Selbsttest

Schwebezelt: Wie es ist, im Wildwald Vosswinkel zu schlafen

Eine Nacht im Schwebezelt: Im Wildwald Vosswinkel gibt es außergewöhnliche Schlafplätze.

Eine Nacht im Schwebezelt: Im Wildwald Vosswinkel gibt es außergewöhnliche Schlafplätze.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Arnsberg.  Übernachten einmal anders: Im Wildwald Vosswinkel geht das unter anderem in einem alten Bauwagen oder in einem Baumzelt. Ein Selbsttest.

Ein Zelt mitten im Wald. Aufgehängt an drei hohen Bäumen, gut eineinhalb Meter über dem Boden. Es ist eines von drei Schwebezelten im Wildwald Vosswinkel. Zelte, die einen ungewöhnlichen Schlafplatz bieten. Es ist 23 Uhr. Die Grillen zirpen und ein Rascheln nähert sich dem Zelt. Ist es ein Fuchs, ein Hirsch, ein Wildschwein? Durch die Dunkelheit ist nichts zu erkennen. Ein Blick auf das Smartphone – keinen Empfang. Übernachten schwebend im Zelt: Romantik-Kulisse mitten im Wald oder doch ein Abenteuer mit Gruselfaktor? Ein Selbsttest.

Außergewöhnliche Übernachtungsangebote liegen derzeit im Trend – das bestätigt der Deutsche Tourismusverband: „Die Zahl individueller und außergewöhnlicher Unterkünfte, die auf verschiedene Bedürfnisse zugeschnitten sind, steigt.“ Genaue Buchungszahlen gebe es jedoch nicht. Im Wildwald Vosswinkel bei Arnsberg gibt es von alten Bauwagen über Waldhütten bis hin zu Baumzelten einige Angebote. Schlafen ohne festen Boden unter den Füßen – das ist der Traum des blonden Mädchens, den es sich bereits erfüllt hat. Sie kommt aus der Gegend, aus dem Arnsberger Ortsteil Neheim, um in einem der speziellen Zelte mit ihrem Vater zu übernachten. „Ich habe sogar einen Uhu gehört“, sagt sie aufgeregt. Angst habe sie nicht gehabt. „Das war richtig toll, wenn es geraschelt hat.“

Suche nach dem Zelt

Mit einer Wegbeschreibung mache ich mich auf den Weg. Vorbei an kleinen Teichen folge ich zunächst den dunkelroten Pfeilen immer weiter in den Wald hinein. Sackgasse. Ich habe mich verlaufen. Also wieder zurück zum Eingang und noch einmal konzentrieren. Ausgeschildert sind die Schlafplätze nicht. „Wir wollen unseren Gästen ihre Privatsphäre lassen. Daher liegen die Schlafplätze versteckt“, sagt Iris Hermanski vom Wildwald Vosswinkel.

Nach ein paar Metern treffe ich an einer Holzhütte auf ein älteres Ehepaar aus Sundern. Gemeinsam mit ihrem Enkel sitzen sie an einem großen Tisch und essen zu Abend. „Eigentlich wollte unser Enkel in ein Baumhaus. Doch das war leider belegt. Deshalb sind wir hier“, sagt der Mann und zeigt auf den grünen Bauwagen, der nur wenige Meter entfernt steht – dem Schäfchenwagen.

Weiter geht’s auf der Suche nach meinem Zelt in der Luft. Ich biege in einen kleinen Waldweg ab, überquere eine kleine Holzbrücke und bahne mir den Weg durch etliche Sträucher. Und dann: Oben, auf einem kleinen Hügel, hängt das Zelt. Mit wenigen Griffen entferne ich den dunkelgrünen Regenschutz. Die Schuhe und den Rucksack packe ich in eine gelbe Holzkiste, die neben einem der Bäume steht. So könne keines der Tiere nachts mit den Sachen „abgehen“, wie mir vorher erklärt wurde. „Der Natur ganz nah sein – das sei es, was die Besucher hier besonders schätzen“, sagt Iris Hermanski über den Grund, warum Gäste nicht nur aus der Region, sondern auch aus dem Ruhrgebiet kommen.

Schlafposition finden

Übernachtem in einem Baumzelt

Ohne Handy-Empfang, aber dafür mit einem Schlafsack mache ich es mir im Schwebezelt bequem. Bei jeder Bewegung wippe ich wie auf einem Trampolin auf und ab. Von weitem höre ich, wie eine Gruppe Jugendlicher durch den Wald läuft. Lachen, der Sound von Dosen und ein Rascheln, das an Plastiktüten erinnert. Schnell mache ich mein Handy aus. Ich möchte nicht, dass mich jemand hier liegen sieht. Nach wenigen Minuten ist es wieder ruhig – lediglich die Grillen zirpen. Es wird langsam kalt und ich ziehe meinen Schlafsack weiter zu. Immer wieder wache ich auf, schaue mich um und suche eine geeignete Schlafposition. Mein etwas mulmiges Gefühl lässt allmählich nach.

Der Natur so nahe

Als ich wieder aufwache, ist es hell. Die Vögel zwitschern und weit und breit ist keine Spinne zu sehen – mein Glück. Geschlafen habe ich erstaunlich gut. Keine Anzeichen von Nacken- oder Rückenschmerzen. Ich schaue auf mein Handy: Es ist bereits kurz nach acht Uhr. Zeit, sich auf den Weg zum Eingangsbereich zu machen. Dort bekomme ich einen großen Frühstückskorb, gefüllt mit Brötchen, Käse, Marmelade und vieles mehr – abgepackt in Gläsern und Tupperdosen. Nachhaltigkeit wird im Wildwald groß geschrieben. Ich treffe erneut auf den älteren Mann und seinen Enkel aus Sundern. Erholt sehen die beiden aus. „Wir kommen wieder“, sagen sie mit einem Lächeln auf den Lippen.

Die meisten Übernachtungsgäste bleiben für eine Nacht. „Einige buchen vielleicht auch zwei Nächte. Dann aber möchten auch sie nach Hause und duschen“, berichtet die Empfangsdame, während sie bereits die ersten Tagesgäste begrüßt. Duschen gibt es im Wildwald nicht.

Auch ich freue mich auf eine Dusche nach einer aufregenden Nacht. Zurück in der Stadt überkommt mich ein Gefühl: Stolz. Noch nie war ich der Natur und Tieren so nah, wie in dieser Nacht.

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