Bierjahr

Bierbilanz: Veltins, Warsteiner und Krombacher trotzen Trend

Voraussichtlich rund zwei Millionen Hektoliter weniger Bier als im Vorjahr flossen durch die Kehlen der Deutschen.

Voraussichtlich rund zwei Millionen Hektoliter weniger Bier als im Vorjahr flossen durch die Kehlen der Deutschen.

Foto: Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Hagen.  2019 war für die Bierbranche ein schwaches Jahr – aber nicht für jede Marke. Die großen NRW-Brauereien schlugen sich beachtlich bis sehr gut.

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Das Bierjahr 2019 neigt sich dem Ende zu. Mit Weihnachtsaktionen werden die Brauereien versuchen, noch ein paar Hektoliter unter das Volk zu mischen. Aber bereits jetzt bestätigt sich, was die Branche schon im Frühjahr befürchtete: An die Vorjahresergebnisse können die wenigsten anknüpfen.

„Im Vergleich zu 2018 verliert die Branche gut zwei Prozent Absatz. Es fehlen die Sondereffekte und der Jahrhundertsommer“, sagt Marc-Oliver Huhnholz, Sprecher des Deutschen Brauerbundes. Bei den großen Brauereien in NRW dürfte sich die Katerstimmung dennoch in engen Grenzen halten.

Krombacher bleibt Primus

Beispiel Pils-Primus Krombacher: Im Vorjahr hatte die Brauerei erstmals sieben Millionen Hektoliter Ausstoß. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass dieses Ergebnis dank guter Nachfrage nach Schweppes wieder erreicht wird. Beim Bier wird der Vorjahresrekord aber wohl nicht erreicht. Das Branchenmagazin Inside prognostiziert einen Rückgang von 1,5 Prozent und damit knapp unter den 6 Millionen Hektolitern von 2018. Immerhin lägen die Siegerländer damit noch besser als der Branchenschnitt.

„Es war klar, dass das tolle Jahr 2018 mit dem Supersommer nicht zu toppen sein wird. Nichtsdestotrotz sind wir bei Krombacher auch mit 2019 im Hinblick auf Marktanteil und Ausstoß zufrieden. Insbesondere mit Blick auf die gesamte Gruppe und einer weiterhin starken Performance von Pils, den alkoholfreien Sorten und Schweppes sind wir nach wie vor sehr zuversichtlich, auch dieses Jahr erfolgreich abschließen zu können“, heißt es von Krombacher auf Nachfrage der Westfalenpost.

Nagelprobe 2020

Gewohnt zugeknöpft gibt sich die Warsteiner Brauerei, die sich nach einem längeren Sinkflug beim Ausstoß zuletzt erholt und einen Absturz unter die zwei Millionen Hektoliter abgewendet hatte. Nach Inside-Zahlen liegen die Warsteiner, die sich mit Sponsoring von Musik- und verstärkt auch E-Sports-Veranstaltungen insbesondere junger Kundschaft zuwenden, auch besser als der Branchenschnitt bei etwa minus 1,4 Prozent.

Spannend dürfte das kommende Jahr werden. Dann wird sich zeigen, ob die im Oktober dieses Jahres durchgeführte Preiserhöhung zurück auf das Niveau der Premiummarken durchzuhalten sein wird. Während Krombacher und Veltins die Preise bereits 2018 – ohne Schaden – erhöht hatten, zogen die Warsteiner erst im Herbst nach.

Magische 10-Euro-Schwelle

In der Branche liegt die magische Schwelle für eine 20er-Kiste Bier bei zehn Euro. Wer dauerhaft darunter fällt, spielt nicht mehr in der 1. Liga, dem Premiumsegment. Wie schnell das gehen kann, zeigte sich in den vergangenen Jahren bei der Marke Hasseröder aus dem Harz (Wernigerode), die zum weltgrößten Bierkonzern, der Anheuser-Busch InBev, gehört.

Zwei Jahre lang hatte die Marke – wie auch das Traditionsaltbier Diebels aus Issum – zum Verkauf gestanden. Im Frühjahr kam die Kehrtwende vonseiten des Konzerns. Jetzt wird Hasseröder wieder stärker beworben, was sich auch in einem deutlichen Absatzplus in diesem Jahr widerspiegelt. So gesehen gehört Hasseröder zu den Gewinnermarken – allerdings auf niedrigem Preisniveau, eben unter der magischen 10-Euro-Grenze.

Rekord bestätigt

Ein Problem, das die Brauerei Veltins aus Meschede-Grevenstein nicht kennt. „Für uns hat sich der Jahrhundertsommer wiederholt“, sagt Sprecher Ulrich Biene gut gelaunt. Man steuere auf plus minus Null gegenüber dem Vorjahr zu. Was bedeutet: Das Rekordergebnis wird in einem schwierigen Jahr mit Verlusten für viele andere Marken bestätigt. Daraus folgt: Erneuter Gewinn an Marktanteilen.

Getragen wird der Ausstoß und Umsatz wie bei den meisten vom Produkt Nummer eins: dem Pils. Nach wie vor ist das Grevensteiner Landbier original ein Selbstläufer.

Helles überholt Weizen

Die Variante Helles führt dagegen noch ein Nischendasein, obwohl das einfache Helle in diesem Jahr bundesweit betrachtet zu den Gewinnern gehört. Es hat beim Marktanteil das Weizen (Weißbier) sogar überholt. Hier haben die Erdinger, Paulaner und Co. überdurchschnittlich verloren.

„Ob Helles in NRW und im Norden ein Trend wird, muss sich erst noch beweisen“, bleibt Branchenexperte Biene hier eher skeptisch. Ganz anders mit Blick auf 2020. Auch wenn eine Fußball-Europameisterschaft kürzer ist als eine WM, rechnet Biene mit bis zu einer Million Hektoliter zusätzlich für die Branche durch das Sportereignis. Zum Vergleich: In diesem Jahr hat man voraussichtlich insgesamt rund zwei Millionen Hektoliter verloren.

Als „erdrutschartig“ bezeichnet der Veltinssprecher die Entwicklung 2019 – auch wenn die Grevensteiner selbst kein bisschen betroffen ist. „Unsere Produkte liegen gut im Wind“, sagt Biene. Offenkundig treffen die Sauerländer weiter den Geschmack der Biertrinker.

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