Rennrodeln

Jetzt ist Natalie Geisenberger die Königin von Winterberg

Jubel, Freude, Erleichterung pur: Natalie Geisenberger im Ziel. Sie gewinnt in Winterberg WM-Gold.

Jubel, Freude, Erleichterung pur: Natalie Geisenberger im Ziel. Sie gewinnt in Winterberg WM-Gold.

Foto: Ralf Rottmann

Winterberg.   Diese Bahn, in der Jugend war sie ihr verhasst. Doch nun gewann Natalie Geisenberger in Winterberg WM-Gold. Selbst ein Malheur machte ihr nichts.

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Natalie Geisenberger entglitten für einen Moment die Gesichtszüge. Königin von Winterberg? „So habe ich mich nie genannt“, sagte die 30-jährige Rennrodlerin im Vorfeld der Weltmeisterschaften – und musste vermutlich an ihre Jugend denken, in der sie im Eiskanal im Hochsauerland einige schmerzhafte Stürze erlebte. Doch das ist – lange vorbei. Und spätestens seit dem Rennen der Damen bei der WM in der Veltins-EisArena darf Geisenberger zurecht als Königin von Winterberg bezeichnet werden.

Nach dem Titelgewinn im weniger bedeutenden Sprint am Tag zuvor triumphierte die Miesbacherin im klassischen Rennen mit zwei Läufen und holte sich souverän die Goldmedaille vor der jungen deutschen Senkrechtstarterin Julia Taubitz auf Platz zwei und der drittplatzierten US-Amerikanerin Emily Sweeney. Über vier Zehntelsekunden betrug der Vorsprung der jetzt vierfachen Weltmeisterin Geisenberger auf Taubitz.

Geisenberger bricht den Start ab

„Das ist mega. Ich hatte mir im Vorfeld schon ein bisschen erwartet und wollte natürlich ein Wörtchen mitreden um Gold“, sagte Geisenberger nach ihrem Sieg im Winterberger Nieselregen. Es wurde ein gewaltiges Wörtchen – und daran änderte selbst ein technisches Problem vor dem Start in ihren ersten Lauf nichts. Die Olympiasiegerin von 2018 und 2014 saß auf ihrem Schlitten, wollte sich gerade in die Bahn katapultieren, als sie den Start abbrach.

„Ich bin dann aufgestanden, weil das Visier vom Regen nass war“, sagte sie zu ihrer Rückkehr in die Umkleidekabine und zum Handtucheinsatz dort. „So etwas passiert, aber ich glaube, dass es gut war, dass es einer erfahrenen Athletin wie mir passiert ist und nicht einer jüngeren.“ Denn „Geisi“, wie die unzähligen aus Bayern angereisten Fans sie immer wieder anfeuerten und feierten, ließ sich durch das Malheuer einer kurzfristig nicht funktionierenden Lichtschranke zur Zeitmessung nicht aus der Ruhe bringen.

„Ich hatte die Griffe noch in der Hand und die Zeit lief schon“, beschrieb sie die Situation, in der sie sich zum Startabbruch entschied und ergänzte dann doch: „Eigentlich bin ich doch etwas überrascht, dass es für mich trotzdem so gut funktioniert hat.“

U23-Gold für Taubitz

Zu keiner Zeit ließ die Weltcup-Führende ernsthafte Zweifel an ihrem Titelgewinn aufkommen – obwohl die erst 22-jährige Julia Taubitz sie mächtig unter Druck gesetzt hatte.

Taubitz ist als Zweite im Gesamtweltcup erste Verfolgerin Geisenbergers und stand auch nach dem Sprintrennen als Silbermedaillengewinnerin neben ihr. „Julia geht es so, wie es mir damals gegangen ist, als ich zum Beispiel Silke Kraushaar oder Tatjana (Hüfner, Anm.d.Red.) vor mir gesehen habe und unbedingt zu ihnen aufschließen wollte“, sagte Geisenberger über die junge Konkurrentin aus dem eigenen Lager, die bei der WM die U23-Wertung gewann.

Und sie ergänzte: „Julia ist bereits in der Lage zu gewinnen. Was mich aber am meisten beeindruckt: Sie macht keine Fehler in den Wettkämpfen. Sie ist unser Diamant, den werden wir noch etwas schleifen und dann noch lange viel Spaß an und mit ihr haben.“

Taubitz bleibt bescheiden

Die so Gelobte übte sich nach WM-Silber aber in aller Bescheidenheit und wollte gar nichts davon wissen, dass sie Geisenberger eventuell den Gesamtweltcup-Sieg noch abjagen könnte. „Ich würde gerne den zweiten Platz behalten“, begann sie ihre Antwort, um zu ergänzen: „Na klar, wenn sie zu schlagen wäre, würde ich sie schlagen wollen, aber die Natalie ist so eine Top-Sportlerin, so erfahren und hat schon so viel erreicht – über den Gesamtweltcup-Sieg will ich nicht reden.“

Nächstes Ziel: Gold in der Teamstaffel

Vier Rennen stehen in dieser Wertung noch aus. Aber das nächste führt Geisenberger wieder auf die Bahn in Winterberg. Zum Abschluss der WM soll es in der Teamstaffel am Sonntag (ab 15.50 Uhr) die nächste Goldmedaille für sie geben. Ihre dritte in Winterberg, „wo ich, glaube ich, insgesamt nie schlechter war als Zweite“, sagte mit Blick auf ihre Weltcup-Starts im Hochsauerland wer? Die Königin von Winterberg.

>>>>DIE ERGEBNISSE

Damen, Einzel: Gold: Nathalie Geisenberger (Miesbach) 1:53:868 Minuten, Silber: Julia Taubitz (Oberwiesenthal) 0,425 Sekunden zurück, Bronze: Emily Sweeney (USA) 0,513, 4. Tatjana Iwanowa (Russland) 0,556, 5. Summer Britcher (USA) 0,569, 6. Ulla Zirne (Lettland) 0,765, 7. Andrea Voetter (Italien) 0,784, 8. Jekaterina Baturina (Russland) 0,794, 9. Sandra Robatscher (Italien) 0,805, 10. Tatjana Hüfner (Blankenburg) 0,908, ...12. Dajana Eitberger (Ilmenau) 0,987.

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