Kunst

Siegener Bacon-Porträt jetzt in London zu sehen

Das Gemälde "Porträt" (1962) des  Malers Francis Bacon  (Ausschnitt) ist ein Kernstück der neuen Ausstellung in der Tate Britain in London.

Foto: Museum für Gegenwartskunst Siegen

Das Gemälde "Porträt" (1962) des Malers Francis Bacon (Ausschnitt) ist ein Kernstück der neuen Ausstellung in der Tate Britain in London.

Siegen/London.   Die Tate zeigt Meisterwerke von Lucian Freud und Francis Bacon. Im Mittelpunkt steht ein Porträt aus dem Siegener Museum für Gegenwartskunst

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Siehe, der Mensch: Ungeschönt und versehrt zeigen ihn die britischen Maler der Nachkriegszeit. Während in Deutschland die Abstraktion Triumphe feiert, kleben die Künstler auf der Insel buchstäblich am rohen Fleisch, am Körper, an der Figur. Mit 100 Werken zeigt jetzt die renommierte Londoner Tate Britain die Ausstellung „All Too Human“, allzu menschlich, mit Werken von Francis Bacon, Lucian Freud und ihren Wegbegleitern.

Im Mittelpunkt der Schau steht das Portrait von 1962 aus der Sammlung Lambrecht-Schadeberg/Rubenspreisträger der Stadt Siegen im Siegener Museum für Gegenwartskunst.

Lange Vorlaufzeit

„Die Tate besitzt selbst viele Werke Bacons. Doch sie wollten gerne Bilder zeigen, die bislang wenig oder gar nicht in Großbritannien zu sehen waren, wie es bei unserem Bacon der Fall ist“, begründet Prof. Dr. Christian Spies, wie der Siegener Bacon in die Londoner Ausstellung kommt. Der Kunsthistoriker ist der Kurator der Sammlung Lambrecht-Schadeberg und seit dem Sommersemester 2017 Professor für „Kunst der Moderne und Gegenwart und Ästhetische Theorien“ an der Universität Köln. „So eine Ausstellung ist mit einer langen Vorlaufzeit verbunden. Die Tate hat sich vor zwei Jahren erstmals bei uns gemeldet und gefragt, ob sie das Bild bekommen könnten.“ Auch Lucian Freud, der zweite Malerfürst der Siegener Sammlung, ist ein zentraler Künstler der Londoner Ausstellung, die laut Tate Leuchtturm-Wirkung haben soll.

„Ich will, dass die Farbe so funktioniert wie das Fleisch“, hat Lucian Freud (1922 – 2011) einmal gesagt. Ihm geht es um die nackten Tatsachen des Lebens. Seine Modelle sind keine Figuren der aufkommenden Werbeindustrie, sie bedienen keine Vorstellungen der akademischen Kunstmalerei, sondern sie zeigen ungeschönt ihr Fleisch, ihre Falten und Wülste, und gewinnen dadurch bei aller Verletzlichkeit eine ganz spezifische Würde.

30 Jahre lang verschwunden

Komplizierter liegt der Fall bei Francis Bacon (1909 - 1992), dessen Männerakte von dunklen Begierden, von Schmerzen, von unerfüllten und übererfüllten Sehnsüchten, von Zerstörung und Verfall erzählen. Das Porträt von 1962 zeigt Bacons Liebhaber Peter Lacy und befand sich 30 Jahre lang in der Privatsammlung des italienischen Filmregisseurs Michelangelo Antonioni, unzugänglich für die Öffentlichkeit, danach in einer englischen Privatsammlung, bevor die Sammlerin und Stifterin Barbara Lambrecht-Schadeberg es für die Sammlung Lambrecht-Schadeberg ankaufen konnte. Mit sechs Arbeiten des 3. Rubenspreisträgers von 1967 verfügt das Museum für Gegenwartskunst in Siegen über eine der bedeutendsten Bacon-Sammlungen der Welt. 21 Arbeiten besitzen die Siegener von Lucian Freud, dem 9. Rubenspreisträger von 1997.

„Ich war dabei, als das Porträt in London eintraf, es muss ja protokolliert und geprüft werden“, schildert Christian Spies den Prozess des Leihgebens. „So eine Ausstellung wird man so schnell nicht wieder sehen.“ Auf der begleitenden Bildlegende werden alle internationalen Besucher informiert, dass das Gemälde aus Siegen stammt. „Unsere Bilder reisen ja immer wieder, zwei Polkes gehen auch noch nach London. Die Siegener Bilder sind international berühmt.“

Die Ausstellung ist bis zum 27. August in London zu sehen, anschließend geht sie nach Budapest.

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