Silvesterlauf

Auch die Sieger sind begeistert

Amanal Petros (li.) präsentiert gleich drei Trophäen: Siegerkranz, Silberteller und Pokal. Die Siegerin Fabienne Amrhein mit strahlendem Lächeln.

Amanal Petros (li.) präsentiert gleich drei Trophäen: Siegerkranz, Silberteller und Pokal. Die Siegerin Fabienne Amrhein mit strahlendem Lächeln.

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Soest.   Hervorragendes Fazit nach der 36. Auflage des Silvesterlaufs von Werl nach Soest. Die Geschichte des Siegers bewegt. Petros hat Olympia 2020 als Ziel.

Wenn der Besenwagen die letzten Überbleibsel des Silvesterlaufs von der Bundesstraße 1 gefegt hat, dann ist am Silvesterabend für Ingo Schaffranka der Zeitpunkt gekommen, um in sich zu gehen. „Dieser Lauf gehört zu den besten der letzten 20 Jahre“, bilanzierte der Cheforganisator des Silvesterlaufs nach der 36. Auflage. Von „einem Silvesterlauf der Superlative“, sprach Andreas Beulertz, der sportliche Leiter, gar. Allein der deutlich größere Zuschauerzuspruch im Vergleich zu einigen Vorjahren gab ihnen Recht.

Ganz entscheidend für ein positives Fazit sind aber auch sympathische Gewinner – und die hatte die Kult-Veranstaltung definitiv zu bieten. Als Fabienne Amrhein der riesige, goldene Siegerkranz auf ihre schmalen Schultern gelegt wurde, lachte die 25-Jährige. „Da weiß man, wofür man das ganze Jahr gearbeitet hat“, freute sich die Deutsche Hochschulmeisterin angesichts der fast monströsen Trophäe.

Bei ihrem Debüt gleich der erste Platz in der Frauen-Konkurrenz – obwohl Amrhein favorisiert war, geriet sie in Schwärmen, als sie nach 53:03 im Ziel angekommen war. „Ich habe gleich ein gutes Tempo gefunden. Der Rückenwind hat natürlich super motiviert, da ist es schon etwas leichter gefallen. Ich war ein bisschen schneller als gedacht.“

Mit strahlenden Augen konnte die Athletin von der MTG Mannheim auch über die Atmosphäre zwischen Werl und Soest sprechen. „Einmalig. Die Stimmung ist echt etwas Tolles hier. Wenn man durch die Dörfer läuft, aber dann auch in die Stadt kommt – es ist so laut, in den Gassen hallt es richtig.“

Sechs Kilometer zu Fuß zur Schule

Bewegt reagierte auch Amanal Petros. „Das war ein besonderer Silvesterlauf. Es war großartig dabei gewesen zu sein. Wie ich mitbekommen habe, sind 6000 bis 7000 Teilnehmer mitgelaufen. Eine besondere Atmosphäre, es hat viel Spaß gemacht“, postete der schnellste Mann von Werl nach Soest auf seinem Instagramprofil – passenderweise nur wenige Minuten vor dem Jahreswechsel. Schon im Ziel hatte Petros eine Art Laudatio gehalten. „Ich möchte mich bei allen für Ihre Unterstützung bedanken. Ich liebe das.“

Große Emotionen, für welche der gebürtige Eritreer jedoch allein schon mit seiner Geschichte sorgt. Als 16-Jähriger hatte sich Amanal Petros im Jahr 2012 nach Deutschland aufgemacht – völlig auf sich allein gestellt. Auf der Flucht, nur mit der Perspektive, dass es dort besser werden müsste als in der Heimat. In der Flüchtlingsunterkunft in Espelkamp angekommen, fing Petros an zu rennen, um sich dem schwierigen Klima dort zumindest für ein paar Minuten zu entziehen. Lauferfahrung hatte er keine – wenn man einmal davon absieht, dass er damals in Afrika den sechs Kilometer langen Schulweg zu Fuß zurückgelegt hatte.

Sportsoldat will zu Olympia

Ab 2014 kümmerte sich dann jedoch FLVW-Stützpunkttrainer Thomas Heidbreder um Petros – und rasant ging es für ihn vorwärts. Erst errang er zwei Titel bei Deutschen U20-Meisterschaften, dann erste Plätze in Serie in der Altersklasse U23. Sogar auf internationalem Parkett feierte er Erfolge, bei der Junioren-EM in diesem Jahr gewann Petros über 10 000 Meter Silber. Nebenbei absolvierte er seinen Schulabschluss, lernte fließend Deutsch zu sprechen und wurde eingebürgert. Heute engagiert sich der Cross-Spezialist sogar selbst in der Flüchtlingsintegration.

Als deutscher Staatsbürger gehört Petros mittlerweile auch dem DLV-Kader an, was ihm neue Fördermöglichkeiten eröffnet. Seit vergangenem Sommer ist er stolzer Sportsoldat und kann sich voll auf den Sport konzentrieren. „Mein Ziel für 2018 ist natürlich die Leichtathletik-Europameisterschaft in Berlin“, sagt Petros. Doch auch für 2020 hat er schon Pläne: Die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio. Ob man solch ein Ass noch einmal beim Silvesterlauf sehen wird? „Ach, das muss ich mal abwarten“, meinte der glückliche Gewinner mit einem milden Lächeln.

Fabienne Amrhein hingegen entgegnete auf die Frage, ob es ein Wiedersehen mit Werl-Soest geben wird: „Das kann durchaus sein.“

Auch über fünf Kilometer siegte bei den Männern ein Debütant: Till Grommisch vom TLV Germania Überruhr. Wir sprachen mit dem 18 Jahre alten Essener über seinen Titel.

Till Grommisch, wie waren Ihre Eindrücke von den 5 Kilometern beim Silvesterlauf Werl-Soest?

Grommisch: Es war sehr schön. Es herrschte Rückenwind und war sehr warm. Dazu habe ich die Stimmung an der Strecke sehr genossen.

Sind sie mit dem klaren Ziel angereist, zu gewinnen?

Grommisch: Ja, als Leistungssportler hatte ich schon die Ambition, zu gewinnen oder zumindest ganz vorne zu landen. Ich hatte einen ganz guten Konkurrenten dabei, zumindest die ersten dreieinhalb Kilometer – aber dann wollte ich auch den Sieg.

Wie ist das, wenn man die Strecke noch gar nicht kennt – anspruchsvoll?

Grommisch: Man muss schon ein bisschen aufpassen. In den Kurven bin ich auch mal einen etwas weiteren Weg gelaufen, weil ich nicht wusste, geht es gleich links oder rechts herum?

Sind die 5 Kilometer Ihre Paradestrecke?

Grommisch: Nein. Ich bin 2017 die 1500 Meter und die 3000 Meter gelaufen, jetzt werde ich auch die 5000 Meter auf der Bahn angehen.

Mit Ihnen in den Top 10 sind noch zwei Vereinskameraden. Wie kommt’s?

Grommisch: Ja, wir machen gerade eine Art Trainingslager in Winterberg. Dort haben wir uns spontan dazu entschlossen, einen Silvesterlauf mitzulaufen und dieser hier war am nächsten. Außerdem ist hier richtig etwas los, das hat sich also gelohnt. Wir sind vier Läufer sowie drei Mehrkämpfer, aber auch die haben mitgemacht.

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