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Öko-Landwirtschaft: Glückliche Kühe aus Schmallenberg

Der Biohof Schenuit bei Schmallenberg.

Der Biohof Schenuit bei Schmallenberg.

Foto: Ralf Rottmann

Schmallenberg.   Ein Biohof in Schmallenberg hat vor fast 20 Jahren seinen Betrieb umgestellt und setzt auf glückliche Kühe statt Massenware.

Nein, Gesinnungslandwirte sind die Schenuits nicht. Das Anliegen der Familie mit Biohof in Schmallenberg-Oberhenneborn ist es nicht, ökologisches Gedankengut anderen Menschen aufzuzwingen. Maria Schenuit (56) räumt denn auch freimütig ein: „Wir haben unseren Betrieb 1999 auf Bio umgestellt, weil die Milchpreise am Boden lagen.“ Fast 20 Jahre später ist die ökologische Landwirtschaft für sie „Grundeinstellung und Leidenschaft zugleich“: „Wir haben die Umstellung nicht einen Tag bereut“, sagt Josef Schenuit (57).

„Bio-Fleisch direkt vom Produzenten“ heißt es auf dem Hof im Schmallenberger Sauerland. Derzeit sind 50 Mutterkühe sowie 100 Bullen und Rinder sozusagen das Herzstück des Betriebs. Wer allerdings in diesen Tagen Muh-Geräusche aus den Ställen erwartet, sieht sich getäuscht. „Die Tiere sind den ganzen Sommer über auf der Weide“, sagt Josef Schenuit. Industrielle Massentierhaltung ist hier tabu, wollten Werber das Bild von den glücklichen Kühen zeichnen, sie könnten sich auf den Weg nach Oberhenneborn machen. „Das Tierwohl liegt uns sehr am Herzen“, so Tochter Regina (30). Die ausgebildete Landwirtin wird eines Tages den Betrieb übernehmen.

Strohgestreute Laufställe

So bleiben Mutterkuh und Kalb für acht Monate zusammen, im Winter befinden sich die Tiere in strohgestreuten Laufställen.

Seit fünf Jahren vermarktet der Betrieb sein Bio-Fleisch direkt. Überwiegend handelt es sich um die Rasse Limousin. „Sie hat ein feines Fleisch mit einer schönen Marmorierung.“ Die Verkaufsmengen sind kontinuierlich gestiegen, erzählt Maria Schenuit. Das Bewusstsein der Menschen habe sich verändert. „Es wird wieder mehr Wert auf vernünftiges, gesundes Essen gelegt.“ Bio habe sich in den Köpfen festgesetzt. Auch wenn die Preise etwas höher sind als bei Nicht-Bio-Ware. „Nehmen Sie allein die höheren Futterpreise und die langsamere Mast gegenüber der konventionellen Landwirtschaft.“

Das wollen auch Discounter ausnutzen, die ihr Sortiment aus ökologischem Anbau stetig erweitern. „Das ist meist EU-Bio“, sagt Regina Schenuit, „die Regeln sind viel lockerer als bei unserer Bio-Verbandsware.“ (Der Biohof ist Mitglied beim Anbauverband Bioland). Das wüssten viele Kunden: „Besonders sensible Lebensmittel wie Eier und Fleisch werden eher beim Bio-Bauern gekauft“, sagt Maria Schenuit.

Nachhaltigkeit im 10-Kilo-Paket

So sei auch der etwas höhere Fleisch-Preis kein Thema bei den Kunden. „Ich habe noch keinen gehört, der gesagt hat, dass es zu teuer ist.“ Eher vernehme man den Tenor: weniger, aber dafür gut. Und nachhaltig.

Das garantiert der Biohof auch mit seinen „10 Kilogramm Rindfleischpaketen (3 Rumpsteaks, 4 Rouladen, 1-2 Bratenstücke, 1 kg Gulasch, 3 kg Hackfleisch, Suppenfleisch aus Beinscheibe, Flachrippe, Brust) zum Kilopreis von 12,90 Euro. „Wir verkaufen sozusagen das ganze Tier. Vermitteln das Bewusstsein, dass nichts weggeworfen werden muss und man auch mit nicht so hochwertigem Fleisch – zum Beispiel die Beinscheibe für eine Suppe – Gutes kochen kann.“

Maria Schenuit hat zwei Kundengruppen ausgemacht, die am häufigsten Ware vom Biohof kaufen: „Die eine sind die über 60-jährige Frauen, die noch gut kochen können. Sie sagen sich: ,Wir essen nicht mehr so viel. Aber das, was wir noch essen, soll gut sein.“ Die andere Kundengruppe seien Familien mit kleinen Kindern: „Da ist tatsächlich der Wunsch da, sich gesund und qualitativ hochwertig ernähren zu wollen.“

Mit gutem Beispiel voran

Die Schenuits selbst gehen mit gutem Beispiel voran: „Zu 95 Prozent essen wir unser eigenes Fleisch“, sagt Tochter Regina („es darf auch einmal eine Bratwurst vom Grill sein“). Sie bildet zusammen mit ihrem Vater die Steak-Fraktion – als Beilage selbstverständlich Bio-Kartoffeln. Mutter Maria steht auf Hausmannskost: Rinderrouladen und Sauerbraten. In bester Bio-Qualität, ergänzt Ehemann Josef: „Der Braten bleibt in der Pfanne, so wie er reingekommen ist. Da wird nichts kleiner.“

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