Ausstellung

Ausstellung: Picasso, Chagall und Miró in Attendorn

Joan Miró/ A toute epreuve, 1958: Malerbuch mit 80 Farbholzschnitten in verschiedenen Formaten (Ausschnitt)

Joan Miró/ A toute epreuve, 1958: Malerbuch mit 80 Farbholzschnitten in verschiedenen Formaten (Ausschnitt)

Foto: PICASSO Museum Münster / Picasso Museum Münster

Attendorn.  „Dreigestirn der Moderne“: Das Südsauerlandmuseum Attendorn zeigt in Kooperation mit dem Picasso-Museum Münster eine spannende Ausstellung.

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Pablo Picasso mag keine fliegenden Kühe. Deshalb findet er durchaus kritische Worte für den ansonsten geschätzten Kollegen Marc Chagall, der bekanntlich nicht nur Liebespaare, sondern auch landwirtschaftliches Nutzvieh in die Luft gehen lässt. Joan Miró wiederum hält sich aus solchen Diskussionen heraus, denn er verfolgt mit seiner Kunst ganz eigene Ziele. Mit der Ausstellung „Dreigestirn der Moderne“ zeigt das Südsauerlandmuseum Attendorn ab Sonntag, wie Experiment, Farbmagie und kalligraphische Poesie die drei Kunst-Pioniere Picasso, Chagall und Miró zu den großen Publikumslieblingen der Moderne werden lässt.

Das von der Sparkassenstiftung getragene, sehr gut besuchte Kunstmuseum Pablo Picasso Münster ist das einzige Museum Deutschlands, das dezidiert den Auftrag hat, seine exquisite Sammlung durch Gastauftritte in anderen Häusern einem breiten Publikum zugänglich zu machen. So haben die Münsteraner für Attendorn eigens eine Schau mit Werken zusammengestellt, die teils sehr bekannt, teils aber auch echte Entdeckungen und nur hier zu sehen sind. Direktor Prof. Dr. Markus Müller kommt am Sonntag zur Eröffnung nach Attendorn. Die Münsteraner vereinen in ihrem Bestand über 800 Grafiken Pablo Picassos, darunter das fast vollständige lithografische Werk des spanischen Künstlers. Dazu kommen weitere Sammlungen mit Grafiken von Künstlerfreunden.

Lichtempfindliche Exponate

Das Südsauerlandmuseum ist sicherheitstechnisch und klimatisch bestens gerüstet für derart hochkarätige Exponate. Nur wird es den Besuchern möglicherweise ein bisschen schummrig vorkommen, „weil es sich um sehr empfindliche Papierarbeiten handelt. Die werden nicht permanent gezeigt. Nach unserer Ausstellung werden sie wieder lichtsicher in Schubern verpackt“, begründet Museumsleiterin Monika Löcken die vorgeschriebenen geringen Luxwerte.

Gleich zu Beginn wird das Auge von zwei bekannten und beeindruckenden Picasso-Motiven gefesselt, dem Stierkopf und der Figur mit gestreifter Bluse. Pablo Picasso (1881 - 1973) hat die Technik der Lithografie erst relativ spät für sich entdeckt, ist dann aber in einen regelrechten Rausch des Experimentierens mit dem Steindruck geraten. „Die Figur mit gestreifter Bluse ist auf der Basis sechs verschiedener Druckplatten entstanden, für die je eine Farbe Verwendung fand“, erläutert Markus Müller im extra für die Ausstellung konzipierten Katalog. Wie ein Thema mit Variationen wirken die verschiedenen Ausformulierungen von geschätzten Themen wie Mädchenkopf, Widderkopf oder Taube.

Orpheus vor dem Totenreich

Zu den Entdeckungen der Ausstellung gehört allerdings Picassos Serie aus dem Malerbuch „Der Gesang der Toten“ nach dem Text von Pierre Reverdy. Hier werden Orpheus, der mit seiner Leier die geliebte Frau zurücksingen will und der Fährmann Charon mit alarmierend roten Pinselstrichen so reduziert wie die Umrisse einer archaischen Höhlenmalerei aufs Papier gebannt.

Malerbücher sind auch für Joan Miró ( 1893 - 1983) ein wichtiges Thema. Das Südsauerland zeigt gleich zwei, die „Selbstgespräche“ nach Texten von Tristan Tzara und „À toute épreuve“ (Beliebiger Beweis) nach Texten von Paul Éluard. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Wort und Zeichen, wird die gleichsam kalligraphisch reduzierte Malerei in ihrer rhythmischen Verdichtung und farbenprallen Symbolik selbst zum Gedicht.

Unterschätzter Künstler

Marc Chagall (1887 - 1985) ist vielleicht der populärste und darum möglicherweise unterschätzteste Künstler des Dreigestirns. Seine Vorliebe für Motive aus der Bildwelt seiner russischen Heimat, die Fröhlichkeit seiner Farben verführen dazu, ihm eine folkloristische, ja harmlose Gloriole zuzuschreiben. Dabei sind Chagalls Arbeiten geprägt von tiefer Trauer. Denn alle die „verrückten“ Gestalten, die auf seinen Bildern zu schweben scheinen, die gibt es ja nicht mehr, sie wurden im Holocaust vernichtet, und Chagall hält ihnen mit seiner Kunst die Totenwache. „Reales und Magisches durchmischen sich in der Bildwelt Chagalls, führen eine unbekümmerte Koexistenz“, konstatiert Markus Müller.

Mit rund 35 Lithografien und Farbholzschnitten öffnet das „Dreigestirn der Moderne“ die Tür zu einer Welt, in der es nicht um das Kunstwerk als fertiges und angebetetes Ergebnis geht, sondern um den viel spannenderen Entstehungsprozess, das Experiment, den Austausch mit anderen Kunstformen, eben um den Schaffensprozess.

Die Ausstellung läuft vom 18. November bis zum 16. Februar.

www.suhttp://www.suedsauerlandmuseum.deedsauerlandmuseum.de

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