August Macke

Kunstfreunde pilgern nach Arnsberg zu Macke-Ausstellung

August Macke: Gartenbild, 1911 (Ausschnitt).

August Macke: Gartenbild, 1911 (Ausschnitt).

Foto: Foto: Kunstmuseum Bonn, Foto: David Ertl, Köln

Arnsberg.  Die Macke-Ausstellung im Neubau des Sauerland-Museums Arnsberg bricht alle Rekorde. Das hat mehrere Gründe, die verraten wir hier

August Macke gehört zu den besonders strahlkräftigen Künstlern. In Arnsberg mobilisiert der Maler jetzt die Massen. Die Ausstellung „August Macke – Ganz Nah“ im Neubau des Sauerland-Museums ist ein Publikumsmagnet, denn hier können die Besucher mit bisher nie oder selten gezeigten Exponaten den unbekannten Macke entdecken. Mit 18.000 Gästen in den ersten acht Wochen hat das neue Haus parallel auch den Stresstest bestanden. Bis zum 8. Dezember ermöglicht die Schau noch Einblicke in das Privatleben und Schaffen des großen Pioniers der modernen Malerei.

„Die Ausstellung verschafft uns ein gutes Auftakt-Image“, freut sich Dr. Jürgen Schulte-Hobein, der Direktor des Sauerland-Museums. Der Neubau neben dem Landsberger Hof mitten in Arnsbergs Altstadt ist ein Regionale-Projekt und steht nun als Leuchtturm dafür, dass es sich lohnt, in kulturelle Infrastruktur zu investieren, um einen Standort aufzuwerten. „Weiche Standortfaktoren können maßgeblich zu einer positiven Wirtschaftsentwicklung beitragen, das erleben wir gerade“, bilanziert Schulte-Hobein. Die Macke-Gäste lassen Geld in der Stadt.

Die Besucher kommen aus Hagen, Hamm und Dortmund

57 Prozent der Besucher kommen von außerhalb des Hochsauerlandkreises, hat das Museumsteam ermittelt. Hagen, Dortmund und Hamm sind Nachbarstädte Arnsbergs, aus denen extra viele Kunstfreunde anreisen. „Aber auch der Köln-Bonner Raum, Hannover, Frankfurt oder Stuttgart sind vertreten“, weiß Schulte-Hobein. Das Publikum erlebt nicht einfach eine Macke-Ausstellung wie viele andere. In Arnsberg werden Biographie und Schaffen gleichermaßen untersucht.

August Macke wird am 3. Januar 1887 in Meschede geboren. Der Vater August Friedrich ist Bauingenieur, die Mutter Maria Florentine geb. Adolph stammt aus einer eingesessenen Eversberger Bauernfamilie. Da die Familie noch im gleichen Jahr nach Köln zieht, kann man den größten Künstler des Sauerlandes dortselbst nicht verorten. „Aber wir haben für die Ausstellung erarbeitet, wie tief die mütterlichen Vorfahren in der Region verwurzelt sind“, betont Schulte-Hobein. „Der Vater war Schützenkönig in Velmede, dort liegt auch der Schützenorden, das wusste keiner, das hat selbst vermeintliche Macke-Kenner überrascht.“ Schon der Vater malt, wie einige Landschaften in der Ausstellung belegen.

Regionaler Bezug

Dieser regionale Bezug hat dem Sauerland-Museum viele Türen zur Familie und anderen privaten Leihgebern geöffnet. So beleuchtet Arnsberg Aspekte von Leben und Schaffen mit Exponaten, die selten oder sogar erstmalig zu sehen sind. Dass Macke für das Düsseldorfer Schauspielhaus Bühnendekorationen und Kostüme entwarf, gehört zu den Überraschungen. Seine enge Beziehung zu dem Ort Kandern im Schwarzwald, wohin sich die Schwester Augustine verheiratet hatte, ist auch so ein Fundstück, ein wichtiges dazu, denn von Kandern aus ist es nicht weit nach Basel, wo Macke erstmals mit den Impressionisten in Kontakt kommt, ein Schlüsselerlebnis.

200 Porträts von der Ehefrau, dem Lieblingsmodell

Seine spätere Frau Elisabeth Gerhardt lernt Macke mit 16 Jahren auf dem Schulweg kennen, eine Tochter aus ersten Bonner Fabrikantenkreisen. „Als Elisabeth schwanger wird, fällt die Familie aus allen Wolken. Die hatten sich einen anderen Schwiegersohn vorgestellt. Nach der Eheschließung legte man den beiden nahe, Bonn zu verlassen, damit die feine Gesellschaft nicht mitkriegt, wann das Kind auf die Welt kommt“, erläutert Dr. Ulrike Schowe, die stellvertretende Museumsleiterin. So lässt sich das Paar für ein Jahr am Tegernsee nieder, wo Macke Franz Marc kennenlernt, beide Familien freunden sich an.

Elisabeth Macke wird zum Lieblingsmodell Augusts, 200 mal hat er sie gemalt. Auch die Söhne Walter und Wolfgang porträtiert er, und zwar im Sinne der Reformpädagogik kindgerecht und nicht wie bis dato üblich als kleine Erwachsene.

Erstmals legt eine Macke-Ausstellung zudem den Fokus auf die kunstgewerblichen Arbeiten des Künstlers, die Vorzeichnungen für Stickereien und Teppiche. Mit diesen Werken lebt die Familie bis heute, ein farbenpraller Wandteppich hängt zum Beispiel beim Besitzer über dem Sofa. Besonders berührend ist eine Tischdecke, die Elisabeth Macke im Jahr 1935 zur Erinnerung an ihren ersten Mann bestickt hat, der am 26. September 1914 mit nur 27 Jahren im Ersten Weltkrieg fiel – und an den Sohn Walter, der 1927 mit 17 Jahren an Scharlach starb. Hier kommen die Besucher den Mackes wirklich nahe.

Das neue Gebäude bewährt sich

Das neue Gebäude bewährt sich. Sicherheit und Klima funktionieren. Ulrike Schowe: „Wir nehmen alle zehn Minuten Klimadaten und sind mittlerweile ganz entspannt, denn sie sind auch bei hohem Besucherandrang immer im grünen Bereich.“ Besonders nachmittags und am Wochenende wird es voll im Museum, dann muss eine zweite Garderobe aufgebaut werden, und die Gäste werden auch schon mal gebeten, eine Viertelstunde im Museumscafé zu warten. Deshalb hat Jürgen Schulte-Hobein einen Tipp: „An Werktagen vormittags kann man die Ausstellung in Ruhe sehen. Wer es ganz ruhig haben möchte, der kommt um 9 Uhr.“

Mit 5 Euro Eintritt (Kombiticket: 7,50 Euro) ist „August Macke - Ganz Nah“ im Vergleich sehr günstig. Ulrike Schowe: „Wir haben gesagt: August Macke für alle, wir wollen es allen ermöglichen, zu kommen, und das ist aufgegangen.“ Trotz des großen Andrangs kann die Ausstellung nicht verlängert werden, da die Leihgaben befristet sind.

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