Konsum-Studie

Kinder bestimmen beim Einkaufen verstärkt mit

Ab dem sechsten Lebensjahr treffen Kinder eigene Kaufentscheidungen. Wie kompetent sie dabei vorgehen, hängt von einer Vielzahl unterschiedlicher Fähigkeiten ab.

Ab dem sechsten Lebensjahr treffen Kinder eigene Kaufentscheidungen. Wie kompetent sie dabei vorgehen, hängt von einer Vielzahl unterschiedlicher Fähigkeiten ab.

Foto: Uni Siegen

Siegen.   Kinder entscheiden mit, wohin der Urlaub geht und welches Auto gekauft wird. Eine Studie soll klären, wie es um ihre Kaufkompetenz bestellt ist.

Kinder sind ein Wirtschaftsfaktor. Nicht nur eine finanzielle Belastung für Eltern, nicht nur eine Voraussetzung eines funktionierendes Rentensystems. Kinder sind auch Akteure. Sie kaufen ein. Das ist Fakt. Wie aber ist das dabei um ihre Kaufkompetenz bestellt? Das wollen Wirtschaftswissenschaftler der Universität Siegen jetzt gemeinsam mit zwei anderen Forschungspartnern herausfinden. Um was es dabei genau geht, erklärt Dr. Michael Schuhen vom Zentrum für ökonomische Bildung.


Was weiß man über das Konsumverhalten von Kindern?
Michael Schuhen: Nicht sonderlich viel. In den 1960ern und -70ern hat man die Kinder als kleine Erwachsene betrachtet. Später wurde gesehen, dass sie als Verbraucher Einschränkungen unterworfen sind, etwa in der Wahrnehmung oder beim Rechnen. Danach hat man erst angefangen, speziell zu forschen.

Kinder üben doch aber auch Einfluss auf Kaufentscheidungen ihrer Eltern aus.

Absolut. Schon Dreijährige artikulieren, welche Marke sie wollen. Kinder bestimmen heute mit, wohin in Urlaub gefahren wird und welches Auto gekauft wird. So ist es doch interessant, dass in der Autowerbung verstärkt Kinder zu sehen sind, und das nicht nur bei den Familien-Vans. Hier zeigt sich, dass die Unternehmen vielfach schon weiter sind als die universitäre Forschung. Und die Eltern haben sich geändert gegenüber früher: Sie geben vielfach schneller nach, um Ärger aus dem Weg zu gehen.

Kinder haben aber auch selbst Geld zur Verfügung.

Das Budget der 6- bis 13-Jährigen, also Taschengeld inklusive Geldgeschenke, beläuft sich in Deutschland auf insgesamt 5 bis 6 Milliarden Euro.

Und für was geben sie das aus?

Das ist natürlich stark altersabhängig. Angefangen von Süßigkeiten oder Getränken bis zu Comics, Computerspielen oder Spielsachen. Insbesondere Mädchen treffen sich schon ab der 3. oder 4. Klasse nachmittags zum Shoppen.

Das untersuchen Sie aber nicht?

Wir wollen einen Test für Grundschulkinder entwickeln. Im ersten Teil sollen sie Wissens- und Einstellungsfragen beantworten, im zweiten Teil schicken wir die Kinder am Tablet durch einen virtuellen Supermarkt. Dort sollen die Kinder ihre Problemlösefähigkeiten unter Beweis stellen. Dazu gehört zum Beispiel, ob sie in der Lage sind, eine Einkaufsliste abzuarbeiten oder ob sie zum Beispiel die günstigsten Produkte bei verschiedenen Verpackungsgrößen identifizieren können. Das fällt auch vielen Erwachsenen nicht leicht. Es wird einem ja auch schwer gemacht, die Preise von Getränken in verschiedenen Verpackungsgrößen zu vergleichen.

Deshalb muss ja klein der Literpreis angegeben sein.

Dann ist eben die Frage: Wissen Kinder das? Reagieren sie darauf? Kinder haben ja schon bestimmte Strategien: In frühen Jahren können sie vielleicht nicht ausrechnen, ob das Geld reicht, und entscheiden sich deshalb dafür immer das Günstigste zu nehmen, in der Hoffnung, dass es dann schon funktioniert. Eine kindliche Strategie für Budgetplanung. Und dann ist zu klären: Sind die Kinder in der Lage, das umzusetzen, was sie sich vorgenommen haben?

Was weiß man über Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen?

Ab einem gewissen Alter gehen Kinder ungern mit ihren Eltern einkaufen. Bei Jungen ist diese Einstellung noch ausgeprägter. Das führt dazu, dass Mädchen fitter darin sind festzustellen, was frisch oder gesund ist. Sie kennen sich auch im Supermarkt besser aus und finden die Sachen, die sie suchen.

Was macht Kaufkompetenz aus?

Einkaufen ist nicht gleich Rechnen. Das ist wichtig für die Preis-Mengen-Relation, aber dazu kommen Fähigkeiten wie Budgetplanung, das Identifizieren von Werbebotschaften oder das Erkennen von persönlichen Bedürfnissen: Wenn ich drei Teile zum Preis von zweien bekomme, aber ursprünglich nur eines wollte – lohnt sich das für mich? Und wenn an einer Ware ein Prozentzeichen angebracht ist – das kennen Kinder –, muss das nicht heißen, dass sie wirklich reduziert ist.

Was ist das Ziel ihrer Forschung?

Wir wollen herausfinden, in welchen Situationen Kinder als verletzliche Verbraucher künftig stärker geschützt werden müssen und dazu Empfehlungen an Politik, Eltern und Lehrer zu formulieren.

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