Bob

Leonie Fiebig: Eine „Schnapsidee“ wird zur Erfolgsgeschichte

Freuen sich auf den Heim-Weltcup: Anna Köhler (li.) und Leonie Fiebig.

Freuen sich auf den Heim-Weltcup: Anna Köhler (li.) und Leonie Fiebig.

Foto: Falk Blesken

Winterberg.   Im Bob von Anna Köhler feiert Anschieberin Leonie Fiebig ihre Premiere im Weltcup. Wie sich eine „Schnapsidee“ zur Erfolgsgeschichte entwickelt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Leonie Fiebig lässt ihren Blick langsam über die Bobbahn schweifen, die sich vor ihr leicht verschneit den Berg herunter schlängelt. Als können sie es noch gar nicht fassen, in diesem Augenblick in der Veltins-EisArena zu stehen und mitten in den Vorbereitungen auf das Weltcuprennen der Damen im Zweierbob am Samstagvormittag zu stecken.

„Das ist schon cool“, sagt Fiebig, die sich für das Gespräch einige Minuten aus der Bob-Garage stiehlt, und grinst fröhlich. Denn ausgerechnet auf ihrer Heimbahn im Hochsauerland feiert die 28-jährige Anschieberin des BSC Winterberg mit Pilotin und Vereinskollegin Anna Köhler ihre Weltcup-Premiere. „Dabei war das eigentlich nur eine Schnapsidee“, sagt Fiebig. Und lacht.

Herzenskölnerin

Es war nichts Hochprozentiges im Spiel, damals am Königssee, wo sie als Studentin der Deutschen Sporthochschule in Köln ein wissenschaftliches Projekt mit Bobfahrern begleitete. Sie war nur ein wenig, na ja, vorlaut. „Ich habe denen lediglich gesagt, dass ich von der Statur her wahrscheinlich auch zur Bobfahrerin taugen würde“, erklärt sie, „zwölf Stunden später saß ich in einem Bob.“

Bevor ihr Studium richtig Fahrt aufnahm, war Fiebig, wie viele der Anschieberinnen-Zunft, eine starke Leichtathletin. „Aber irgendwann musste ich mich entscheiden und habe die Priorität auf die akademische Karriere gelegt“, erzählt die 1,80 Meter große „Herzenskölnerin“, die seit über 20 Jahren in der Domstadt lebt, aber aus dem ostwestfälischen Minden stammt. Erst die „Schnapsidee“ weichte die Prioritäten wieder auf.

Seitdem fährt Leonie Fiebig zweigleisig. Dass sie nicht wie geplant vor dieser Saison einen Haken hinter ihre Magisterarbeit setzen konnte – geschenkt. „Das bekomme ich noch hin“, sagt sie. Stattdessen startete sie als Anschieberin durch, nachdem ihre erste Saison im vergangenen Winter auf Grund einer Verletzung „nach einem Achtel, also zwei Rennen“ schnell beendet war.

Zum ersten Mal ließ sie beim Leistungstest im Sommer aufhorchen, als sie hinter Deutschlands Start-Rakete Annika Drazek den zweiten Platz belegte. „Leonie ist von Natur aus etwas stabiler gebaut und deshalb prädestiniert für unsere Sportart“, sagt Chef-Bundestrainer René Spies über die Newcomerin des BSC.

Die brennt darauf, sich im Weltcup beweisen zu dürfen und wechselte daher aus dem Team der nicht für die Serie qualifizierten Christin Senkel in das von Anna Köhler, nachdem der verletzungsbedingte Ausfall von deren Top-Anschieberin Erline Nolte für die komplette Saison feststand. Das Trio komplettiert Lisa Sophie Gericke als weitere Anschieberin.

Kopf spielte Ping-Pong

Im lettischen Sigulda raste die BSC-Pilotin mit Gericke zum Saisonauftakt auf Rang drei. In Winterberg, beim Heim-Weltcup, erhält Fiebig ihre Chance. „Die Probleme, die ich nach Sigulda hatte, sind auch überstanden“, sagt Köhler zudem. In Kurve 16 habe ihr Kopf „Ping-Pong gespielt. Vielleicht hatte ich eine leichte Gehirnerschütterung, aber es geht wieder“. Für sie nimmt an der Kappe die zweite Saison im Weltcup Fahrt auf. Mit einem Blick über die Bobbahn hält sich die Olympiastarterin nicht mehr auf. „Ich muss Kufen schleifen“, sagt sie – und verschwindet in der Bob-Garage.

Jacqueline Lölling: Schade, dass es schon vorbei ist
Jacqueline Lölling: Schade, dass es schon vorbei ist
Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben