Die „Hummel“ schwärmt vom Dortmunder Flughafen aus und ist innerhalb weniger Minuten im HSK. Die Besatzung des Hubschraubers besteht aus zwei Piloten und einem Operator. Die Piloten steuern die „Hummel“ und bedienen den Flug- und Polizeifunk. Ausgerüstet mit einer Wärmebildkamera kann der Operator, der die Kamera bedient, Temperaturunterschiede von weniger als einem Grad Celsius erkennen. Dadurch kann die Hubschrauberbesatzung vermisste und hilflose Menschen auch in der Dunkelheit finden. In Nordrhein-Westfalen gibt es übrigens sechs „Hummeln“. Die Polizeihubschrauber haben in anderen Bundesländern andere Namen: In Thüringen fliegen „Habichte“ und in Baden-Württemberg kreisen „Bussarde“ durch die Lüfte.

Die Hündin

In Meschede ist am Mittwoch auch eine speziell ausgebildete Spürhündin im Einsatz, ein sogenannter „Mantrailer“ (Menschenverfolger).

„June“ heißt die bayerische Gebirgsschweißhündin, die entlang der Ruhr schnüffelt. Sie kann anhand kleinster Geruchsproben Menschen über mehrere Kilometer aufspüren.

Die Sozialen Medien

In der Nacht zu Donnerstag gibt es Entwarnung: Ein Nachbar des Kindes, das sein Fahrrad an der Ruhr abgestellt hatte, sieht den Facebook-Aufruf der Polizei HSK und benachrichtigt die Eltern des zehnjährigen Jungen. „Innerhalb von zwei Stunden hatte unser Post 55.000 Menschen erreicht. Und Meschede hat gerade mal 30.000 Einwohner“, hebt Holger Glaremin die Bedeutung der Sozialen Medien hervor.

Ist die Polizei also total digital? Noch lange nicht, kritisiert der stellvertretende Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Heiko Müller: „Bei einer Personensuche fragen Polizisten Passanten nach Hinweisen, gehen von Tür zu Tür. Noch müssen sie das mit ausgedruckten Bildern der vermissten Person machen, weil sie keine Smartphones und Laptops haben. Das ist einfach nicht mehr zeitgemäß.“ Im Frühjahr bekommt die Polizei immerhin die ersten Smartphones. „Allerdings nur eins pro Streifenwagen“, bemängelt Müller. „Das ist bei weitem nicht genug.“

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben