Biathlon

Karolin Horchler greift noch mal richtig an

Die Kristallkugel in den Händen, die Urkunde auf dem Schoß: Der Gesamtsieg im IBU-Cup sorgt im Frühjahr 2018 bei Karolin Horchler für ein Strahlen. Jetzt geht es um die ungleich bedeutendere Weltcup-Wertung – und Rentiere dürften spätestens bei den Rennen in Skandinavien auch wieder mit von der Partie sein.

Die Kristallkugel in den Händen, die Urkunde auf dem Schoß: Der Gesamtsieg im IBU-Cup sorgt im Frühjahr 2018 bei Karolin Horchler für ein Strahlen. Jetzt geht es um die ungleich bedeutendere Weltcup-Wertung – und Rentiere dürften spätestens bei den Rennen in Skandinavien auch wieder mit von der Partie sein.

Pokljuka/Hagen.   Vielversprechende Form und Weltcup-Ticket: Biathlon-Karriere der Ottlarerin Karolin Horchler nimmt Fahrt auf. Und der Schutzengel ist auch dabei.

Knapp eineinhalb Jahre ist dieser Moment bereits her, dieser Moment, in dem ihr Schutzengel Schwerstarbeit verrichten musste. Vielleicht waren es auch mehrere – es müssen mehrere gewesen sein. Denn neben einer gebrochenen Schulter beklagte Karolin Horchler im Sommer 2017 keine lebensbedrohliche Verletzung, nachdem ein großer Lkw die auf Skirollern trainierende Biathletin angefahren hatte.

Knapp eineinhalb Jahre liegt dieser schicksalsträchtige Augenblick zurück. Und doch rückt er vor dem Weltcup-Auftakt der Damen an diesem Donnerstag mit einem Einzelrennen über 15 Kilometer auf der Pokljuka in Slowenien für kurze Zeit wieder in den Blickwinkel. Dass Karolin Horchler, die aus Ottlar stammende 29-Jährige, die für den WSV Clausthal-Zellerfeld startet, als eine der besten Biathletinnen des Deutschen Skiverbandes (DSV) in die Saison geht, liegt nicht nur, aber auch in dem Zusammenstoß begründet.

Bestes Ergebnis ihrer Karriere

„Der Unfall, so schlimm er war, hat mir auf jeden Fall viel Positives gebracht“, sagt Horchler. Sie gehe zum Beispiel bewusster mit vielen Dingen des Lebens um. Etwas aber dürfte ebenso gravierend sein: Obwohl sie nach der auf Grund der Verletzung an der Schulter problematischen Vorbereitung im Sommer ohne immens hohe Erwartungen in die Saison gegangen war, gewann sie die Gesamtwertung des zweitklassigen IBU-Cups und erreichte beim Weltcupfinale im russischen Tymen mit Platz fünf in der Verfolgung sogar ihr bestes Ergebnis in der ersten Biathlon-Liga. Die zusätzliche Portion Selbstvertrauen, für welche dieser Saisonverlauf sorgte, war ungeheuer groß.

Weil der diesjährige im Vergleich zum vorherigen Sommer ganz ohne Komplikationen verlief, geht die Sauerländerin selbstbewusst wie nie zuvor in die Saison. „So stark wie jetzt war ich in meiner bisherigen Karriere noch nicht“, sagt sie.

Das stellte die Sportsoldatin zum einen bei der Deutschen Meisterschaft im Herbst unter Beweis, bei der sie drei Goldmedaillen und eine silberne gewann. Den Sprint in den Testrennen während des Lehrgangs in Sjusjoen/Norwegen beendete Horchler auf Rang drei. „Ich bin ganz gut drauf“, sagt sie kurz vor dem Weltcup-Auftakt und ihrer persönlichen Wettkampf-Premiere auf der Pokljuka. „Die Strecke hier ist recht anspruchsvoll, aber sie gefällt mir gut.“

Bis Weihnachten gilt die Zusammensetzung des deutschen Weltcup-Teams vorerst. Karolin Horchler ist aber gekommen, um zu bleiben. Im Gegensatz zu vergangenen Saisons, in denen sie permanent zwischen den Serien hin und her hüpfte. „Ich möchte eine gute und konstante Saison im Weltcup abliefern“, erklärt sie und ergänzt: „Ich möchte nicht mehr hin und her springen.“

Dass sie selbstbewusst wie nie zuvor in den Winter geht, und sich den Start bei der WM im März als Ziel gesetzt hat, daran hat auch der neue Damen-Bundestrainer Kristian Mehringer einen großen Anteil. „Inhaltlich sind wir mit Kristian Mehringer, der mich ja schon länger am Stützpunkt in Ruhpolding betreut, und Florian Steirer einen etwas anderen Weg gegangen“, sagt Horchler, die seit einigen Jahren in Ruhpolding trainiert und lebt. „Sie bringen aber auch so neuen Schwung in die Mannschaft“, ergänzt sie.

Alle sind für Top-Platzierungen gut

Dieser soll sich auch ohne Biathlon-Star Laura Dahlmeier in guten Platzierungen auf der Pokljuka für die deutschen Damen widerspiegeln. „Dass Laura nicht dabei ist, ist erstmal blöd“, sagt Karolin Horchler. „Aber wir sind alle gut drauf und es stand in der vergangenen Saison ja nicht nur Laura auf dem Podest.“ Denise Herrmann, Franziska Hildebrand, Franziska Preuß und Vanessa Hinz sind Top-Platzierungen zuzutrauen.

Oder eben ihr, Karolin Horchler aus Ottlar. Und nicht nur die Fans würden jubeln, sondern auch ihre Schutzengel.

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