Ruhr Forum Handwerk

Serap Güler: „Fachkräftezuwanderungsgesetz ist Symbolik“

Von links: Berthold Schröder, Präsident der Handwerkskammer (HWK) Dortmund, Kerstin Feix, HWK-Vize-Präsidentin, Serap Güler, NRW-Integrations-Staatssekretärin, Carsten Harder, HWK-Hauptgeschäftsführer und André Höler, Prokurist bei der Ritter Starkstromtechnik aus Dortmund, die gute Erfahrungen mit Geflüchteten in Ausbildung gemacht hat, beim 2. Ruhr Forum Handwerk, das am Donnerstagabend im HWK-Bildungszentrum Hansemann in Dortmund stattfand. Foto: Andreas Buck/HWK

Von links: Berthold Schröder, Präsident der Handwerkskammer (HWK) Dortmund, Kerstin Feix, HWK-Vize-Präsidentin, Serap Güler, NRW-Integrations-Staatssekretärin, Carsten Harder, HWK-Hauptgeschäftsführer und André Höler, Prokurist bei der Ritter Starkstromtechnik aus Dortmund, die gute Erfahrungen mit Geflüchteten in Ausbildung gemacht hat, beim 2. Ruhr Forum Handwerk, das am Donnerstagabend im HWK-Bildungszentrum Hansemann in Dortmund stattfand. Foto: Andreas Buck/HWK

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Dortmund.  Beim zweiten Ruhr Forum Handwerk warben Kammervertreter aus Düsseldorf, Dortmund und Münster für eine Gesamtstrategie bei der Integration.

Das Handwerk leistet als Arbeitgeber bei der Integration von Geflüchteten einen wesentlichen Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Knapp fünf Jahre nach dem bisherigen Höhepunkt der Zuwanderung aus Krisen- und Kriegsgebieten liegt aber immer noch vieles im Argen, stellten Experten aus Politik, Bildung und den Ruhr-Kammerbezirken beim zweiten Ruhr Forum Handwerk in Dortmund am Donnerstag Abend fest. Gefordert wird eine Gesamtstrategie.

Geduldeten Perspektiven bieten

Berthold Schröder, Präsident der Handwerkskammer Dortmund, sieht noch „eine ganze Reihe von Problemen bei der Integration durch Ausbildung“. Das größte ist nach wie vor das Sprachproblem. Das Erreichen des Sprachniveaus B1 (fortgeschrittenes Anfängerniveau), das über staatliche Integrationskurse erreicht wird, ist im Arbeitsalltag und in der Berufsschule häufig nicht ausreichend, um eine Ausbildung bis zu einer erfolgreichen Prüfung zu bestehen.

Aus Sicht des Handwerks ist hier Unterstützung beim Erwerb von Fachsprache zwingend erforderlich, außerdem „die Betreuung vor und während der Ausbildung durch Sozialpädagogen“, nennt Schröder ein weiteres Beispiel.

Verlässlichkeit und Rechtssicherheit, wie sie sich die Vertreter der am Ruhr Forum beteiligten Kammern aus Dortmund, Münster und Düsseldorf wünschen, hören sich technokratisch an, letztlich verbirgt sich dahinter aber die konkrete Forderung, tausenden potenziellen Fachkräften in der Region ohne gesicherten Aufenthaltsstatus eine berufliche Perspektive zu eröffnen, bevor über das im Sommer in Berlin beschlossene Fachkräftezuwanderungsgesetz aus dem Ausland junge Menschen angezogen werden, während Geduldeten hier immerwährend die Abschiebung in ihr Herkunftsland droht.

Ein Gedanke, den NRW-Integrationsstaatssekretärin Serap Güler (CDU) unterstützt: „Ein Land, das auf Fachkräfte angewiesen ist, darf es sich nicht leisten, jungen Menschen auf Jahrzehnte die Perspektiven zu verbauen“, warb sie beim Ruhr Forum für ein dauerhaftes Bleiberecht dieser allein in NRW 70.000 Menschen großen Gruppe. „Das Fachkräftezuwanderungsgesetz ist Symbolik. Wir brauchen ein Einwanderungsgesetz, das auch diejenigen berücksichtigt, die schon da sind und ihnen eine Perspektive gibt“, fordert die Staatssekretärin in Richtung Bundesinnenminister.

Frauen kaum im Blick

Beim Ruhr Forum stellte sich im Rahmen der von Westfalenpost-Chefredakteur Jost Lübben moderierten Expertenrunde heraus, dass eine Gruppe potenzieller Fachkräfte beim Thema Förderung beinahe vergessen wird: Zugewanderte Frauen. „Das ist so“, räumt Güler als Vertreterin der Landesregierung ein: „Diesen Punkt haben wir als Integrationsministerium auch nicht stark genug im Blick!“

Einen noch weiteren Blick regte Frank Bruxmeier, Geschäftsführer des Bildungszentrums Handwerk der Kreishandwerkerschaft Duisburg, an. Die Förderprogramme für Geflüchtete sollten für Zuwanderer geöffnet werden, aber auch für bildungsschwache Deutsche, um viele Menschen zu erreichen. Ein Ansatz, der dem gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt kaum schaden dürfte und beim Thema Fachkräftesicherung auch helfen würde.

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