Liebesromantage

Liebesroman-Autoren treffen sich in Iserlohn

Eine Liebe wie im Film: Vivien Leigh und Clark Gable in „Vom Winde verweht“.

Foto: Handout

Eine Liebe wie im Film: Vivien Leigh und Clark Gable in „Vom Winde verweht“. Foto: Handout

Iserlohn.   70 Autorinnen und Autoren treffen sich in Iserlohn zu den Liebesromantagen. Warum romantische Heldinnen nicht mehr blond und blöd sein müssen.

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Die Welt braucht Happy Ends. Das weiß Andrea Reichart von Herzen. Die Iserlohner Schriftstellerin ist Präsidentin der Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautoren und -autorinnen (Delia) und damit Gastgeberin der Liebesromantage in Iserlohn, die heute eröffnet werden. Knapp 70 Literaten treffen sich bis zum 30. April zu öffentlichen Lesungen und internen Arbeitsgruppen, darunter das Autorenpaar Iny Lorentz („Die Wanderhure“) und Kerstin Gier („Männer und andere Katastrophen“). Sie alle eint eine Mission: Den Liebesroman aus der Kitsch-Ecke zu befreien. Wir präsentieren eine Checkliste für verliebte Heldinnen.

Haarfarbe

Blond und doof war gestern, ebenso das brünette Biest. „Nur darauf zu achten, dass die Maggiflasche nicht leer wird, das ist heute nicht mehr der Traum einer Frau“, konstatiert Andrea Reichart. Die Zeit der Stereotypen ist vorbei. Kurzhaarfrisur, Brille, jung und schlank? Lange Locken, 50 und Kurven? Weiblichkeit kennt viele Gesichter.

Körbchengröße

„Statt die Umwelt mit einem prallen Busen zu blenden, setzen die Frauenfiguren ihr Hirn ein“, schildert Andrea Reichart. Die Heldinnen dürfen studieren, sich scheiden lassen, als Maschinenbauingenieurin ebenso arbeiten wie als Köchin. „Frauen müssen ihren Intellekt und ihren Mutterinstinkt nicht mehr hinter ihrer Weiblichkeit verstecken. Die Heldinnen sind genauso vielfältig wie die realen Frauen von ganz selbstbewusst bis tief verwundet.“

Beuteschema

„Manchmal geht man nur kurz mit dem Hund raus, und es macht schnapp“, bringt Andrea Reichart das Geheimnis der Liebe auf den Punkt. Doch der Traummann ist selten leicht zu finden. „Die Zahl der Alphamännchen ist ja begrenzt.“ Merke: Der Humor darf im modernen Liebesroman nicht zu kurz kommen. Männer stehen nicht mehr auf dem Sockel. Und manchmal rettet die Heldin auch den Helden statt umgekehrt.

Sex

Gab es in Omas Liebesromanen allenfalls heiße Blicke, geht es heute gerne zur Sache. „Erotische Romane boomen“, beschreibt Andrea Reichart die Branche. Tatsächlich hat erst der Liebesroman und vor allem der erotische Roman eine viel kommentierte Entwicklung auf dem Buchmarkt befeuert, und zwar das digitale Self Publishing. „Die ganze Self-Publishing-Welle hat überhaupt erst damit angefangen, dass Frauen die Geschichten geschrieben haben, die sie selber lesen wollten“, erläutert Andrea Reichart. Nicht ohne Grund finden sich Liebesromane häufig in den Bestsellerlisten. Allein die 200 Delia-Mitglieder haben mehr als 30 Millionen Bücher verkauft.

Erlösung

Hedwig Courths-Mahler steht sinnbildlich für die Schubladen, aus denen sich Liebesromanautorinnen befreien wollen. Über 200 Romane hat sie verfasst, die immer noch aufgelegt werden. Aber Hedwigs Heldinnen wollten sich den Männern unterwerfen, sie wollten aus einer unsicheren Existenz durch Heirat erlöst werden. Andrea Reichart: „Courths-Mahler hat für die Frauen ihrer Zeit geschrieben, die sich nach Liebe und Familie sehnten, aber nach dem Ersten Weltkrieg gab es keine Männer mehr.“

Kittelschürze

Liebesromane spiegeln das Frauenbild ihrer Zeit, aber sie prägen es auch. Das Heimchen am Herd hat ausgedient. Die Heldin muss nicht mehr fromm und treu sein und ihre Erfüllung in der Mutterrolle finden. „Unsere Leserinnen sind in allen Schichten unterwegs, zählen zu den unterschiedlichsten sozialen Gruppen und verwirklichen die unterschiedlichsten Lebensmodelle. Kinder und Karriere sind kein Widerspruch mehr. Liebesromane für Mädchen vermitteln Rollenbilder, bei denen die Heldin auch mal kämpft und dabei über sich hinauswächst“, so Andrea Reichart.

Das Gute siegt

„Wir schreiben Unterhaltungsliteratur und wir sind stolz, dass wir dieses Handwerk beherrschen. Damit werden hohe Auflagen erzielt“, unterstreicht Andrea Reichart. Dennoch nagt der Kitsch-Vorwurf an den Autorinnen. „Wir kämpfen seit der Gründung des Verbandes dafür, dass das Trivialitäts-Klischee wegkommt. Das Selbstbewusstsein ist inzwischen da. Ein Roman, dessen Thema die Liebe ist, ist nicht per se trivial, gerade heute, wo wir nichts mehr brauchen als Leute, die Optimismus haben. Der Glaube daran, dass das Gute siegt, trifft auf ein Riesenbedürfnis.“

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